Snoop-ID: LITTLEMY
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Als ich dort ankomme, ist es ganz still.
Liz liegt am Fuß der Felswand auf der Seite, ein zerknautschtes Häufchen in Rot, Weiß und Blau. Blau ist ihr Overall, weiß ist der Schnee, und rot … das Rot ist einfach überall.
Die Blutung ist zum Stillstand gekommen, muss aber sehr heftig gewesen sein. Während ich die wenigen Meter zu ihr hingekrochen bin, ist Liz gestorben. Zwischen ihren Lippen dringt kein Atem mehr hervor. Als ich die Finger an ihren Hals lege, ist die Haut warm und glitschig vom Blut, aber ich spüre keinen Puls, nicht einmal ein schwaches Flackern.
Einen Moment lang will ich das Unmögliche versuchen: Herzdruckmassage, Mund-zu-Mund-Beatmung … Aber als ich sie behutsam auf den Rücken drehe, zucke ich zurück, und das Grauen schnürt mir die Kehle zu. Die linke Seite ihres Schädels ist eingedrückt wie eine Eierschale, der Schnee mit Gehirnmasse bespritzt.
Eine Welle aus Schwäche, Ekel und Übelkeit schlägt über mir zusammen. Ich kauere mich auf den Boden und wiege mich hin und her, umschlinge meine Knie, ein gellendes Geräusch in den Ohren, das mein eigenes Schluchzen sein muss, sich aber völlig fremd anhört.
Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen ist. Ich weiß nur, dass mich zwei Dinge aus diesem Zustand reißen.
Erstens, die Sonne geht auf. Die Schlucht ist zu tief, als dass die Strahlen bis hier unten vordringen könnten, aber am Himmel zeigen sich erste blassrosa Streifen.
Und zweitens … zweitens höre ich ein Summen.
Einen Moment lang kann ich es nicht einordnen. Es klingt wie ein Handy, aber ich habe keines dabei – meines liegt hoch oben in den Bergen, im Chalet Perce-Neige, mit einem Akku, der so kalt und tot ist wie die Menschen, die Liz getötet hat.
Das Summen verstummt und setzt erneut ein – und diesmal begreife ich. Es kommt aus Liz’ Hosentasche.
Ihr Overall ist blutdurchtränkt, aber ich weiß, dass ich das jetzt tun muss. Ich strecke einen Arm aus, er ist steif vor Kälte, und berühre ihre Hüfte. Ich öffne den Reißverschluss mit tauben, ungeschickten Fingern, und dann schlittert etwas in den Schnee, leuchtend wie ein Juwel. Das Geräusch treibt mir die Tränen in die Augen.
Es ist Elliots Handy.
Es klingelt.
Und der Anrufer ist Danny.