Snoop-ID: ANON101
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Erin rührt das Abendessen kaum an. In nur einer halben Stunde hat sich ihr Verhalten grundlegend verändert. Von ihrer professionellen Freundlichkeit ist nichts mehr zu sehen. Das kann ich mir überhaupt nicht erklären. Als ich sie danach frage, murmelt sie nur, sie mache sich Sorgen um Danny, aber ich weiß nicht, ob das wirklich stimmt.
Ich esse den Rest ihrer Portion auch noch auf. Dann taste ich mich in die Küche, um die Schüsseln unter kaltem Wasser abzuspülen. Es hat keinen Sinn, richtig abzuwaschen. Darüber sind wir längst hinaus. Es fühlt sich eher nach einem Überlebenstraining an. Doch als ich den Wasserhahn aufdrehe, tut sich nichts. Ich probiere den anderen. Auch nichts.
Als ich ins Wohnzimmer zurückkomme, hockt Erin gekrümmt da und starrt ins Feuer. Ich setze mich neben sie, bewege vorsichtig mein Knie, das sich schon viel besser anfühlt.
»Wir haben ein Problem.«
Sie schaut abrupt hoch, als hätte ich sie erschreckt.
»Was? Was hast du gesagt?«
»Wir haben ein Problem«, wiederhole ich. »Das Wasser läuft nicht. Vermutlich sind die Leitungen eingefroren.«
»Scheiße.« Sie schließt die Augen und reibt sich das Gesicht, als wollte sie sich aus einem Albtraum aufwecken, was in gewisser Weise wohl auch stimmt. »Na ja, wir können nur abwarten. Danny und die anderen müssen inzwischen angekommen sein. Also werden wir einfach bis zum Morgen durchhalten. Falls wir nicht vorher erfrieren.«
Ihre Worte klingen verstörend, zumal mir jetzt bewusst wird, dass ich trotz meines Overalls friere. Im Chalet ist es fast unerträglich kalt geworden. In der Küche hat mein Atem weiße Wölkchen erzeugt. Oben dürfte es unter null sein.
»Vielleicht … sollten wir hier unten schlafen?«
»Ja – das ist wohl besser.«
»Dann hole ich mein Bettzeug«, sage ich entschlossen. Erin nickt.
»Und ich kümmere mich um die Sofas, die kann man zu Betten umbauen.«
Ich bin schon fast aus dem Zimmer, als sie sagt: »Liz?«
Ich drehe mich erwartungsvoll um.
»Ja?«
»Liz, ich wollte nur – danke sagen. Danke, dass du hier bei mir geblieben bist. Und es tut mir leid, wie sich hier alles entwickelt hat.«
»Schon gut«, sage ich, auch wenn es mir schwerfällt. Ich habe einen Kloß im Hals. »Schon gut. Es ist ja nicht deine Schuld.«
Dann drehe ich mich um und humpele in die Lobby und die Wendeltreppe hinauf, bevor sie bemerkt, dass ich drauf und dran bin, in Tränen auszubrechen.