Snoop-ID: ANON101

Hört: James Blunt/You’re Beautiful

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Im Minibus vom Genfer Flughafen behalte ich meine Earbuds in den Ohren. Ich ignoriere Tophers erwartungsvolle Blicke ebenso wie Eva, die mich über die Schulter ansieht. Irgendwie hilft es. Es hilft mir, die Stimmen aus meinem Kopf zu drängen, ihre Stimmen, die mich hin und her zerren, Loyalität einfordern und mit Argumenten auf mich eindreschen.

Stattdessen lasse ich sie von James Blunt übertönen, der mir wieder und wieder sagt, dass ich schön sei. Das ist pure Ironie, und ich würde am liebsten lachen, lasse es aber. Die Lüge hat etwas Tröstliches.

Es ist 13:52 Uhr. Der Himmel ist eisengrau, die Schneeflocken wirbeln geradezu hypnotisierend vorbei. Seltsam, auf dem Boden sieht Schnee weiß aus, doch wenn er fällt, wirkt er grau. Es könnte ebenso gut Asche regnen.

Wir fahren jetzt bergauf. Der Schnee fällt dichter, je höher wir kommen, er schmilzt nicht mehr auf der Windschutzscheibe, sondern rutscht klebrig am Glas hinunter. Die Scheibenwischer schieben ihn beiseite, Rinnsale aus Schneematsch, die quer über das Beifahrerfenster laufen. Ich hoffe, der Bus hat Winterreifen.

Der Fahrer schaltet einen Gang herunter; wir nähern uns der nächsten Haarnadelkurve. Als der Bus in die enge Kurve biegt,

Dann ist das Lied zu Ende.

Und ich bin allein, mit nur einer Stimme im Kopf, die ich nicht abstellen kann. Meiner eigenen. Und sie flüstert eine Frage, die ich mir immer wieder stelle, seit das Flugzeug in Gatwick abgehoben hat.

Warum bin ich mitgekommen? Warum?

Dabei kenne ich die Antwort.

Ich bin mitgekommen, weil ich es mir nicht leisten kann, es nicht zu tun.