Lucy stemmte sich in sitzende Haltung hoch. Ihr Herz raste, als sie die allzu vertrauten Erinnerungen daran verdrängte, erstickt zu werden. Sie zwang sich, die Atmung zu verlangsamen, dann schaltete sie den Wecker aus, der sonst gleich losgehen würde. Zeit, sich vorzubereiten.
Sie warf die Decke zurück, tappte hinüber zur Schlafzimmertür und öffnete sie langsam. Levi lag mit geschlossenen Augen auf dem Sofa im Wohnzimmer. Ein unverkrampfter Ausdruck hatte die Anspannung abgelöst, die sich sonst immer um seinen Mund und auf der zerfurchten Stirn abzeichnete.
Er war ein beunruhigend gutaussehender Mann mit dunkelbraunem Haar und kantigen Zügen, die man sich gut auf dem Cover einer Zeitschrift vorstellen konnte. Im Augenblick jedoch schlief er und sah dabei so anders aus ... so unschuldig. Sie stellte sich den Jungen im Mann vor. Den Jungen, über den als Kind seine Mutter gewacht hatte.
Dieser Mann war wesentlich mehr, als er zu sein schien.
Levi rührte sich und schlug die Augen auf. Er drehte sich in ihre Richtung und winkte ihr zu. Dann streckte er sich und gähnte ausgiebig. Als er sich aufsetzte, musterte er sie anerkennend und lächelte. »Stehen Sie immer nackt vor Fremden herum? Und da das allmählich zur Gewohnheit wird,
was hältst du davon, wenn wir uns duzen? Fände ich vor dem Hintergrund passender.«
Lucy blickte an sich hinab und zuckte mit den Schultern. Nach allem, was sie im Leben durchgemacht hatte, verschwendete sie keine großen Gedanken an Nacktheit. Und ob sie sich duzten oder nicht, war ihr egal. Sie schnaubte unverbindlich und ging zurück ins Schlafzimmer, um sich anzuziehen.
Dabei hinterfragte Lucy unwillkürlich, was sie gerade getan hatte. Vermittelte sie Levi einen falschen Eindruck? Sich jemandem nackt zu zeigen, mochte für sie nichts bedeuten, für ihn jedoch vielleicht schon. Wahrscheinlich sogar, zumal er es eigens erwähnt und sogar das Du-Wort daran geknüpft hatte.
Und sie war bereits zweimal nackt vor ihm gestanden. Soeben zum dritten Mal. Vor ihm hatte sie seit dem Tod ihres Ehemanns niemand mehr nackt gesehen. Was zum Teufel stimmte nicht mit ihr?
Lucy runzelte die Stirn. Sie wusste, dass vieles mit ihr nicht stimmte. Dinge, die niemand verstehen oder akzeptieren könnte.
»Hey, Lucy«, rief Levi aus dem Wohnzimmer. »Was hat’s mit diesem Apartment auf sich? Sieht wie ’ne exakte Kopie deiner Wohnung in New York aus.«
Lucy schlang sich einen Träger mit Wurfmessern über die Schulter, zog eine Kevlar-Weste an und ging ins Wohnzimmer. »Tatsächlich ist es eine Kopie meiner Penthouse-Suite von damals in Hongkong. Ist schwer zu erklären, aber ich kann nur in einer vertrauten Umgebung schlafen.«
Levi schnürte gerade seine Schuhe zu und schaute auf. Beim Blick seiner stahlblauen Augen fühlte sie sich plötzlich gehemmt. Als könnte er Dinge in ihr sehen, die niemand erfahren sollte. Er nickte. »Ich weiß, was du meinst.«
Konnte er unmöglich.
Levis Telefon klingelte. Er hielt es sich ans Ohr. »Ja, Levi
Yoder hier ... Okay, ich werd da sein.« Er steckte das Handy zurück in die Tasche. »Meine Lieferung ist pünktlich.«
Lucy nickte. »Okay, ein bisschen Zeit haben wir noch. Wir könnten in Chinatown einen Happen essen. Dann können wir auch gleich im Büro vorbeischauen, bevor wir am Flughafen dein Zeug abholen. Und danach geht’s ans Eingemachte.«
Levi stand schwungvoll auf und fragte in fast perfektem Mandarin: »Authentisches chinesisches Essen?«
»Authentisch genug für ein Weißbrot«, gab sie lächelnd zurück.
