Kapitel Siebzehn
Levi schüttelte Dino die Hand, während einer seiner Männer mit einer schäbigen Karre auf einen verlassenen Feldweg zurücksetzte, der die New Hampshire Road kreuzte. Bei dem Wagen handelte es sich um einen alten Cadillac Fleetwood Brougham, eines der großen Straßenschiffe der 1970er Jahre.
»Ist der Motor in Ordnung?«, fragte Levi. »Das Letzte, was ich brauchen kann, ist ein Motorschaden, wenn ich das Gaspedal durchtrete.«
Dino bedachte ihn mit einem schiefen Lächeln. »Oh, der Motor hält durch. Ein Mechaniker war einem meiner Jungs noch was schuldig, und der Wagen war sein Baby. Hat ’nen mächtigen V8 drin, der schnurrt wie ’n Kätzchen.« Er schmunzelte. »Eigentlich schade drum.«
Levi brachte eine Nackenstütze um seinen Hals an, und einer von Dinos Männern reichte ihm einen Motorradhelm. Er warf einen Blick auf die App. Es war fast so weit. »Uns bleiben weniger als fünf Minuten, Leute. Wer hält Ausschau?«
»Ich«, meldete sich ein hart wirkender, dunkelhaariger Mann zu Wort und winkte. »Ich weiß Bescheid. Schwarzer Buick LaCrosse, neueres Baujahr, richtig?«
»Genau. Gib Laut, sobald du in Position bist.«
»Geht klar.« Lenny wandte sich ab und lief außer Sicht. Sein Beobachtungsposten lag einen knappen halben Kilometer die Straße hinunter.
Dino rief den Rest der Männer und zeigte auf den großen Cadillac Escalade, mit dem er gekommen war. »Los, Jungs, einsteigen. In ein paar Minuten wird’s ernst.«
Levi schlug mit Dino ein. »Ich steh tief in deiner und Don Marinos Schuld.«
»Ne, Mann. Der Boss wollte das erledigt haben. Und was mich angeht, ich brauch nur dran zu denken, was ich tun würde, wenn das jemand mit meiner Donna gemacht hätte. Vergiss es. Wir tun das, weil’s das Richtige ist.«
Bald befand sich Levi mit dem schnurrenden Motor des Straßenschiffs allein auf dem Feldweg. Er stieg ein, setzte den Helm auf und befestigte den Kinnriemen. Dann war er bereit.
Sein Telefon klingelte. Er schaltete auf Lautsprecher.
»Hi, Lenny hier. Bin in Position.«
»Gut. Wie’s aussieht, ist er noch ungefähr eine Minute entfernt. Halt die Augen offen und gib Bescheid, sobald du ihn siehst und vor allem exakt dann, wenn er an deiner Position vorbeifährt.«
»Verstanden.«
Levi blickte erneut auf die App. Anspach musste mit rund 100 Sachen über die zweispurige Straße brettern. Levi lächelte. Helen hatte offenbar Anspachs Aufmerksamkeit erregt, als sie die Nachricht laut vorlas, die Levi ihr geschickt hatte.
Helen, ich habe Informationen, die uns zu June führen werden. Sie wird in einer Hütte 30 Kilometer nördlich von Arlington festgehalten. Ich bin unterwegs und treffe am späten Nachmittag ein. Bis heute Abend sollte alles vorbei sein.
Anspach hatte vermutlich vor, irgendetwas mit dem Kind anzustellen. Und Levi wollte sich gar nicht ausmalen, was.
Aber was es auch gewesen wäre, der Drecksack würde keine Chance dafür bekommen.
Levi ließ den Motor aufheulen, legte den Sitzgurt an und wappnete sich. Er blickte auf das Telefon in der Halterung. »Siehst du schon was, Lenny?«
»Nein, die Straße ist – Halt, doch, jetzt seh ich ein Auto. Schwarz. Und es kommt hierher gerast.«
Langsam rollte Levi an. Er hoffte, das riesige Ungetüm, in dem er saß, würde mit seinem Heckantrieb nicht ausbrechen, wenn er Gas gab.
»Okay, er ist gerade an mir vorbei. Es ist unser Mann.«
Levi rammte das Gaspedal auf die Bodenplatte. Die Hinterräder drehten im Kies und Erdreich durch, doch der Wagen schlingerte nur leicht, bevor die Reifen Halt fanden.
Levi zählte im Kopf herunter.
15 Sekunden für einen knappen halben Kilometer bei einer Geschwindigkeit von rund 100 Stundenkilometern.
Bei vier Sekunden verstärkte Levi den Griff ums Lenkrad und hielt kerzengeraden Kurs.
Bei acht Sekunden verschwammen die Bäume zu beiden Seiten, als er auf die Straße zuraste.
Bei zwölf Sekunden sichtete Levi die Kreuzung – und den schwarzen Wagen. Die Welt schien sich zu verlangsamen, als er Anspach sah, beide Hände am Lenkrad, die Augen auf die Straße vor ihm gerichtet.
