sind nicht nur im Alphabet nah beieinander, sondern auch in den Gesprächen mit Robert Menasse. In seiner Zeit als DAAD-Stipendiat 1993 hatten wir uns angefreundet, und wenn er in den folgenden Jahren nach Berlin kam, zog es ihn hin und wieder in die Danckelmannstraße, bei mir um die Ecke, Austern essen – die Austern im «Vinum» galten als besser und etwas günstiger als die im KaDeWe. 2001 zum Beispiel (als ich schon keine Austern mehr essen durfte, um meine verbliebene Niere zu schonen) kam er direkt vom Hegel-Kongress aus Jena, wo er die Eröffnungsrede zum Thema «Über alles in der Welt» gehalten hatte, um sich heißhungrig auf die Austern zu stürzen, das verstand ich gut (obwohl ich von Hegel nichts verstand). Nach ein bisschen Klatsch und Tratsch waren wir meistens schnell beim Thema Europa. Von Robert lernte ich, lange bevor er seinen Brüssel-Roman vorlegte, die europäischen Strukturen besser zu verstehen, die EU differenzierter zu betrachten und mehr über die ungute Europapolitik vor allem der Deutschen nachzudenken. Dazu immer wieder Österreich und seine Faschisten, FPÖ, Haider, die seien zwar die schlimmsten, aber gefährlicher seien die in der ÖVP. Wie viele Energien, klagte Robert, gingen da drauf im Kampf gegen den tief verwurzelten Austrofaschismus. «Ihr Deutschen kapiert nicht, dass wir zwei Faschismen hatten und haben: den hausgemachten Austrofaschismus und den Nationalsozialismus. Der faschistische Kanzler Dollfuß gilt als Patriot, weil er gegen Hitler war. Als wäre ein konkurrierender Faschismus antifaschistisch. Nach dem Krieg hat man in Österreich entnazifiziert, aber sich nie vom Austrofaschismus distanziert. Und der lebt und blüht weiter, bei mehr oder weniger einem Drittel der Bevölkerung.»
Inzwischen bin ich überzeugt, dass es auch für die deutschen Diskussionen über die Rechte von Nutzen wäre, Faschisten von Nazis zu unterscheiden und auch korrekt Faschisten zu nennen und nicht «besorgte Bürger», Pegida-Anhänger, «Querdenker» oder wie ähnliche euphemistische Umschreibungen lauten. Man müsste endlich wieder die Kriterien klären, welche Ansichten und Haltungen Bürger zu Faschisten machen.