Levi hielt die Tür des Restaurants für Lucy auf. Als sie an ihm vorbeiging, spürte sie die Berührung seiner Hand im Kreuz. Sie beschleunigte, um sich davon zu befreien, und bemühte sich, ihre Abscheu nicht zu zeigen.
»Oh, entschuldige«, flüsterte Levi. »Ich hab nicht mitgedacht.«
Lucy winkte ab. Sie wusste, wie irrational ihre Reaktion war. Er hatte es nicht böse gemeint, sondern wollte nur nett sein.
Eine ältere Kellnerin mit einem breitem Lächeln vergilbter Zähne kam auf sie zu. Sie arbeitete schon im Shanghai Garden
, seit Lucy das Lokal für sich entdeckt hatte.
»Zwei Personen zum Essen?«, fragte die Kellnerin in gebrochenem Englisch.
»Ja. Zwei Personen zum Essen, danke«, antwortete Levi in Mandarin.
Die Augen der Frau weiteten sich. Es musste völlig neu für die ältere Chinesin sein, dass ein attraktiver Amerikaner in ihrer Muttersprache mit ihr redete.
Sie führte Lucy und ihn zu einem Tisch abseits der anderen Gäste. Gleich darauf kam sie zurück und servierte ihnen
Wasser und heißen Tee.
Levi zeigte auf die Speisekarte. »Hier steht, dass Sie scharfe, geschabte Rindersehne haben. Ist das ein kaltes Gericht?«
Die Kellnerin nickte und antwortete enthusiastisch auf Chinesisch. »Ja. Wir kochen sie sehr lange. Wenn sie gar ist, lassen wir sie abkühlen und schaben sie so dünn, dass man hindurchsehen kann. Ist sehr gut für die Gelenke und für die Haut.«
»Also, wenn ich mir ansehe, wie schön Ihre Haut ist, müssen Sie wohl sehr oft davon naschen«, meinte Levi mit einem Lächeln. Die Kellnerin lachte verlegen. »Ich denke, von dem Zauber könnte ich auch was gebrauchen.« Er tätschelte seine stoppelige Wange. »Ich nehme die geschabte Rindersehne. Und…« Er schaute zu Lucy. »Magst du Essiggurken?«
Sie nickte. Lucy lächelte, während sie beobachtete, wie dieser Mafioso die Kellnerin verzauberte und auch Lucy selbst unwissentlich unter die Haut ging. Wenn Levi wollte, hatte er genau die richtigen Worte auf Lager, um die Aufmerksamkeit einer Frau zu erregen. Wäre die Kellnerin ein paar Jahrzehnte jünger, würde sie ihm wahrscheinlich anbieten, die Nacht bei ihr zu verbringen.
»Außerdem«, fuhr Levi fort, »einmal die scharfen Gurken und die hausgemachte Nudelsuppe für mich.«
Die Kellnerin drehte sich Lucy zu.
»Ich nehme das Gemüse mit hausgemachten Chow mein-Gerstengrasnudeln.«
Die alte Frau zeigte auf die Teekanne. »Noch etwas anderes zu trinken?«
Beide schüttelten den Kopf, und die Kellnerin wieselte davon.
Fast so schnell, wie die Kellnerin verschwunden war, kehrte sie mit einer silbrigen Schale zurück, die Essiggurken, rote
Paprikas und eine Schicht gelatineartiger Rindersehnen enthielt. Lucy hatte die Konsistenz der Rindersehnen nie behagt, aber Levi hatte damit anscheinend kein Problem. Fasziniert beobachtete sie, wie er gekonnt die Essstäbchen benutzte, um sich die dünn aufgeschnittene Vorspeise in den Mund zu schaufeln.
