Ich muss mir derzeit keine Sorgen um meine Bleibe machen. Sie halten mich hier fest. Das Haus, der Staatsanwalt und auch der Richter haben meine Entlassung nach der Halbstrafen-Regelung unisono abgelehnt. Ich glaubte, diesen kleinen Funken Hoffnung immer wieder im Keim erstickt zu haben. Nun merke ich, dass dem nicht so ist. Nicht nur für mich hatte ich mir ein Ende meiner Haftzeit gewünscht, auch oder besonders deinetwegen. Ich weiß wirklich nicht, wie du dich fühlst, wie Sandra und Micha mit dir, ihrem dritten Kind, zurechtkommen, ob du ihnen eine Last bist. Natürlich würden sie das weder dich noch mich spüren lassen. Aber ich kann mir denken, dass sie ihr Leben anders geplant hatten.
Warum nur habe ich damals keine andere Lösung gefunden? Immer wieder WARUM? Ich habe demnächst wieder einen Termin bei der Psychologin. Aber auch wenn die mir zu einer Erklärung verhilft, ich kann die Zeit nicht zurückdrehen. Verdammt noch mal, ich muss vorwärts gucken.
Ende des Jahres bekomme ich erste Lockerungen, das heißt, ich kann für ein paar Stunden allein raus, ohne Bewachung. Zwar nur stundenweise, aber besser als gar nicht.
Noch zwei Jahre. Die werde ich auch noch schaffen.