Mit einer leichten Drehung des Lenkrads raste der Cadillac, der etwa eine Tonne mehr wog als sein Ziel, auf die Seite des schwarzen Buick LaCrosse zu und traf sie mittig.
Glas explodierte um Levi herum, als sein Körper gegen den Sicherheitsgurt geschleudert wurde.
Das Lenkrad knirschte, und das Kreischen von verbogenem Metall ertönte ringsum, als der Buick außer Sicht katapultiert wurde.
Levi trat heftig auf die Bremse, die wie durch ein Wunder noch funktionierte. Dann war es vorbei.
In seinen Ohren klingelte es. Er hörte eine Stimme rufen und das Knistern seines abgestorbenen Motors. Der Gestank von verbranntem Gummi brachte ihn zur Besinnung.
Das gesamte Armaturenbrett war in sich zusammengeknickt, doch darunter drang eine Stimme hervor.
»Levi? Levi!« Es war Lenny. Levis Handy musste sich irgendwo im Fußraum befinden.
»Ja, ich bin da!«, brüllte Levi. »Ich versuch gerade, mich aus dem Chaos zu befreien.«
»Heilige Scheiße, Mann. Das hab ich bis hier drüben gehört. Du bist ein verdammter Irrer!«
Levi konnte nicht wirklich widersprechen, als er versuchte, den Sitzgurt zu öffnen.
»Ich ruf Dino an und sag ihm, er soll dich rausholen. Für die Zielperson lass ich den anderen Wagen kommen.«
Endlich gelang es Levi, den Sicherheitsgurt zu lösen. Er tastete unter dem ruinierten Armaturenbrett herum und fand sein Handy. Wie durch ein Wunder war das Display heil geblieben.
Vergeblich versuchte Levi, die Tür am Griff zu öffnen; sie hatte sich durch die Kollision verkeilt.
Er wischte die Glasperlen aus dem Fensterrahmen und kroch hinaus, ganz im Stil von Ein Duke kommt selten allein . Er nahm den Helm und die Nackenstütze ab und streckte sich. Zu seiner Verblüffung fühlte er sich gut. Abgesehen von einem schmerzhaften Bluterguss, den der Sicherheitsgurt mit ziemlicher Sicherheit hinterlassen hatte, schien er nichts abbekommen zu haben.
Dinos Escalade traf ein, als Levi den Schaden am Buick begutachtete. Der Wagen war ein Wrack. Er war auf die Seite gekippt, und die Airbags hatten angesprochen. Sie versperrten Levi die Sicht auf Anspach.
Einer von Dinos Männern sprang in den Graben, kletterte auf den Wagen und spähte durch das fahrerseitige Fenster hinein. »Scheiße, der Kerl lebt noch.«
Lenny traf mit einem Abschleppwagen ein und begann, den Buick an der großen Winde zu befestigen.
Dinos Aufmerksamkeit schwenkte auf Levi. »Blutest du überhaupt, du verrückter Mistkerl?«
Levi schmunzelte und untersuchte sich noch einmal. »Abgesehen von ein paar Splittern Sekuritglas im Haar und in der Hose fehlt mir nichts.«
»Gut, dann schaffen wir dich mal von hier weg und zurück zu deinem Auto.« Dino öffnete die Beifahrertür des Escalade, und Levi stieg ein. »Um deinen Freund kümmern sich die Jungs.«
Levi lehnte sich auf dem Ledersitz zurück und lächelte. Er hatte es geschafft. Und je nachdem, was als Nächstes geschah, könnte er tatsächlich für eine Weile fertig mit Washington, D. C. sein.
»Was soll das heißen, June und Helen sind in Schutzhaft?«, fragte Levi. Ein FBI-Agent fuhr davon und ließ Yoshi und ihn allein auf demselben Parkplatz zurück, auf dem sie sich zuvor getroffen hatten.
Yoshi zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Mehr hat O’Connor nicht gesagt – nur, dass Helen und June in einem sicheren Versteck untergebracht werden, bis alles aufgeklärt ist. Ich weiß bloß, dass O’Connor unbedingt mit Ihnen reden will.«
»Wissen Sie, wo dieses sichere Versteck ist?«
»Keinen Schimmer. Ich hatte nicht mal die Gelegenheit, mit Helen zu reden.«
Levi blickte auf seine Ortungs-App. Er hatte auch Helens Auto überwacht, nur für alle Fälle. »Laut der Anzeige hier ist ihr Wagen noch bei der Wohnanlage.«
»Ich hab bei ihr zu Hause angerufen, am Handy, überall. Konnte sie nicht erreichen. Aber das deckt sich mit dem, was O’Connor gesagt hat. Wenn jemand in Schutzhaft genommen wird, dürfen keine Gegenstände mitgenommen werden, durch die man aufgespürt werden könnte. Dazu gehören Handys, Autos und sonstige Elektronik jeder Art.«
»Na ja, ich schätze, das wird nur vorübergehend sein.« Levi seufzte. »Ihr Bruder und Mr. Tanaka werden darüber allerdings nicht besonders glücklich sein.«
Yoshi nickte und schaute ziemlich unbehaglich drein. »Wahrscheinlich sollte ich das Ihnen gegenüber nicht zugeben, aber ich bin ein wenig besorgt, dass Tanaka versuchen könnte, June zu entführen, da wir jetzt – oder zumindest bald – wissen, wo sie ist.«
Levi überlegte, was Tanaka in dieser Situation tun könnte. Der Mann war in diesem Land nicht willkommen. Allerdings war für Levi offensichtlich, dass der Yakuza-Boss June als seine einzige Erbin betrachtete und bereit sein würde, für sein eigen Fleisch und Blut Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen. Vielleicht sogar, sie für ihre eigene sogenannte Sicherheit zu entführen.