Sie griff sich eine Gurke und knabberte daran. Im Gegensatz zu den typischen New Yorker Essiggurken hinterließen diese ein würziges Kribbeln auf der Zunge. Man schmeckte den Ingwer, in den sie eingelegt wurden.
Levi beugte sich leicht vor und flüsterte: »Ich will wirklich nicht penetrant sein. Bestimmt gibt’s einen triftigen Grund, der mich wahrscheinlich nichts angeht. Ich will es nur verstehen. Mit Angst vor Keimen dürfte es nichts zu tun haben. Du scheinst ja kein Problem damit zu haben, Dinge anzufassen, die ich davor berührt habe. Es geht nur darum, wenn dich jemand direkt berührt, stimmt’s?«
Lucy musterte Levis Züge. Etwas an seinem Gesichtsausdruck ging ihr tief unter die Haut. Er wollte sich nicht über sie lustig machen wie schon so viele Menschen in ihrem Leben, die ihr Problem mitbekommen hatten. Stattdessen schien er es aufrichtig verstehen zu wollen. Sie wünschte nur, sie hätte eine Erklärung, die irgendeinen Sinn ergab.
Lucy blies die Luft aus und zwang sich, eine neutrale Miene aufzusetzen. »Das trifft es so ziemlich. Ich weiß noch, dass meine Mutter mal zu jemandem gesagt hat, ich wäre schon als Baby so gewesen. Ich hab es immer gehasst, wenn man mich angefasst hat.«
Levi schaute nachdenklich drein, während er von einer Gurke abbiss. »Das muss besonders hart gewesen sein, als du verheiratet worden bist.«
Lucy dachte zurück an glücklichere Zeiten, als ihr Ehemann noch gelebt hatte. Trotz der ungewöhnlichen Umstände ihres
Arrangements war es wirklich eine gute Zeit in ihrem Leben gewesen. »Er hat von Anfang an davon gewusst. Ich hab dafür gesorgt, dass es zu seiner Zufriedenheit funktioniert hat. Er hatte nie Grund zur Klage.«
Levi lief vor Verlegenheit dunkelrot an, und Lucy konnte ein Lachen kaum unterdrücken.
Wenig später traf die Kellnerin mit ihren Gerichten ein. Während Levi aß, fragte sich Lucy, wer dieser Mann wirklich sein mochte, mit dem sie eine Mahlzeit teilte.
Die kalte Brise, die durch den Wald wehte, gestaltete es für Levi nicht gerade leichter, Dennys Trockenanzug anzuziehen. Der Mond schien mit silbrigem Licht herab, zudem besaß Levi eine außergewöhnliche Nachtsicht. Trotzdem blieb Lucys Gestalt vor seinem Blick verborgen. Sie trug von Kopf bis Fuß ein äußerst dunkles Tarnmuster, das sich hervorragend in den gesprenkelten Hintergrund des Walds fügte.
Levi war noch nicht ganz so bereit für die nächtliche Mission. Er spürte, wie sich Lucys Blick in ihn bohrte, als er nur in Unterwäsche da stand und versuchte, sich in den dickwandigen Trockenanzug zu zwängen. Das Innenfutter drohte, ihm jedes Härchen auszureißen, als es über seine Haut schabte.
»Ein Königreich für Talkumpuder.«
Lucy schaute belustigt drein. »Brauchst du Hilfe?«
»Nein«, gab er kurz angebunden zurück. Indem er den Rücken gegen einen Baumstamm presste, gelang es ihm, die untere Körperhälfte in den schweren Anzug zu quetschen. Nachdem er endlich eine Schulter drinnen hatte, fädelte er den zweiten Arm durch den anderen Ärmel. Dann sah man nur noch sein Gesicht, und auch das würde verschwinden, sobald er die Maske mit dem Kreislaufatemgerät herunterzöge.
