Snoop-ID: ANON101
Hört: offline
Snoopscriber: 1
Wo. Ist. Sie.
Wo. Ist. Sie.
Diese Worte gehen mir nicht aus dem Kopf, während ich meine Schwünge fahre und verbissen Erins Spuren folge. Sie kann mir nicht weit voraus sein, und ihr Knöchel ist weitaus schlimmer verletzt als meine Schulter. Ich hätte sie längst einholen müssen. Habe ich aber nicht. Und das ist … nicht direkt besorgniserregend. Noch nicht. Aber es frustriert mich.
Die Frustration rührt auch daher, dass es so extrem schwierig ist, durch diese Rinne zu fahren. Selbst nachdem sich meine Augen an das Halbdunkel gewöhnt haben, sehe ich kaum mehr als Erins Spuren. Mir bleibt nichts anderes übrig, als ihnen möglichst zügig zu folgen. Und mir zu sagen, dass ich schaffen kann, was sie geschafft hat.
Vor mir liegt ein langer, gerader Abschnitt. Ich stoße mich mit den Stöcken ab und kauere mich nieder, um meinen Körper aerodynamischer zu machen. Ich spüre den Fahrtwind im Gesicht. Plötzlich pralle ich gegen einen kleinen Eisbuckel, der im Zwielicht nicht zu sehen war. Einen Moment lang spüre ich Luft unter meinen Skiern, dann komme ich mit Wucht wieder auf, mit dem ganzen Gewicht auf meinem verletzten Knie. Mir bleibt die Luft weg. Ich sollte langsamer fahren, mein Gleichgewicht wiederfinden, doch dann taucht wie aus dem Nichts ein Zweig auf und peitscht mir ins Gesicht, sodass ich aufschreie.
Ich gehe instinktiv in den Schneepflug und komme mit hämmerndem Herzen zum Stehen.
Das war knapp. Ohne die Brille könnte ich jetzt blind sein. Der Schnitt an meiner Wange hat sich wieder geöffnet und ich spüre, wie das Blut heiß zum Kinn hinunterrinnt.
Aber ich kann es mir nicht leisten, hier herumzustehen. Ich muss einfach vorsichtiger sein. Ich stoße mich wieder ab, spähe in die Dunkelheit. Ich muss sie einholen. Unbedingt.
Dann, nur hundert Meter weiter, höre ich es – das Zischen von Skiern auf Schnee. Jemand fährt vor mir in eine enge Kurve, wirbelt dabei mit den Hinterenden der Skier den Schnee auf.
Mein Puls beschleunigt sich, und ich lege noch einmal einen Zahn zu.