Snoop-ID: ANON101
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Als die anderen weg sind, schließt Erin die Haustür ab, so gut es geht, hundertprozentig ist es nicht. Die Tür ist durch den Aufprall der Lawine verzogen, und das untere Schloss geht nicht richtig zu. Schmelzender Schnee dringt durch den Spalt, doch immerhin funktioniert das obere Schloss noch. Dann prüft sie den Skieingang, der vom Schnee verschüttet ist, und die Tür, durch die man früher zum Pool ging.
»Alles bestens«, berichtet sie, als sie in die Lobby zurückkehrt. Sie lächelt strahlend und ein bisschen gekünstelt. Die Stille wirkt jetzt bedrückend, sie lastet schwer auf uns. »Wie geht es dir?«
»Ach – okay, glaube ich.« Ich reibe mir den Hinterkopf, den ich mir am Treppengeländer gestoßen habe, und berühre vorsichtig mein Knie durch die gefütterte Hose. Ich habe es verdreht, aber nicht so schlimm wie befürchtet. Nun, da sich der erste Schreck gelegt hat, kann ich es sogar belasten. »Noch ein bisschen wackelig, aber der Schock war wohl größer als die Verletzungen.«
»Wir sind vielleicht ein Paar«, sagt Erin. Sie grinst, wobei sich die Narbe auf ihrer Wange verzieht. »Ich mit meinem Knöchel, du mit deinem Knie. Zwei lahme Enten.«
»Genau.« Ich will lachen, aber es klingt nicht echt.
»Dannys Trupp dürfte etwa sechs Stunden bis Haute Montagne und zurück brauchen. Und wer weiß, wie es bei Tophers Gruppe läuft. Ich habe keine Ahnung, wie schlimm die Piste wirklich aussieht. Falls sie gar nicht befahrbar ist, könnte es ewig dauern.«
Ich nicke. In Skischuhen durch hüfthohen Schnee zu stapfen, ist kein Spaß. Das weiß ich aus Erfahrung.
»Also bleiben uns mindestens sechs Stunden, bevor wir uns Sorgen machen müssen«, sagt Erin. »Fragt sich, wie wir die am besten totschlagen.«