»Glaubst du wirklich, dass die Aufmachung hilft?«, fragte Lucy. »Ich hoffe, sie schränkt deine Bewegungsfreiheit nicht ein.«
Levi stellte den Thermostat des Anzugs so ein, dass er sich automatisch an die Außentemperatur anglich. »Ich hab mir das Ding nur schicken lassen, weil ich zumindest die Chance haben will, nicht mit einer Wärmebildoptik entdeckt zu werden. Wenn ich mich schnell bewegen muss, geht dafür wahrscheinlich was anderes schief.«
Lucy schlang sich den dunklen Rucksack auf die Schultern und klappte sich das Nachtsichtmonokular über das linke Auge. »Na schön, ich geh über die Grenze und kundschafte den Stand der Dinge dort aus. Ich gebe dir Bescheid, was ich dort sehe, aber ich geh davon aus, dass die Leute denselben Weg wie gestern nehmen, wenn sie die Kinder nach Süden treiben.«
Levi deutete zum Quad, das sich unter einer Schicht aus Zweigen und Schnee verbarg. »Nimmst du nicht das Quad?«
»Nein. Der Wald grenzt direkt an ihre Anlage und ist zu dicht, um mit dem Ding darin zu manövrieren. Ohne bin ich besser dran.«
Besorgt trat Levi einen Schritt zu ihr. »Nichts für ungut, aber ich glaub wirklich, du ...«
»Hör mir zu.« Lucy näherte sich ihm, bis sie sich nur noch Zentimeter voneinander entfernt befanden. »Ich stell deine Fähigkeiten nicht in Frage. Also zweifle du auch nicht an meinen.«
Beim aggressiven Ton in ihrer Stimme zuckte Levi zusammen. Aber sie hatte recht: Er musste sachlich bleiben. Er konnte sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, was sie tun würde, ohne die eigene Effektivität zu gefährden.
Als er sich gerade entschuldigen wollte, tätschelte sie ihm die Wange und lächelte. »Geh und tu, was du zu tun hast.« Damit wandte sie sich ab und lief nach Norden in Richtung der
kanadischen Grenze los.
Levi kauerte auf einer niedrigen, schneebedeckten Anhöhe mit freier Sicht auf den gewundenen Frost Creek. Er befand sich ungefähr 70 Meter von dort entfernt, wo seine Zielpersonen sein würden.
Ihn überraschte, wie gut er durch die flüssigkeitsgefütterte Gesichtsmaske von Dennys Anzug sehen konnte, und wenn er durch das hochwertige Zielfernrohr des Gewehrs blickte, verschwand die Nacht beinah. Er verlagerte das Ziel auf ein faustgroßes Grasbüschel am Ufer des Gewässers. Levi konzentrierte sich und drückte den Abzug.
Das Grasbüschel neigte sich, als das Projektil mit fast 300 Metern pro Sekunde zielgenau am Ufer einschlug.
Levi lächelte. Nicht so sehr, weil er getroffen hatte – mit einem so fein justierten Gewehr hätte das jeder Trottel hinbekommen –, sondern weil die Waffe dabei kaum ein Geräusch verursacht hatte.
»Levi.«
Lucys Stimme drang klar und deutlich aus seinem Ohrstöpsel.
»Höre dich. Schieß los.«
»Eine Kolonne kommt direkt auf dich zu. Ich zähle 68 Kinder. Sie sind alle an den Hand- und Fußgelenken aneinandergebunden und gehen in zwei Reihen. Zwei Männer sind an der Spitze, zwei Männer hinten und zwei an den Seiten. Alle mit Gewehren bewaffnet.«
Levi atmete tief ein und blies die Luft langsam aus. Das würde eine Herausforderung werden. Wie sollte er alle sechs ausschalten, bevor sie ihn orteten?
Er lud die nächste Patrone ins Lager. »Wie lange noch, bis sie die Grenze überqueren?«
»Sie sind etwa zwei Kilometer entfernt. Ihrer Geschwindigkeit nach würde ich sagen ungefähr 20 Minuten. Kommst du damit klar?«
Levi ging in Gedanken durch, was er bei Wanderungen im Outback mit einem Aborigine-Trapper gelernt hatte. Er lächelte, als er feststellte, dass er alles dabei hatte, was er brauchte. »Keine Sorge«, sagte er. »Ich hab schon ein paar Ideen für den Umgang mit unseren Gästen. Was ist mit dir? Alles erledigt auf deiner Seite?«
»Noch nicht ganz, aber ich werd wahrscheinlich vor dir fertig sein.«
»Na schön, meine Liebe, dann halt die Augen weiter offen.«
»Ich seh dich auf der anderen Seite.«
Lucy konzentrierte sich auf die »Anlage« – die eigentlich nur aus einem etwa 15 x 15 Meter großen Betongebäude bestand, umgeben von einem mit Stacheldraht gekrönten Maschendrahtzaun. Ein Lichtmast neben dem Gebäude erhellte das gesamte Areal.
