Ich habe bei diesem Roman einen ungewöhnlichen Ansatz gewählt, indem ich ihn mit einer Zeugenaussage eines Mannes namens Tim Ballard vor einem Unterausschuss des Senats begonnen habe. Wir sind durchaus gewöhnt daran, Romane und vor allem Thriller zu lesen, die Fakten mit Fiktion vermischen, wodurch sich oft schwer sagen lässt, wo das eine endet und das andere beginnt.
Nun, sagen wir in diesem Fall, die genannten Auszüge sind eine wörtliche Wiedergabe der Zeugenaussage, zudem habe ich Fußnoten für alle verwendeten Daten eingefügt.
Ich habe immer nach dem Motto gelebt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Und das wollte dich dir, dem Leser, vereinfachen.
Ich habe beschlossen, nicht mehr von Tims Aussage einzubauen, weil sie, offen gestanden, ziemlich heftig ist. Sehr wohl jedoch habe ich einige Fakten seiner Aussage in der Geschichte benutzt.
Und da ich seine Zeugenaussage verwendet habe, wäre es unfair von mir, Operation Underground Railroad nicht wenigstens zu erwähnen, eine von Tim gegründete gemeinnützige Organisation, deren Ziel es ist, Opfer des Kindersexhandels zu retten. Weitere Informationen findet man unter
https://ourrescue.org
.
Obwohl dieser Roman so ziemlich ein Mainstream-Thriller ist, konnte ich es mir nicht verkneifen, Anspielungen auf Wissenschaft in der einen oder anderen Form einzubauen. Und da dem so ist, fühle ich mich verpflichtet, einen Teil davon zu erklären oder zumindest etwas mehr an Details bereitzustellen, als in die Geschichte gepasst hat.
Offensichtlich soll dieser Anhang kein Crash-Kurs über Wissenschaft auf College-Niveau sein, er soll lediglich genug Informationen oder Schlüsselwörter liefern, um bei Interesse eigenständig weiter recherchieren zu können.
Levis Baseballmütze:
Tatsächlich habe ich das Konzept von Levis ziemlich nützlicher Mütze bereits in Operation Tote Hand
vorgestellt, aber ich möchte kurz auf die Wissenschaft dahinter eingehen.
Als Erinnerung: Diese Mütze ist im Innenfutter mit winzigen Metallstreben ausgestattet, die richtungsgesteuert Kribbeln, wenn jemand den Träger anstarrt. Mit anderen Worten: Setzt man die Mütze auf und begibt sich in eine Menschenmenge, merkt man es, wenn man beobachtet wird und aus welcher Richtung.
Das klingt ein wenig wie Science-Fiction, aber die erforderliche Technologie, um so etwas zu bauen, ist definitiv vorhanden. Natürlich könnte man argumentieren, eine solche Mütze wäre sperrig oder hätte andere Nachteile, aber es ist unbestreitbar möglich, sie zu konstruieren.
Um es ausführlicher zu erklären, füge ich einen kleinen Auszug aus Operation Tote Hand
ein, indem es mir, wie ich glaube, recht gut gelungen ist, die Funktionsweise für Laien verständlich zu erklären.
Denny schloss die Mütze vom Gürtel ab und zeigte Levi die folienartige Elektronik entlang des Innenfutters der Mütze. »Du kennst das doch, wie die Augen von Tieren in der Nacht unheimlich
leuchten, wenn ein Licht auf sie scheint, oder?«
Levi nickte.
