Snoop-ID: LITTLEMY

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»Also«, sage ich zu der kleinen Gruppe, die vor dem Chalet mit den Bindungen kämpft. »Ich erkläre Ihnen jetzt das Terrain. Den Weg hier links kennen Sie schon, der führt zur Standseilbahn. Dort beginnt auch die lange blaue Piste nach Saint-Antoine hinunter.«

»Blanche-Neige, richtig?«, wirft Topher ein, und ich nicke.

»Genau. Es ist eine wirklich schöne Abfahrt. Allerdings muss man ein ganzes Stück im Treppenschritt bergauf gehen, um dorthin zu gelangen. Wenn Sie gleich von hier aus losfahren wollen, müssen Sie durch den Wald.« Ich deute auf einen Pfad, der am Chalet vorbeiführt und zwischen den Kiefern verschwindet. »Er führt zum Ende der grünen Piste und von dort zur Reine-Télécabine.«

»Télécabine?«, fragt Inigo.

»Entschuldigung, ich meinte natürlich die Gondelbahn. Sind absolute Anfänger dabei?«

»I-ich«, ruft Liz nervös. »Ich bin erst einmal Ski gefahren. Und nur Trockenski. Das hat nicht so gut geklappt.«

»Ach, keine Sorge, der Weg ist auf den ersten Metern ein bisschen steil, wird dann aber ebener. Sie müssen einfach nur die Skier nach vorn richten und hinuntergleiten. Auf dem ersten Stück können Sie notfalls im Schneepflug fahren, empfehlen würde ich es aber nicht. Sie brauchen den Schwung für den

»Zieh mich«, sagt Topher grinsend zu Eva, die die Augen verdreht und einen Stock hinter sich ausstreckt. Ich zeige ihnen noch einmal die Richtung und schaue zu, wie sie im Schuss zwischen den Bäumen hinunterfahren. Als sie den flachen Teil des Weges erreichen, geht Eva in einen wunderschönen Skating-Stil über und zieht Topher hinter sich her. Ihre knallrote Jacke flackert zwischen den Bäumen. Irgendjemand hatte gesagt, sie könnte gut und gern bei den Olympischen Spielen starten, und es stimmt, sie fährt hervorragend. Besser als ich, und das will etwas heißen. Topher hat das steile Stück am Anfang mühelos bewältigt, was auf einem Snowboard gar nicht einfach ist. Er scheint in seinem Element zu sein.

Als Nächster ist Rik an der Reihe, offenbar ein geübter Skifahrer, wenn auch weniger elegant als Eva. Dann kommt Miranda, die entgegen meinem Rat das erste Stück im Schneepflug fährt, auf dem flachen Teil den Schwung verliert und verlegen losstapft. Sie hat schon mal auf Skiern gestanden, fährt aber alles andere als herausragend. Vermutlich beherrscht sie die Grundlagen, ist jedoch zu vorsichtig, um wirklich eine gute Figur zu machen. Inigo folgt in einer grasgrünen Jacke, die seine azurblauen Augen noch blauer aussehen lässt. Er saust mit eleganter Prägnanz hinunter, überholt Miranda und legt hilfsbereit die Hand an ihren Rücken, um ihr Schwung zu verleihen. Er fährt ganz offensichtlich von Kindesbeinen an Ski. Diese lässige Anmut entwickelt man nicht von heute auf

Carl schießt los, wilde Entschlossenheit im kirschroten Gesicht, als wollte er sagen Scheiß drauf, wennschon, dennschon. Er bleibt fast sofort mit einem Ski in einer Schneewehe stecken und stürzt vornüber, rappelt sich aber klaglos auf, geht wieder in Position und schafft es ohne weiteren Zwischenfall. Ani ist die Nächste. Sie trägt eine hellblaue Jacke und eine weiße Skilatzhose, die sie bestimmt gerade erst gekauft hat. Ihr butterblumengelbes Haar schaut unter der Kapuze hervor. Sie sieht aus wie eine Mischung aus niedlichem kleinen Mädchen und Moderatorin einer Kindersendung und lächelt schief.

»Vielleicht hätte ich mich auch als Anfängerin melden sollen«, sagt sie entschuldigend. »Ich bin wirklich nicht sehr gut.«

»Keine Sorge«, sage ich aufmunternd. »Auf diesem Stück kann eigentlich nichts schiefgehen. Und da es ordentlich geschneit hat, fällt man weich.«

Sie grinst, stößt sich mit den Stöcken ab und quiekt, als es steiler wird. Überrascht kippt sie nach hinten und fuchtelt mit den Stöcken, hält aber irgendwie die Balance und verschwindet lachend zwischen den Bäumen.

Dann sind nur noch Liz und ich übrig. Anders als Ani mit ihrer mutigen Begeisterung sieht sie erhitzt und angespannt aus. Sie ist eindeutig zu warm angezogen für diesen sonnigen Tag und schwitzt jetzt schon. Ich ärgere mich, dass ich die Ausrüstung der unerfahrenen Skifahrer nicht überprüft habe. Aber besser, sie trägt zu viele als zu wenige Klamotten, und es ist ohnehin zu spät, um etwas davon auszuziehen. Ich will ihr gerade Mut machen, als mir etwas auffällt.