Sie holte ein schweres Fernglas aus dem Rucksack. Offensichtlich wurde das Gerät für das Militär entwickelt und noch nicht offiziell eingesetzt. Dem Etikett zufolge benutzte es Infrarot-Bildsensoren, was immer das bedeuten mochte.
Sie drückte die Einschalttaste. Das Gerät erwachte summend zum Leben und ermöglichte es ihr, ins Gebäude zu blicken. Lucy lächelte. Was immer dieses Ding sein mochte, es konnte tatsächlich die Mauern des Gebäudes durchdringen.
Sie sichtete zwei Körperwärmesignaturen im selben Abschnitt innen und einen schillernden Wachmann, der außen um die Anlage patrouillierte.
Lucy verstaute das Fernglas und zog eine Pistole Kaliber .22 aus dem Holster an ihrem Hosenbund. Sie schraubte einen langen Schalldämpfer auf die Waffe und ging am Waldrand in die Hocke, knapp außerhalb des Sichtfelds des alleine patrouillierenden Wachmanns.
Tief geduckt beobachtete Lucy, wie der Mann von der südöstlichen Ecke der Anlage zur südwestlichen ging. Vor sich um einen Riemen trug er eine Waffe. Größe und Form ließen eine Maschinenpistole mit verlängertem Kolben erahnen. Das Letzte, was sie gebrauchen konnte, war ein Feuergefecht mit einer solchen Bleispritze.
Geduldig wartete sie, bis der Mann keine 30 Meter vor ihr vorbeigegangen war. Er bewegte sich langsam, schwenkte den Blick hin und her, hielt Ausschau nach irgendetwas Ungewöhnlichem.
Lucy verlagerte ihrerseits den Blick zum oberen Ende des Lichtmasts neben dem Gebäude.
Die Lampe warf genug Licht auf das Areal, um alles innerhalb der Grundstücksgrenze zu erhellen.
Sie spähte noch einmal zum Wachmann, als er die südwestliche Ecke erreichte und die Aufmerksamkeit nach Norden richtete. Dann lud sie die Pistole durch, zielte auf die Lampe und gab zwei schnelle Schüsse ab.
Der Natriumdampf-Hochdruckstrahler zerbarst, das Gelände versank schlagartig in Dunkelheit.
Lucy klappte ihr Nachtsichtmonokular herunter und rückte vom Waldrand vor. Das Gerät zeigte ihr die Welt grünstichig und schwarz.
Der Wachmann drehte sich in ihre Richtung und fluchte, als er über einen Stein stolperte. Er war vollkommen nachtblind.
Zwei schnelle Schüsse aus ihrer Pistole, und er war erledigt.
Die Waffe nach wie vor auf den Mann gerichtet zog Lucy einen Drahtschneider aus ihrem Rucksack und schnitt eine Öffnung in den Maschendrahtzaun. Dann ging sie zu dem gefallenen Wachmann, setzte die Mündung des Schalldämpfers an seine Stirn und drückte den Abzug. Ein leises Fupp
und ein Rinnsal Blut aus der Nase bestätigten, dass er nicht wieder aufstehen würde.
Lucy lächelte, als sie dem Toten die Waffe abnahm, die sich
als Heckler & Koch MP5 Maschinenpistole entpuppte. Sie überprüfte das Magazin. Voll. Die Waffe hatte einen vierstufigen Wahlschalter, den sie auf Dreiersalven einstellte, bevor sie sich die Maschinenpistole über die Schulter schlang.
Auf dem Weg zum Eingang des Gebäudes murmelte sie ein Gebet.
Es war so weit.