Villa Ada in Rom. Im ehemaligen Park der italienischen Könige an der Via Salaria im Norden der Stadt, rund zwölf Minuten von unserer römischen Wohnung entfernt, fand ich meine bevorzugten Laufwege morgens vor der Arbeit. Anfangs noch joggend, später im zügigen Gehen, hielt ich mich hier eine Dreiviertelstunde in Bewegung. Am Eingang hätte man nach links in einen erstaunlich wilden Stadtwald gehen können, mir genügte ein Blick durch Bäume und Büsche zum einstigen Königssitz, hier wurde der überraschte Mussolini 1943 vom König entmachtet und gefangen genommen (oft der Gedanke: auch dieser König eine Pflaume, aber er hatte noch einen Rest von Anstand, kurz vor dem Ende Mussolini fallen zu lassen, Kaiser Wilhelm oder seine Prinzen hätten Hitler wohl nie abgesetzt). Also nach rechts über breitere hügelige Wege oder anmutige Wiesen, unter denen die weitläufigen Katakomben von Priscilla lagen, vorbei an Pinien und Zypressen und kleinen Spielplätzen, dann auf die höheren Wege parallel zur Via Salaria. Zwar sah man hier die eher unschönen Häuser und Halbhochhäuser der nördlichen Viertel, aber kurz vor dem Wendepunkt öffnete sich der Blick in die Weite des Tibertals, des Anienetals und auf die nahen Sabiner Berge. Dort oft der Klischeegedanke: Der «Raub» der Sabinerinnen – auf die Massenvergewaltigung zwecks Erhalt des Stammes waren die alten Römer besonders stolz.
Auf dem Rückweg den ersten Espresso mit Cornetto, dann die tägliche Zeitung am Kiosk gekauft mit den neusten Nachrichten vom Räuber Silvio Berlusconi. Der nicht nur Frauen raubte, sondern sehr viel, zu viel von Italiens demokratischer Substanz, Kultur, Ordnung.