»Keine Ahnung, Yoshi. Ich kann mich nicht in den Mann versetzen. Ich weiß nur, dass er die Kleine liebt und sie in Sicherheit haben will. Er hat mich gebeten, ihn direkt anzurufen, wenn ich Neuigkeiten habe, also werd ich das wohl tun müssen. Wir reden danach weiter und warten ab, was passiert.«
Sie schüttelten sich die Hände, dann zog Yoshi ihn unverhofft in eine Umarmung. »Danke für alles. Ohne Sie wäre June wahrscheinlich immer noch in den Händen des Entführers. Oder tot.«
Levi klopfte Yoshi auf den Rücken und lächelte. »Wissen Sie, in der Regel glätten sich solche familiären Wogen von selbst. Das Schlimmste ist für June und Helen jedenfalls ausgestanden, und das ist das Wichtigste.«
Yoshi schenkte ihm ein mattes Lächeln. »Ich weiß. Und danke noch mal.«
Levi konnte mit dem Mann fühlen. In seinem Kopf musste einiges an Widersprüchlichem aufeinanderprallen. Levi hingegen hatte nur eins im Sinn: sein Gespräch mit dem Oberhaupt des Tanaka-Syndikats.
Levi schlenderte mit dem Handy am Ohr das kalte Ufer des Potomac entlang. Die Auslandsverbindung war schlecht. Ein unregelmäßiges Knacken und vereinzelte Rückkoppelungen gestalteten es schwierig, etwas zu verstehen.
Levi wiederholte sich auf Japanisch. »Ja, Tanaka-sama, ich habe Ihre Enkelin gefunden. Sie ist am Leben und wohlauf.«
Obwohl sich Tanaka auf der anderen Seite der Erdkugel befand, hörte Levi, wie er tief einatmete und die Luft langsam ausblies. »Danke, Levi. Ich war auf das Schlimmste gefasst. Jetzt würde ich gern mit meiner Enkelin reden.«
Levi zuckte zusammen. Er wusste, dass seine Erklärung nicht gut ankommen würde. »Leider hat das FBI sowohl June als auch ihre Mutter in Schutzhaft genommen. Sie werden versteckt.«
»Aber warum? Das verstehe ich nicht. Haben Sie nicht gerade gesagt, Sie hätten sie gefunden? Warum haben Sie zugelassen, dass sie wieder mitgenommen wird?«
»Es tut mir leid, aber das ist kompliziert. Ich hatte dabei nichts mitzureden. Aber es ist nur vorübergehend. Das FBI ist noch dabei, die Teile zusammenzufügen. Aus deren Sicht ist Junes Entführer flüchtig. Deshalb glaube ich, man will Ihre Enkelin und die Mutter vor weiterer Gefahr schützen.«
Tanakas Stimme nahm einen bedrohlichen Klang an. »Und der Entführer? Was ist aus ihm geworden?«
»Er wird nie wieder jemanden belästigen. Das kann ich Ihnen versprechen.«
»Gut. Sehr gut. Es tut mir leid, dass ich so aufgebracht bin. Das hat nichts mit Ihnen zu tun. Ich möchte Sie bitten, die Situation im Auge zu behalten. Ich lasse Ryuki Ihren Don Bianchi anrufen und Vorkehrungen treffen. Sobald June frei ist, will ich darüber informiert werden.«
»Ich werde tun, was ich kann.«
Damit war die Leitung tot. Levi fand, das Gespräch hätte auch wesentlich schlechter verlaufen können. Er kannte den berüchtigten Yakuza-Boss nicht wirklich. Und wenn es um Gefahr für Angehörige ging, ließ sich schwer abschätzen, wie sich so jemand verhalten würde. Levis Erfahrung nach wurde jedenfalls fast nie rational reagiert.
Er sah auf die Armbanduhr und vermutete, dass Denny um die Zeit in der Kneipe sein würde. Levi rief ihn an und lauschte, wie es mehrmals klingelte, bevor er auf der Mailbox landete. Es war ein Freitagabend – Denny hatte vermutlich alle Hände voll zu tun.
