Snoop-ID: LITTLEMY

Hört: offline

Snoopscriber: 1

»Liebe Snooper!«, sagt Eva mit gekünstelt fröhlicher Stimme. Sie steht auf der untersten Stufe der Wendeltreppe, obwohl sie es eigentlich nicht nötig hätte, erhöht zu stehen. Sie sieht hinreißend aus in ihrem makellosen Kaschmirkleid. »Ich weiß, es steht nicht in eurem Programm, aber Ani und ich möchten euch alle hier begrüßen und unsere gemeinsame Woche mit ein paar Höhepunkten aus der Snoop-Reise beginnen. Wir wollen euch daran erinnern, wie wunderbar ihr alle seid, wie weit wir es gebracht haben und was ihr, ihr alle, zu dem Phänomen Snoop beigetragen habt. Würdet ihr bitte auf einen Sprung in den Medienraum kommen? Ihr könnt eure Drinks gern mitnehmen.«

Allgemeines Geschlurfe und eine seltsame Spannung in der Luft, die ich nicht genau benennen kann.

Die Reaktionen der Gäste verraten mir, dass es drei Untergruppen gibt.

Da wäre erst einmal Evas kleiner Hofstaat, der aus Rik und Ani zu bestehen scheint. Sie wussten Bescheid und haben nur auf das Stichwort gewartet. Sie hatten sich schon zu ihr gesellt, noch bevor sie die Ankündigung gemacht hatte, und wirken nun angespannt, geradezu kampfbereit.

Dann gibt es eine neutrale Gruppe. Diese Leute sind angenehm überrascht und freuen sich mit fröhlicher Selbstvergessenheit über die kleine Ablenkung. Zu dieser Gruppe gehören

Und schließlich ist da noch Tophers enger Kreis, der ebenfalls überrascht ist – aber nicht freudig. Sein Assistent Inigo sieht aus wie ein Kind, das mit neuen Schuhen in Hundekacke getreten ist und sich vor seinem aggressiven Vater fürchtet. Der Technikfreak Elliot steht mit verschränkten Armen in der Ecke, klopft mit der Fußspitze auf den Boden und starrt wütend durch seine Brillengläser, als hätte man ihn beim Poker ausgetrickst. Topher ist vom Sofa aufgestanden, wo er sich mit Liz unterhalten hatte, und wirkt geradezu alarmiert. Zum ersten Mal verrutscht sein jungenhafter Charme, und mir wird klar, dass hinter Charisma und aufgesetztem Selbstvertrauen noch etwas anderes lauert. Was, weiß ich nicht genau. Steckt hinter der glatten Fassade ein verängstigter kleiner Junge? Oder sogar etwas Gefährlicheres? Einen Moment lang meine ich Zorn in seiner Miene aufblitzen zu sehen.

Und dann ist da noch Liz. Ich bin mir nicht sicher, zu welchem Lager sie gehört. Sie passt in keines – scheint aber zu wissen, was hier vor sich geht. Ihr Gesicht ist ausdruckslos, die Deckenlampe spiegelt sich in ihren Brillengläsern, sodass ich ihren Blick nicht erkennen kann. Aber sie sieht nicht froh aus und hat die Arme um den Körper geschlungen, als wollte sie einen Schlag abwehren.

»Warte mal, Eva –«, sagt Topher und bemüht sich um seinen üblichen Befehlston, aber es ist zu spät. Eva schiebt die anderen schon zügig in den Medienraum, und ihm bleibt nichts anderes übrig, als mit Elliot zu folgen oder allein zurückzubleiben. »Eva, was zum –«

Dann schließt sich die Tür hinter ihnen.