Ein «Buchgeschenk» wollte ich nicht. Zum Abitur (> ABITUR, > ALTE LANDESSCHULE) erhielten die Schüler, die in ihrer Freizeit für die Schülerzeitung gearbeitet hatten, üblicherweise als Dank ein begehrtes teures Buch von circa zwanzig Mark. Als «ehemaliger Chefredakteur» hatte ich neue Ziele und mühte mich, Gedichte zu schreiben. So entstand die Idee für ein besseres Geschenk. Ich überzeugte meinen Nachfolger, etwa dreißig bis vierzig Lyrikerinnen und Lyriker anzuschreiben und sie um ein handgeschriebenes Gedicht zu bitten. Das kostete im Übrigen nur acht Mark – das Briefporto damals zwanzig Pfennige, an Rückporto dachten wir nicht – plus etwas Arbeit. Dann bat ich Hans Bender und Horst Bingel, mit denen ich gelegentlich korrespondierte, um die Adressen, und die neuen Macher der Schülerzeitung tippten die kurzen Bittbriefe. Am Ende bestand das selbst bestellte Abiturgeschenk in einer Mappe mit Autographen, die ich gleich von einem Buchbinder binden ließ. Wolfgang Bächler, Hans Bender, Horst Bingel, Johannes Bobrowski, Elisabeth Borchers, Günter Eich, Hans Magnus Enzensberger (> ANDERSCH, > ARMES SCHWEIN), Walter Helmut Fritz, Günter Bruno Fuchs, Carl Guesmer, Peter Härtling, Manfred Peter Hein, Walter Höllerer (> ANSTIFTER), Max Hölzer, Dieter Hoffmann, Peter Huchel, Peter Jokostra, Marie Luise Kaschnitz (> ACCADEMICA DI SANTA CECELIA), Karl Krolow, Christine Lavant, Wilhelm Lehmann, Christoph Meckel, Ernst Meister, Heinz Piontek, Johannes Poethen, Peter Rühmkorf (> ANGESCHNITTENER HUMOR), Nelly Sachs und Wolfgang Weyrauch hatten Gedichte auf ein Blatt geschrieben und nach Korbach geschickt. (Nach meiner Erinnerung haben nur Ingeborg Bachmann, Paul Celan und Günter Grass nicht geantwortet.) Eine Sammlung von 1963, die mir von Jahr zu Jahr immer kostbarer wurde.