Fast unmittelbar danach klingelte sein Handy, und er hob es wieder ans Ohr. »Schätze, bei dir herrscht gerade Hochbetrieb, was?«
Die Stimme, die antwortete, gehörte nicht Denny, sondern Doug Mason. »Nicht wirklich. Ich befasse mich nur gerade damit, wohin Nicholas Anspach verschwunden ist. Mit Ihrer Rettung in dem Entführungsfall haben Sie in ein ganz schönes Wespennest gestochen. Die FBI-Leute sind völlig aus dem Häuschen und suchen nach Ihnen. Vielleicht sollten Sie ihnen einen Knochen hinwerfen. Aber eigentlich wollte ich Ihnen mitteilen, dass Anspachs Wagen gerade bei Potomac Metals in Springfield zu einem handlichen Würfel gepresst wird. Sie werden Fragen beantworten müssen, bis Sie alt und grau werden.«
Levi starrte auf das Handy. Er konnte sich nicht erklären, woher Mason diese Information haben konnte. Nicht mal Levi selbst wusste, was Dino mit Anspachs Wagen gemacht hatte.
»Bestimmt fragen Sie sich, worauf ich damit hinauswill. Lassen Sie es mich ganz einfach ausdrücken. Ich kläre die Sache mit dem FBI für Sie. Alles, was ich dafür will, ist, dass Sie für mich kurz nach Seattle fliegen.«
»Seattle? Wofür?«
»Machen Sie sich keine Sorgen um Mutter und Tochter Wilson. Denen passiert nichts.«
»Wissen Sie, wo sie sind?«
»Das tut nichts zur Sache. Konzentration. Seattle.«
»Warum wollen Sie mich in Seattle haben?«
»Erinnern Sie sich an die Kinder, von denen ich gesprochen habe? Lassen Sie mich Ihnen helfen, bevor jemanden der Hafer sticht und Sie auf die Liste der meistgesuchten Personen Amerikas gesetzt werden. Betrachten Sie es so: Sie bekommen, was Sie wollen, indem Sie mir bei unserem Problem mit dem Kindersklavenhandel helfen. Wir haben eine Spur zu einer Übergabe an der Westküste. Aber die Übergabe ist nicht das eigentliche Thema. Wir müssen erfahren, wer die Kinder bestellt hat, und wer dafür verantwortlich ist, sie ins Land zu schmuggeln.«
»Ich wüsste nicht mal, wo ich dabei anfangen soll.«
»Lucy erwartet Sie am Terminal in Seattle. Sie hat die letzten zwei Jahre damit verbracht, sich auf diesen Einsatz vorzubereiten.«
»Und von mir erwarten Sie, nach ein paar Minuten am Telefon mit Ihnen loszulegen?« In Levis Kopf lief die Unterhaltung ab, die er eben erst mit Tanaka geführt hatte. »Ich habe hier Verpflichtungen, um die ich mich kümmern muss.«
»Zunächst mal würde ich Sie nicht hinschicken, wenn ich nicht überzeugt davon wäre, dass Sie der Aufgabe gewachsen sind. Vergessen Sie nicht, ich beobachte Sie schon eine ganze Weile. Und was Ihre sogenannten Verpflichtungen angeht, behalte ich das Wilson-Mädchen für Sie im Auge. Ihr passiert nichts. Davon abgesehen sollte es nicht lange dauern.«
»Das ist verrückt, und das wissen Sie auch. Ich hab kaum eine Ahnung, wer oder was Sie sind, und Sie erwarten von mir, einfach auf Ihr Wort hin ein Flugticket zu kaufen und auf mich zukommen zu lassen, was immer passiert?«
»Ah, gutes Argument. Ich habe Sie schon so lange auf dem Schirm, ich vergesse manchmal, dass Sie noch keine Mission für mich übernommen haben. Es läuft wie folgt: Wir haben fast acht Uhr abends. Am Flughafen Dulles wird ein Ticket bei American Airlines für einen Flug um fünf Uhr früh hinterlegt. Bis dahin habe ich die Wogen bei den Leuten geglättet, die nach Ihnen suchen. Lucy ist bereits in der Luft und trifft sich an der Gepäckausgabe in Seattle mit Ihnen. Um den Rest kümmere ich mich. So einfach ist das.«
Levi atmete die salzige Luft ein und schwenkte den Blick das Ufer entlang. »Sie sagen, das FBI sucht nach mir? Warum hat mich O’Connor nicht angerufen?«
»Die Daten auf seinem Handy wurden versehentlich gelöscht, genau wie Ihre Aufzeichnungen von Rechnern mit Geheimmaterial.«
»Also haben Sie mich praktisch unsichtbar gemacht?«
»Nicht wirklich. Aufzeichnungen von einem Computer zu löschen, ist recht einfach. Aber die Menschen haben Erinnerungen. Man weiß trotzdem, dass es Sie gibt. Ich muss ein paar Anrufe erledigen. Oh, und fahren Sie nicht zurück in Ihr Hotel. Es wird observiert. Ich vermute, Sie haben dort nichts mehr, was Sie brauchen, oder?«
Levi lief auf und ab. »Nein, habe ich nie. Ist alles im Kofferraum.«
»Gut. Ich habe ein Zimmer in Flughafennähe für Sie gebucht. Die Daten schicke ich Ihnen. Es ist im Voraus bezahlt, und man wird keinen Ausweis von Ihnen verlangen.«
Levi blieb stehen und starrte ins Leere, bevor er mit den Schultern zuckte. »Na schön, Mason. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich von all dem halten soll, aber ich spiele mit. Wenn es klappt, könnte es sein, dass ich Sie um ein paar Gefallen bitte.«
»Natürlich werden Sie das. Sie müssen nicht darum bitten. Ich arbeite daran und sehe zu, was ich tun kann.«
Damit war die Leitung tot, und Levi fragte sich, ob Mason Gedanken lesen konnte, verrückt war oder irgendetwas dazwischen.