»Moment mal, wo ist denn Elliot?«

»Oh.« Ich bin ein bisschen überrascht. Ich hatte gedacht, Snoop sei eine dieser Firmen, bei denen man mitmachen muss. Diesen Eindruck hatte ich jedenfalls bei Carl. Liz scheint meine Gedanken zu lesen.

»Ich weiß … Er ist nicht der Einzige, der lieber in seinem Zimmer wäre, aber nur er kommt damit durch. Das liegt wohl daran, dass er Tophers bester Freund ist.«

»Kennen die beiden sich schon lange?«

»Sie waren im selben Internat.« Das Reden scheint zu helfen. Liz wirkt nicht mehr so verkniffen und gehemmt. »Zusammen mit Rik.«

»Sieh mal an, die typischen alten Seilschaften«, sage ich, bevor ich mich bremsen kann, und werde rot. Ich hatte für einen Moment vergessen, dass ich nicht nur Erin, die Skifahrerin, sondern auch Erin, die Gastgeberin, bin. Aber Liz scheint es mir nicht übel zu nehmen. Sie lächelt sogar ein bisschen.

»Ich weiß.« Sie wird rot, als hätte sie etwas unglaublich Kühnes gesagt.

Ich bin froh, dass sie jetzt ein bisschen entspannter wirkt. Wir müssen langsam los.

»Gut, wir sollten jetzt die anderen einholen. Sind Sie bereit? Fahren Sie einfach hinter mir her. Falls Sie die Kontrolle verlieren, rutschen Sie einfach langsam gegen mich.«

»Oje …« Sie wirft einen ängstlichen Blick hinüber zum schmalen Pfad. »Es sieht so steil aus.«

Meine Güte, sie ist wirklich nicht die geborene Skifahrerin. Ich fasse einen Entschluss.

»Wissen Sie was, geben Sie mir Ihre Stöcke.«

Sie reicht sie mir gehorsam wie ein Kind, und ich klemme

»Und jetzt halten Sie sich daran fest, verstanden? Einen in jeder Hand.«

Sie nickt, und ich stoße mich ab, sehr sanft, bremse die Abfahrt mit den Oberschenkelmuskeln ab.

Liz’ Gewicht drückt von hinten gegen meine Stöcke und macht die kleine Schussfahrt schwieriger als gewöhnlich, aber wir schaffen es auf das ebene Stück. Dort folge ich Evas Beispiel, skate und ziehe Liz hinter mir her. Ich höre ihren keuchenden Atem.

Dann tauchen wir zwischen den Bäumen auf und gleiten den Hang hinunter zur Gondelbahn, wo die anderen auf uns warten. Sie stehen vor den Drehkreuzen unter einem Holzschild mit der Aufschrift LA REINE TC.

»Dieser Lift ist leicht«, sage ich zu Liz. »Sie können die Skier abschnallen und einfach reingehen.«

»Puh.« Ihre Miene hellt sich ein bisschen auf, und sie schaut zum Gipfel, wo sich Wolken zusammenziehen. »Wie ist die Abfahrt?«

»Es gibt zwei Stationen. Wenn Sie an der ersten aussteigen, ist es einfach. Sie sind auf halber Höhe des Berges und können entweder die grüne Piste zurück zur unteren Liftstation hier nehmen oder die blaue, die nach Saint-Antoine-le-Lac abzweigt. Wenn Sie in der Gondel bleiben, fahren Sie bis ganz nach oben. Bei Sonnenschein ist die Aussicht hinreißend, aber na ja.« Ich deute auf die Wolken. »Von der oberen Station aus haben Sie die Wahl zwischen zwei Abfahrten: La Sorcière ist eine schwarze Piste und verläuft links vom Lift. Der obere Teil von Blanche-Neige ist blau, fühlt sich bei schlechten Bedingungen aber eher wie eine rote Piste an. Ich würde Ihnen empfehlen, an der

»Okay«, sagt Liz und schaut nach oben, doch ihre Zweifel sind unübersehbar. »Bleiben Sie den ganzen Tag bei uns?«

»Nur bei den ersten Abfahrten. Ich zeige Ihnen den Rückweg zum Chalet. Danach muss ich Danny bei den Vorbereitungen fürs Mittagessen helfen.«

Liz sagt nichts, umklammert aber die Skistöcke, als hinge ihr Leben daran. Sie ist offensichtlich nicht scharf darauf, allein zurückzubleiben.

»Alles wird gut laufen«, sage ich selbstsicherer, als ich mich fühle. »Sie sind nicht die einzige Anfängerin. Ani ist auch nicht besonders gut, genau wie Carl. Sogar Miranda wirkt nicht sonderlich sicher.«

Liz löst schweigend die Bindungen und steigt von den Skiern, sieht aber alles andere als froh aus.