Schon drei, vier Wochen nach dem Fall der Mauer 1989 erschienen in einigen westlichen Zeitungen die ersten triumphierenden Artikel über die endgültige Niederlage des Sozialismus und der Linken. Selbst so kluge Köpfe wie Joachim Fest und Karl Heinz Bohrer fegten «die Intellektuellen» und bundesdeutschen Linken auf so selbstgefällige und hämische Weise ab, dass es mich juckte, einen Gegenartikel für die «Zeit» zu schreiben: «Der Westen wird wilder». Fest, Bohrer und den anderen ging es um das innenpolitische Aufräumen und Abräumen – weg mit allem, was linksverdächtig war. Die Herren hatten übersehen oder wollten übersehen, dass auch die von ihnen Angegriffenen in den Jahren zuvor an der Niederlage dieses Sozialismus mitgewirkt hatten. Die Dissidenten Osteuropas wurden vor allem von undogmatischen, liberalen Linken unterstützt. Böll war das bekannteste Beispiel, aber es gab noch viel mehr, allein ich, der nicht so viel wusste, hätte auf einer ganzen Zeitungsseite darüber berichten können. Das Fazit: «Je mehr die Dissidenten des Ostens Erfolg haben, desto wichtiger werden die Dissidenten des Westens.»