Levi zwängte sich durch das Gedränge am Flughafen SeaTac und folgte der Beschilderung zur Gepäckausgabe. Er brauchte fast zehn Minuten, um sich durch die Menschenmassen zu kämpfen. Erst da wurde ihm bewusst, dass es das Wochenende vor Thanksgiving war. Eine Zeit, in der viel gereist wurde und die er lieber zu Hause verbracht hätte.
Schließlich erreichte er das Ende des Hauptterminals und passierte einen einsamen Sicherheitsmitarbeiter im Gang, der darauf achtete, dass niemand eine unzulässige Richtung einzuschlagen versuchte.
Der Gepäckausgabebereich strotzte vor Menschen. Als Levi sich fragte, wie er Lucy hier je finden sollte, teilte sich die Menge unverhofft. Keine sechs Meter entfernt stand die große Asiatin, der er mittlerweile in mehreren verschiedenen Bundesstaaten begegnet war.
Als sie sich ihm näherte, schnappte er den Duft von Jasmin auf. Er streckte ihr die Hand zum Schütteln hin, was sie verweigerte. »Ich werd nicht gern angefasst. Nichts für ungut. Haben Sie Gepäck?«
»Moment«, sagte Levi. »Dass Sie nicht angefasst werden wollen, stört mich nicht, das vereinfacht die Dinge. Aber bilde ich mir das ein, oder haben Sie mich damals in New York geküsst und am Arm gepackt?«
Verlegenheit blitzte kurz in Lucys Zügen auf, wurde jedoch sogleich von einer hochgezogenen Augenbraue und einem Stirnrunzeln verdrängt. »Sie scheinen sich an den Zwischenfall wesentlich besser zu erinnern als ich. Wie gesagt, ich werde nicht gern angefasst.«
»Aber wenn Sie andere anfassen, ist das in Ordnung?«
Sie ging über die Frage hinweg. »Haben Sie Gepäck, auf das Sie warten?«
Levi nahm den schwarzen Segeltuchrucksack von der Schulter und hielt ihn am Träger hoch. »Alles, was ich habe, ist da drin.«
»Dann folgen Sie mir.«
Sie führte ihn durch einen verglasten Tunnel zur Bahnstation. Lucy kaufte zwei Fahrkarten. Wenige Minuten später standen sie in einem überfüllten Zug Richtung Norden.
Levi hielt sich an einer der Halteschlaufen fest, die von Metallstangen an der Decke hingen. Ihm fiel auf, dass Lucy entschieden unbehaglich im dichten Gedränge der Leute im Wagen wirkte. Wenigstens schien sich ihre Berührungsabneigung nicht speziell gegen ihn zu richten.
Jedenfalls merkte er ihr an, dass sie sich aufrichtig unwohl fühlte. Also versuchte er, sie von dem unvermeidlichen unerwünschten Körperkontakt abzulenken, vor dem in einem so vollgestopften Zug niemand verschont blieb. »Wohin fahren wir?«
»International District. Chinatown. Mein Wagen ist dort, und ich zeige Ihnen das Büro.«
»Das Büro?«
Lucy schenkte ihm ein schiefes Grinsen. »Sie werden schon sehen. Doug hat gesagt, dort würde etwas auf Sie warten.«
Levis Interesse erwachte.
Eine Stimme aus den Lautsprechern kündigte Othello Station, Columbia City und dann Mount Baker an. Bei jedem Halt wurde es weniger voll, und Lucy wirkte entspannter.
Schließlich wurde der Zug erneut langsamer, und Lucy zeigte auf die Tür. »International District, Chinatown« , wurde durchgesagt. Als sich die Türen öffneten, folgte Levi seiner neuen Partnerin hinaus und durch ein Gewerbegebiet mit modernen Gebäuden.
