Snoop-ID: LITTLEMY

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Am Grund der Rinne ist es sehr dunkel. Die Felswände ragen so steil hoch, dass kein Mondlicht bis hierhin vordringt. Großgewachsene Kiefern lehnen sich über die Schlucht, ihre Kronen versperren die Sicht in den Himmel. Aber ich wage es nicht, langsamer zu werden.

Jetzt kommt der Teil der Strecke, den ich am besten kenne, das Dorf ist nicht mehr fern. Ich habe es fast geschafft. Hier kommt die langgestreckte Biegung, in der der Schwung einen an der Felswand hochträgt, zwischen zwei windschiefen Bäumchen hindurch. Ich schieße hinauf, kämpfe gegen den stechenden Schmerz in meinem Knöchel und mein heftig klopfendes Herz, das nicht weiß, wohin mit dem ganzen Adrenalin.

Ein Schwung nach rechts.

Und dann – o Gott.

Ich bin fast da, bevor es mir einfällt. Eine nackte Felswand, eine halsbrecherische Linkskurve, und das an einer so engen Stelle, dass man nur mit allergrößter Mühe bremsen kann.

Sie taucht schwarz aus der Dunkelheit auf, und ich werfe mich verzweifelt zur Seite, meine Skier wirbeln einen glitzernden, zischenden Nebel aus Schneekristallen empor. Ein Ski verfängt sich an einem Felsen, beinahe stürze ich. Mein Knöchel brennt vor Schmerz, aber ich kann meinen verzweifelten Bremsversuch unmöglich stoppen – wenn ich in diesem Tempo

Ich wende, meine Skier stehen im schrägen Aufwärtswinkel zum Hang – und die Biegung liegt hinter mir. Dann aber pralle ich gegen eine Baumwurzel, mein Bein knickt weg, und ich stürze in einem Wirbel aus Skiern und Schnee zu Boden.

Ich muss aufstehen. Liz ist schon ganz in der Nähe. Ich höre ihre Skier zischen, das Geräusch wird lauter, verstärkt durch die Wände der Schlucht. Ich muss aufstehen. Doch ich kann mich nicht hochstemmen, mein Knöchel trägt mich einfach nicht mehr. Meine Knie werden weich. Ich mühe mich verzweifelt ab, schluchze, kümmere mich nicht mehr um die Laute, die ich von mir gebe, und breche schließlich weinend und fluchend im Schnee zusammen.

Sie kommt näher, und sie kommt schnell. Gleich ist sie hier.