Snoop-ID: LITTLEMY

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Liz entgleiten die Gesichtszüge, als sie die Nachricht liest, und ich weiß sofort, dass ich mich nie im Leben herausreden kann.

Sie wird gespenstisch weiß und ganz, ganz still, aber es ist nicht Angst, die sie lähmt. Ich glaube, es ist etwas anderes. Es könnte Zorn sein.

»Du verstehst das falsch«, sage ich schwach, aber meine Stimme klingt heiser, und ich weiß, dass es sinnlos ist. Wie konnte ich nur annehmen, ich könnte die SMS irgendwie erklären? Ein Blick auf Liz macht mir klar, dass sie sie nur auf eine Weise deuten kann.

»Du weißt Bescheid«, sagt sie und klingt entsetzlich ruhig. Ich wünschte, sie würde schreien und toben – alles wäre besser als diese eisige Kälte.

Dennoch erleichtern mich ihre Worte in gewisser Weise, denn ich muss mich nicht mehr verstellen. Ich muss nicht mehr um den heißen Brei herumreden und kann der Wahrheit ins Auge blicken.

»Ja, ich weiß Bescheid«, sage ich leise, trete einen Schritt zurück, lasse mich auf Elliots Bett fallen und vergrabe das Gesicht in den Händen. Zum einen, weil mein Knöchel schrecklich wehtut und mir ganz schlecht vor Schmerzen ist, zum anderen, weil meine Beine derart zittern, dass ich mich nicht mehr aufrecht halten kann.

»Herrje, er stinkt«, sagt sie schließlich und verzieht das Gesicht. Sie knackt mit den Fingergelenken, aber es klingt nicht mehr nervös, sondern als würde sie sich auf einen Kampf vorbereiten. »Lass uns von hier verschwinden. Wir gehen nach unten und reden in Ruhe.«

Ich folge ihr wie in einem Traum – oder vielmehr in einem Albtraum. Sie hält das Handy vor sich wie eine Kerze und leuchtet in den Flur. Als wir oben an der Treppe stehen, sagt sie: »Nach dir.«

Ich zögere.

Ich will Liz nicht wütend machen, kann aber unmöglich vor ihr die glatte Treppe hinuntergehen. Auf gar keinen Fall.

Sie bemerkt mein Zögern und lacht freudlos.

»Okay, ich kann es dir nicht verdenken. Ich gehe zuerst. Aber du bleibst gefälligst ein Stück hinter mir, verstanden? Ich will nicht, dass du mich die Treppe runterstößt.«

Ich nicke, habe gar nichts dagegen, Abstand zu halten. Denn sie könnte mir ebenso gut den Knöchel wegreißen, wie ich ihr in den Rücken treten könnte.

Meine Güte, wie unwirklich ist das alles.

Liz geht behutsam die Treppe hinunter, hält sich am Geländer fest, lässt sich vom Schein des Handys leiten wie von einem schwachen Irrlicht.

Unten angekommen, legt sie noch ein Scheit aufs Feuer, das

Ich bin allein mit einer Mörderin. Ich bin allein mit einer Mörderin. Vielleicht fühlt es sich wirklich an, wenn ich die Worte nur oft genug wiederhole?