Sie befanden sich im Zentrum von Seattle, einer Stadt, die Levi abgesehen vom Flughafen bisher noch nicht kannte. Die Gerüche und Eindrücke unterschieden sich völlig von New York. Alles sah neu und sauber aus.
Sie passierten einen Laden namens Uwajimaya , vor dem ein älterer Asiate Nüsse röstete. Das Geschäft sah wie ein japanischer Supermarkt aus. Dann jedoch betraten sie Chinatown, und dort wurde es etwas schmuddeliger, wodurch es mehr an Levis Heimat erinnerte.
Die Gebäude waren älter, die Straßen schmaler. Die Schilder wiesen alles sowohl in Englisch als auch in Chinesisch auf, obwohl Levi, soweit er es auf einen Blick beurteilen konnte, den einzigen Nicht-Asiaten weit und breit verkörperte. Dennoch eine angenehme Gegend. Überwiegend sah man ältere Menschen oder Menschen mittleren Alters, entweder mit Einkäufen oder unterwegs zu sonstigen Besorgungen.
»Und Sie sagen, hier gibt’s ein Büro?«, frage Levi in Mandarin, dem einzigen chinesischen Dialekt, den er beherrschte.
Lucy warf ihm einen Seitenblick zu, während sie durch das alte Viertel gingen. Mit belustigtem Gesichtsausdruck erwiderte sie in schnellem Mandarin: »Ich bin beeindruckt. Im Gegensatz zu Mason, der alles über jeden zu wissen scheint, muss ich mich fragen, warum Sie Mandarin beherrschen. Und warum sprechen Sie es mit einem deutschen Akzent?«
»Tja, genauso gut könnte ich fragen, warum Sie einen leichten russischen Akzent haben, wenn Sie Englisch sprechen.«
»Sie zuerst.«
Levi schmunzelte. »Also, ich bin ein Amischer – oder zumindest bin ich so aufgewachsen. Und meine erste Sprache war Pennsylvania-Deutsch, das Deutsch recht ähnlich ist.«
»Aha. Ich hab noch nie von jemandem unsresgleichen mit einem amischen Hintergrund gehört. Sind die Amischen nicht alle Pazifisten oder so?«
Levi schüttelte den Kopf. »Was ich bin, würde meine Gemeinschaft nicht gutheißen. Was ist mit Ihnen? Es ist doch ein russischer Akzent, oder?«
Sie überquerten die Weller Street und bogen in eine sehr schmale Seitengasse namens Canton Alley.
»Der Akzent stammt wohl aus der Zeit, nachdem ich zu meinem Ehemann gebracht wurde. Er hat eine russische Lehrerin für mich engagiert. Sie hat mir Englisch und Japanisch beigebracht.«
»Eine Lehrerin? Du meine Güte, wie jung waren Sie denn?«
»Meine Eltern waren bettelarme Bauern in Guangzhou. Dann sind Baukräne angerollt. Eine Menge landwirtschaftliche Fläche wurde für die Stadt geopfert. Meine Eltern hatten nicht mehr genug Geld, um uns alle zu ernähren. Deshalb war ich zehn, als mich mein Ehemann gekauft hat.«
Levi wollte etwas dazu sagen, doch sie winkte ab.
»Es war eine gute Vereinbarung. Meine Eltern konnten es sich danach leisten, meine Geschwister durchzufüttern, und ich hatte ein gutes Leben. Vor allem, als wir nach Hongkong gezogen sind. Ein Leben voll Privilegien. Mit Lehrern und einer Ausbildung. Damals war mir nicht klar, wie nützlich das noch sein würde, als mein Ehemann von einem Rivalen ermordet wurde.«
Lucy blieb vor einem fünfgeschossigen Ziegelsteinbau stehen, der verlassen und verwahrlost wirkte. Müll übersäte die Gasse auf einer Seite. Im gesamten Bereich herrschte leichter Uringeruch vor. Es sah aus wie an etlichen anderen Orten, die Levi aus seiner Zeit in Asien kannte. Lucy flüsterte: »Sehen Sie die drei Markierungen an den Ziegeln?«
Levi folgte der Richtung ihres hinzeigenden Fingers. Drei kleine Vertiefungen prangten auf Augenhöhe im verwitterten Mauerwerk. Zwei der Vertiefungen wiesen einen glasigen Glanz auf.
»Das ist der Eingang zum Büro. Schauen Sie mit beiden Augen in die Objektive.«
Levi hielt das Gesicht an die Mauer, beinah so, als wollte er die Ziegel küssen. Als er sich auf etwa fünf Zentimeter genähert hatte, sah er hinter den klaren, münzgroßen Objektiven etwas flackern. Ein metallisches Klicken folgte.
Lucy drückte gegen die Ziegel, und ein Abschnitt der Mauer schwang auf Angeln geräuschlos nach innen auf. Kaum waren sie eingetreten, schloss sich die Mauer hinter ihnen.