»Also, menschliche Augen haben diese reflektierende Eigenschaft nicht, jedenfalls nicht in dem Ausmaß. Damit unsere Netzhaut Licht reflektiert, ist was Helleres nötig. Du weißt ja, was passiert, wenn man mit einem Kamerablitz ein Foto schießt.«
»Du meinst den Rotaugeneffekt?«
»Genau.« Denny zeigte auf eine Reihe winziger, röhrchenförmiger Vorsprünge, die aus dem Innenfutter der Mütze ragten. »Was ich hier habe, ist ein bisschen verrückt. Denn könnte man das Licht sehen, würde dein Kopf wahrscheinlich leuchten wie ’ne grelle Rundumtaschenlampe.«
»Wie meinst du das?«
Denny presste die Lippen zusammen. »Also, normalerweise können wir nur Licht mit bestimmten Wellenlängen sehen. Ich fange mal ganz simpel an. Wahrscheinlich haben wir alle in der Schule gelernt, dass die Farben des Regenbogens bei Rot beginnen und bei Violett enden. Das entspricht Licht mit Wellenlängen von etwa 700 bis 350 Nanometern. Je größer die Wellenlänge, desto näher an Rot, je kleiner, desto näher an Violett. Das kann unser menschliches Auge wahrnehmen. Aber das sind nicht die Grenzen des Lichts. Diese Mütze zum Beispiel sendet in jede Richtung Lichtbündel mit einer Wellenlänge von ungefähr 1.550 Nanometern aus. Das liegt tief im Infrarotspektrum. Jeder der winzigen Laser saugt ordentlich Energie. Und auch, wenn du’s nicht spürst, die Zielrichtung der Laser schwenkt ungefähr zwanzigmal pro Sekunde auf und ab.
Du hast also im Wesentlichen ’ne Mütze, die in alle Richtungen Licht projiziert, das keiner sehen kann. Es ist stark genug, um auf Dinge zu treffen und davon zurückzuprallen. An der Stelle kommen meine elektronischen Filter ins Spiel. Was zurückkommt, wird stark gefiltert, damit du nur dann was wahrnimmst, wenn ein zurückprallendes Signal erkannt wird, das dir zu folgen scheint.«
»Funktioniert das auch aus der Ferne?«
»Sollte auf bis ungefähr 100 Meter funktionieren. Alles darüber
hinaus filtere ich derzeit heraus, weil die Reflexionen zu ungenau werden.«
Levi nahm den Gürtel ab, und Denny verstaute die Gegenstände wieder im Koffer.
»Lass mich das noch mal zusammenfassen«, sagte Levi. »Wenn ich das trage, strahlt es in jede Richtung Licht aus, das niemand sehen kann. Wenn mich jemand anstarrt, prallt das Licht von demjenigen zurück, und die Mütze hat Sensoren, die mich darauf aufmerksam machen.«
Es mag also vielleicht kein Produkt mit den Fähigkeiten dieser Mütze im Laden um die Ecke zu kaufen geben, aber mich würde nicht im Geringsten überraschen, wenn etwas Derartiges für Personen in Geheimdienstkreisen verfügbar wäre.
Dennys Trockenanzug:
Wir haben alle schon Filme gesehen, in denen der Gute (oder auch der Böse) versucht, in einen Hochsicherheitsraum einzudringen, und wo ein Schweißtropfen alle möglichen Alarme auslöst. Das entspricht zwar nicht ganz dem, womit Levi konfrontiert war, aber es bietet einen Einblick in die Art von Problemen, mit denen sich Langfinger (Einbrecher) gegebenenfalls in einem Umfeld mit fortschrittlichen Sicherheitsvorkehrungen herumschlagen müssen.
Natürlich steigert sich der Schwierigkeitsgrad mit Wärmesignaturen auf eine völlig neue Ebene. Tatsächlich gibt es Filme, die etwas Ähnliches wie Dennys Trockenanzug beinhalten. Insbesondere einer fällt mir ein. Konkret die Mikrochip-Szene in The Saint – Der Mann ohne Namen
mit Val Kilmer.
