Snoop-ID: ANON101

Hört: offline

Snoopscriber: 0

Sie warten, drängen sich alle am Fuß der Treppe, als ich hinuntergehe – Eva, Topher, Inigo, Rik. Eva trägt ein langes Kleid aus weißer Wolle, vermutlich Kaschmir, und ich komme mir neben ihr vor wie eine Vogelscheuche. Topher trägt Jeans und ein Hemd mit offenem Kragen. Er hält mir ein Martiniglas vor die Nase.

»Einen Cocktail, Liz?« Er lächelt strahlend.

»Nein, danke.«

»Na komm schon«, lockt er schmeichelnd. »Das ist doch eine besondere Gelegenheit – wir sind mal wieder in alter Besetzung zusammen!«

Ich sollte lächeln, aber mir ist nicht danach. Mein Kleid ist zu eng. Ich habe Shapewear darunter angezogen, damit es besser sitzt, aber sie kneift und drückt auf den Magen. Außerdem ist die Musik zu laut.

»Nein, danke, ich habe Kopfschmerzen.« Ich will Topher nicht den wahren Grund nennen – dass ich keinen Alkohol mehr trinke. Er könnte sich fragen, warum – was sich verändert hat, seit ich Snoop verlassen habe.

»Du Ärmste«, sagt er. »Wir besorgen dir was. Ich habe Ibuprofen dabei. Inigo –«

»Nein, danke«, sage ich noch einmal. Mein Herz flattert seltsam, und mir wird ein bisschen flau. »Ich will kein Schmerzmittel. Ich glaube, ich brauche einfach ein Glas Wasser.«

Topher sieht Inigo stirnrunzelnd an und macht eine Kopfbewegung zur Küche hinüber. Inigo nickt und eilt davon. Vermutlich soll er mir Wasser holen. Das alles kommt mir falsch vor. Früher hat Topher mir die Anweisungen erteilt. Was mir, ehrlich gesagt, lieber war. Ich war lieber unsichtbar.

Als Inigo zurückkommt, nimmt Topher das Glas und sagt zu den anderen: »Lasst Liz mal ein bisschen Luft zum Atmen.« Er führt mich zu einem kleinen Sofa und bedeutet mir, mich hinzusetzen. Mir bleibt wohl nichts anderes übrig. Topher setzt sich neben mich, viel zu dicht, und nimmt meine Hand.

Es fehlt nicht viel, und ich drehe durch.

Ich weiß, was jetzt kommt.

»Liz, ich wollte dir nur sagen«, setzt er an. Ich schaue mich panisch um. Mein Herz kommt aus dem Takt. Ich frage mich, ob ich einen Herzfehler habe. Topher redet davon, wie stolz er sei, dass er mir damals eine Chance gegeben habe, wie ich mich bei dem Vorstellungsgespräch von den anderen abgehoben und was ich für Snoop geleistet habe. Er erwähnt unseren »gemeinsamen Weg«.

Seine Worte werden von der allzu lauten Musik übertönt, und ich habe ein merkwürdiges Zischen im Ohr. Aber ich weiß auch so, was er eigentlich damit sagen will.

Ich habe mich für dich eingesetzt.

Ich habe dir eine Chance gegeben.

Ohne mich wärst du nicht hier.

Du schuldest mir was.

Und er hat recht. Ich weiß, dass er recht hat. Das ist ja gerade

Er ist so nett zu mir, dass mir ganz schlecht ist. Gleichzeitig rieche ich den Alkohol in seinem Atem und spüre seinen warmen Körper an meinem und kann nur an meinen Vater denken, der sich über mich beugt.

Ich bin drauf und dran, wieder mit den Fingergelenken zu knacken, als sich eine ungebetene Stimme in meinen Kopf drängt. Wenn du noch einmal dieses widerliche Geräusch machst …

Unwillkürlich zucke ich zusammen.

»… und das macht mich so stolz«, verkündet Topher abschließend.

Ich habe keine Ahnung, was ich sagen soll. Bevor mir etwas einfällt, ertönt ein helles Klingeln von der anderen Seite des Raums. Es ist Ani, Evas Assistentin. Sie trägt ein Seidenkleid, das aussieht, als hätte man zwei Tücher zusammengebunden, steht auf Zehenspitzen und lässt zwei Champagnergläser aneinanderklirren.

Alle bis auf Elliot verstummen. Er redet weiter mit Rik, sein tiefer, monotoner Bass dröhnt durch die Lobby.

»… Serverprobleme mit GeoSnoop auftreten, wenn wir nicht –«

Rik stößt Elliot an, der sich umdreht. Er bricht mitten im Satz ab, sieht verwirrt aus.

Topher neben mir ist erstarrt, er wirkt bestürzt. Jetzt kommt wohl Evas Präsentation. Aber es sieht aus, als hätte er nichts davon gewusst.

Und dann wird mir klar, was das hier ist. Was passieren wird. Dies ist ein Hinterhalt.

Nein. Das ist nicht das richtige Wort.

Es ist ein Putsch.