Levi befand sich am Ende eines langen, hell erleuchteten, weißen Gangs. Ein bewaffneter Wachmann stand am anderen Ende hinter einer kugelsicher aussehenden Glaswand mit einem Schlitz für seine MP5 Maschinenpistole.
»Kommen Sie mit.« Lucy marschierte einfach an dem Wachmann vorbei, der eine versteinerte Miene zwischen Bedrohlichkeit und Gleichgültigkeit zur Schau stellte.
Schließlich standen sie Seite an Seite vor einer leeren Wand und wurden von einer Reihe Lichtern von den Schultern bis zur Stirn und wieder zurück abgetastet. Mit einem leisen, metallischen Klicken und einem Surren senkte sich die Wand, bis sie bündig mit dem Boden war. Dahinter kam ein weiterer kurzer Gang zum Vorschein. Dieser Korridor führte zu einem schlichten Raum mit einem Tisch und einer Reihe von Spinden wie in einem Fitnessstudio.
Lucy deutete auf die Spinde. »Einer davon ist für Sie.«
»Was ist das hier?«, fragte Levi.
Lucy setzte sich an den Tisch und streckte die Arme in einer trägen, verführerischen Pose über den Kopf. »Ist irgendwie schwer zu erklären. Wir sind Teil eines Gebildes, das keinen Namen hat. Aber in den letzten Jahren habe ich festgestellt, dass Dougs Möglichkeiten schlichtweg verblüffend sind. Tatsächlich bin ich außer Ihnen noch nie jemandem begegnet, der für ihn arbeitet. Aber« – sie zeigte erneut auf die Spinde – »wie es scheint, hat er mehr Leute als uns zwei. Gestern mitgerechnet hab ich Mason nur ein paar Mal persönlich getroffen. Wenn er mir etwas zukommen lassen muss, schickt er mir normalerweise eine Nachricht. Dann gehe ich zum örtlichen Büro, wo mich etwas in meinem Spind erwartet.«
»Also gibt’s auch in New York solche Spinde?«
Lucy schlug die Beine übereinander, und Levi hatte Mühe, den Blick auf ihr Gesicht gerichtet zu lassen. »Bisher weiß ich nur von Büros in Washington, D. C., New York und hier in Seattle. Vielleicht sind das die einzigen Übergabestellen, die’s gibt, vielleicht hat er überall welche. Ich weiß es schlichtweg nicht.« Wieder zeigte sie auf die Spinde. »Wie dem auch sein mag, sehen wir zu, dass wir weiterkommen. Wir sind nur hier, um abzuholen, was immer er für Sie hinterlegt hat.«
Levi drehte sich den Spinden zu. Jeder wies ein digitales Namensschild auf. Alle bis auf zwei zeigten nur eine Reihe von X: eines mit Lucys Namen, eines mit seinem. Als er sich seinem Spind näherte, leuchtete zu beiden Seiten des Namensschilds ein Licht auf. Mit einem metallischen Laut öffnete sich die Tür.
Auf der Ablage oben fand er ein Nachtsichtfernglas, eine Glock 19 mit einem Holster für den Hosenbund, zwei Magazine zu je 15 Patronen, mehre Schachteln Munition Kaliber 9 mm, einen Umschlag und Bargeld.
Levi fuhr mit dem Daumen über den Rand des Geldbündels, bevor er es hochhielt. »Ist das normal?«
»2.500 Dollar, jedes Mal.«
Noch etwas befand sich im Spind. Im Bereich unter der Ablage entdeckte Levi einen großen Gitarrenkoffer. »Eine Gitarre?«, fragte er.
»Das bezweifle ich. Machen Sie auf und sehen Sie nach.«
Levi holte den Koffer aus dem Spind, klappte den Deckel auf und lächelte.
Ein Gewehr – und nicht bloß irgendeines. Der Lauf war 50 Zentimeter lang. Daran befestigt waren vorne ein schweres Zweibein, eine Mündungsbremse, ein langer Schalldämpfer und ein Leupold Zielfernrohr der Spitzenklasse. Eine Haftnotiz auf dem Lauf besagte, dass die Waffe auf 100 Meter justiert war.