In dem Film muss Val Kilmer versuchen, in einen Tresor einzubrechen, um einen Mikrochip zu stehlen. Um aber auch nur in die Nähe des Tresors zu gelangen, muss er zuerst eine
Reihe von Thermomeldern überwinden. Eine großartige Szene, denn es ist tatsächlich schwierig, dafür zu sorgen, dass ein menschlicher Körper plötzlich keine Wärmesignatur mehr abstrahlt. Für einen Film hat das The Saint
ziemlich gut dargestellt. Beim Anzug, den der Schauspieler trägt, wurde zumindest berücksichtigt, die gesamte Haut und das Gesicht zu bedecken. Ein paar Einzelheiten jedoch wurden übersehen, bei einem Film praktisch unvermeidlich. Kommt man aus einer kalten Umgebung in eine warme, kann man sich nicht schlagartig an das wärmere Umfeld anpassen, ganz gleich, wie gut die Temperaturregelung ist. So etwas dauert seine Zeit.
Ein Beispiel für ein verbreitetes Problem wäre die Kondensation.
Man braucht nur an ein kaltes Getränk zu denken – das Glas wird schnell nass, da das Wasser in der Luft auf der kalten Glasoberfläche kondensiert. Das Visier des Schauspielers würde sich so gut wie sicher beschlagen, bevor der Anzug die Temperatur regulieren kann.
Levi braucht in seiner Szene nicht etwas, das einigermaßen gut funktioniert, er braucht etwas, das spitzenmäßig funktioniert.
Zum Glück ist Levi auch mit einem völlig anderen Umfeld konfrontiert als Val Kilmer im Film. Ein Anzug, der sich der Umgebungstemperatur anpassen soll, muss einige Schwierigkeiten überwinden können. Zum einen, dass der Körper, der darin steckt, konstant Wärme generiert. Um ihr entgegenzuwirken, muss der Anzug in der Lage sein, diesem Einfluss zu widerstehen.
Die einzige echte Möglichkeit dafür ist hervorragende Wärmeleitfähigkeit. In einem solchen Fall muss der Trockenanzug in der Lage sein, die Wärmeenergie effizient und konstant abzuleiten, ohne dass überschüssige Wärmeenergie erkannt wird.
Um das zu erreichen, muss (je nach Bedarf) der Kühl- oder
Heizkreis gleichmäßig zirkulieren, damit jede ungeschützte Oberfläche dieselbe Temperatur aufweist. Am einfachsten lässt sich das durch eine zirkulierende (erwärmte oder gekühlte) Flüssigkeit erreichen, fast so, wie eine Klimaanlage funktioniert.
Wenn man jedoch wie Levi versucht, sich der Außentemperatur anzupassen, die beispielsweise um den Gefrierpunkt liegt, möchte man natürlich nicht, dass die Haut friert.
Was also tut man?
Nun, man braucht mehrere getrennte Schichten. Eine Außenschicht, die jede gewünschte Außentemperatur aufrechterhalten kann, aber auch eine weitere zirkulierende Schicht, die verhindert, dass man erfriert. Und in Wahrheit würde man eine dritte Schicht zwischen den beiden anderen haben wollen, um die Wechselwirkungen der beiden aufeinander zu verringern.
So gelangen wir zu einem Trockenanzug mit drei Schichten, zwei davon mit jeweils einer unabhängigen Pumpe, die eine Flüssigkeit zur Anpassung der Temperaturen zirkulieren lässt. Und nicht zu vergessen: Jede dieser zirkulierenden Schichten wäre im Wesentlichen hohl – schließlich benötigen die in ihnen zirkulierenden Flüssigkeiten etwas Platz.
Aber auch, wenn die Herstellung eines solchen Trockenanzugs ein aufwändiges Unterfangen wäre, es wäre mit Sicherheit möglich. Und das Ergebnis wäre vermutlich recht sperrig.
Vielleicht wird so etwas tatsächlich schon verkauft. Aber im schlimmsten Fall wissen wir, dass es Leute wie Denny gibt, die unsere Geheimdienste mit allen möglichen interessanten Tüfteleien versorgen.
Wer weiß, welche neue Erfindung Denny als Nächstes einfällt?