«Die Aufgabe der Intellektuellen», ein allzu allgemeines Thema, das ich nach Möglichkeit meide. Oder lieber klügere Leute zitiere. Zum Beispiel Susan Sontag (> ARBEITSTITEL), von der 2004 in der «Süddeutschen Zeitung» zu lesen war, was damals schon altmodisch klang, aber allezeit und erst recht in der Zukunft aktuell ist und bleiben wird: «Es sind zwei Aufgaben, die Intellektuelle haben, heute wie gestern. Die eine, eine erzieherische, besteht darin, den Dialog zu befördern, für das Recht einzutreten, dass eine Vielzahl von Stimmen zu hören ist, und einer skeptischen Haltung gegenüber hergebrachten Meinungen das Wort zu reden. Die andere Aufgabe ist eine der Gegnerschaft. Es hat in fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern in den letzten Jahrzehnten eine erschreckende Verschiebung moralischer Einstellungen gegeben. Die Intellektuellen haben die Sisyphos-Aufgabe, weiterhin einen anderen Standard von geistigem Leben und Diskurs zu verkörpern (und zu verteidigen) als den nihilistischen, den die Massenmedien befördern. Mit Nihilismus meine ich nicht nur den Relativismus und die Privatisierung des Interesses, wie sie überall in den gebildeten Schichten an Boden gewinnen, sondern auch den neueren und noch verderblicheren Nihilismus, den Hass auf Hervorragendes, die Verunglimpfung von Leistung als ‹elitär›, als exklusiv.»