Levi betätigte den Repetiermechanismus des Gewehrs. »Haben Sie das gehört?«
»Was gehört?«
»Genau. Der Mechanismus bewegt sich butterweich.« Er bedachte Lucy mit einem schiefen Lächeln. »Das ist ein erstklassiges Scharfschützengewehr.« Er überprüfte die Munitionsschachteln und bemerkte die handschriftlich notierten Merkmale. »Das ist ein Kaliber .308, und Mason hat uns Unterschallmunition gegeben.«
Lucy kam herüber und nickte anerkennend, als sie mit dem Finger zart über den Lauf der Waffe strich. »Das wird nützlich sein. Da sich ein Teil der Reise im Wald abspielen wird, müssen wir vielleicht irgendwas erschießen – einen Bären, Elch oder vielleicht Bigfoot.«
Levi bewunderte die Waffe noch einmal, bevor er sie zurück in den Koffer packte. »Na ja, bei Bigfoot bin ich mir nicht sicher, aber dieses Gewehr ist jedenfalls ein Schmuckstück.«
»Gewieft, es in einem umgebauten Gitarrenkoffer zu verpacken«, fand Lucy. »Auf den Straßen von Seattle, sogar in Chinatown, würde es ganz schön Aufsehen erregen, damit über der Schulter rumzulaufen – oder auch nur mit einem normalen Gewehrkoffer.«
Levi wandte die Aufmerksamkeit dem Umschlag zu. Er enthielt nur ein Blatt Papier, eine Fotokopie eines Vorfallberichts. Levi überflog ihn.
Ungefähr 100 Überwachungsfotos einer als Helen Wilson identifizierten Frau wurden am Wohnsitz von Nicholas Anspach im Nachttisch des Schlafzimmers gefunden. Die Aufnahmen wurden vermutlich mit einem starken Teleobjektiv aus einer Höhe von ungefähr viereinhalb Metern geschossen.
Außerdem wurde ein Gewehr des Typs Bushmaster .223 in der Garage von Anspach gefunden. Es verfügt über einen 40 Zentimeter langen Lauf mit einer Dralllänge von 1:9. Außerdem wurden mehrere Schachteln mit Unterschallmunition Kaliber .223 sichergestellt. In einer davon fehlen zehn Patronen. Das Magazin der Waffe fasst sieben Patronen.
Auf dem Dachboden wurde ein Karton mit Abdrücken von Fingern in Ballistik-Gel gefunden. Die Fingerabdrücke wurden in die IAFIS-Datenbank eingegeben. Für die meisten wurde kein Treffer erzielt, ein Abdruck jedoch ergab eine Identifikation: Giancarlo Fiorucci.
Levi knirschte mit den Zähnen. Plötzlich ergab es Sinn, warum Gino ihn angesehen hatte, als wäre er verrückt, weil er ihn wegen des schwarzen Wagens unter Druck gesetzt hatte. Vieles ergab nun einen Sinn.
Er schloss die Augen und ließ in Gedanken Anspachs Worte ablaufen, als Levi den schwarzen SUV erwähnt hatte.
Levi, ich bin mit dem Fall überhaupt nicht vertraut. Aber wenn Sie diese Aufnahmen haben – wir haben hier Leute, die spezialisiert auf die Optimierung von Videobildern sind. Man weiß ja nie, vielleicht können wir ein Nummernschild lesbar machen.
Der Mistkerl musste kalte Füße bekommen und sein eigenes Auto vernichtet haben, bevor er die Schuld auf einen willkürlichen Kerl geschoben hatte, der zufällig ein Mobster war. Gab eine gute Geschichte ab. Aber die Fotos von Helen bei ihm zu Hause und in seinem Büro erzählten etwas anderes. Er war von der Rothaarigen besessen.
Levi blätterte in dem Bericht um und las weiter.
Ungefähr 1.350 Gramm C4 wurden in einer Werkzeugkiste in Anspachs Garage sichergestellt. Eine bestätigende Analyse der Zusammensetzung steht noch aus. Vorläufige Ergebnisse weisen jedoch darauf hin, dass es sich um den beim Bombenanschlag auf Wei/Nguyen verwendeten Sprengstoff handelt.
Levi zog das Handy aus der Tasche und wählte eine Nummer. Dino meldete sich fast sofort. »Hi, was gibt’s?«
»Wie geht’s unserem Freund?«
»Er ist bereit, wann immer du ihn brauchst.«
»Gut. Ich bin bald da.«
»Alles klar.«
Levi legte auf und lächelte.
»Das ist ein Lächeln der Art, die mir verrät, dass jemand draufgehen wird«, merkte Lucy nüchtern an.
Levi drehte sich ihr zu. »Was steht als Nächstes an?«
Lucy hob den Gitarrenkoffer am Griff auf. »Wir brechen zum Frost Creek auf. Ungefähr drei Stunden mit dem Auto. Dann steht uns ein Querfeldeinmarsch bevor.«
Levi konnte sich nicht erinnern, den Namen auf irgendeiner Karte dieser Gegend gesehen zu haben. »Und in die Einzelheiten weihen Sie mich auf dem Weg dorthin ein?«
Lucy schwenkte wegwerfend die Hand. »Kommen Sie, lassen Sie uns gehen. Ich will vor Einbruch der Dunkelheit dort sein.«
Levi folgte Lucy zum Ausgang. Unterwegs fragte er: »Wo genau liegt der Frost Creek?«
»An der Grenze zwischen den USA und Kanada. Mitten im Nirgendwo, das kann ich Ihnen sagen. Der perfekte Ort für eine erste Sondierung durch die Schmuggler. Das wird ’ne lange Nacht.«