Aufenthalt, Andächt’ger

Die Blicke des Fünfzehnjährigen fielen, wie es üblich ist, auf die Schönste der Klasse, die damit für ihn zur Schönsten der ganzen Schule, der Internatsschule Steinatal (> AUSREICHEND), und des Universums wurde. Eine mit großen Augen, dunklem Haar, lebhaft, viel lachend, musikalisch, Leichtigkeit und Freude in Person. Der Anfänger machte nicht nur den Fehler, die Beliebteste, Unerreichbarste zu

Nachdem er diese Schule unter dem Druck der finanziellen Argumente seiner Eltern verlassen musste, hatte er ein Jahr später, als Schüler der > ALTEN LANDESSCHULE Korbach, einen Hausaufsatz zu schreiben. Das Thema war frei, der Aufsatz sollte mit Bildern und Zeichnungen angereichert sein. Er schrieb über den Ort, aus dem er sich heimatvertrieben fühlte, die Melanchthon-Schule Steinatal mit ihren vielfältigen Anregungen. In die sachliche Darstellung des Schul- und Internatslebens mischte er seine Trauer über

Die Verse trafen seine verflossenen Empfindungen, sie hoben sie auf und verschönerten sie. Zum ersten Mal spürte er die Begeisterung über einen alten Dichter, der vor mehr als hundert Jahren so viel von dem Seelenzustand eines sechzehnjährigen Schülers einer Kleinstadt erfasst hatte, und er bewunderte diese Fähigkeit. Und doch wuchs ein Unbehagen. Auch wenn er das Gedicht mit Inbrunst vor sich hin flüsterte, der Anbetung des Waldes und des grünen Zeltes sich hingab, die erste Strophe traf seine Gefühle, aber die zweite, dritte, vierte setzten andere Akzente, und das irritierte ihn. Die höchste romantische Schwärmerei und die perfekte Form einer Strophe genügten ihm auf einmal nicht mehr – Eichendorffs Wälder, so schön sie ihre Bogen schlugen, schienen zu wenig konkret, sie wussten