Snoop-ID: LITTLEMY
Hört: The Verve/Bitter Sweet Symphony
Snooper: 43
Snoopscriber: 164
Als ich nach dem Abendessen ungelenk die steile Treppe zu meinem Zimmer hinaufsteige, ist die Angelegenheit immer noch nicht geklärt. Die anderen diskutieren aufgebracht weiter und drehen sich dabei im Kreis. Ich bin erleichtert, als ich meine Earbuds in den Ohren habe, mit hochgelagertem Knöchel auf dem Bett liege und mich nur noch auf die Musik in meinem Kopf konzentriere.
Als ich ein Geräusch höre, ziehe ich einen Stöpsel heraus. Da ist es wieder, ein rasches Klopfen an der Tür.
Seufzend schwinge ich die Beine vom Bett und humpele hin.
Es ist Danny. Er hält eine Krücke in der Hand.
»Die hast du vergessen.«
»Ach ja.« Ich schlage mir mit der Hand an die Stirn. »Ich bin auch zu blöd, danke.« Er reicht sie mir, und wir schweigen verlegen. »Möchtest du reinkommen?« Ich deute auf mein bescheidenes Zimmer. »Es ist nicht gerade das Ritz, aber ich kann es nicht ertragen, mit den anderen da unten zu sitzen.«
Zu meiner Überraschung schüttelt Danny den Kopf.
»Nein. Ich … na ja, ich gehe noch aus. Auf einen Drink.«
»Mit wem denn?«, frage ich überrascht. Und bin noch mehr überrascht, als Danny rot wird.
»Mit Eric. Dem Sohn der Hotelbesitzerin. Ihm gehört das Petit Coin, die Kneipe an der nächsten Ecke. Du weißt schon, die mit der Messingtheke. Er hat gefragt … ob ich nach dem Abendessen auf einen Drink vorbeikomme.«
»Danny!« Ich kann mein Grinsen nicht verbergen. »Das ist super. Steht er …?«
Danny zieht eine Augenbraue hoch, dehnt das Schweigen in die Länge, bis ich rot werde, und erlöst mich dann.
»Falls du wissen willst, ob er auf Piña Colada steht – wie man so hört, ja.«
»Ha. Schön. Ab mit dir.«
»Sicher? Ich meine, du könntest mitkommen.«
Doch ich schüttele lachend den Kopf. »Nein, danke. Keine Piña Colada für mich, ich gehe heute Abend früh ins Bett.«
»Okay. Guter Plan.« Er stockt, macht aber keine Anstalten zu gehen. Er steht einfach nur da, schaut stirnrunzelnd auf den Boden und zeichnet mit der Fußspitze ein Muster in den grellbunten Teppich. »Das war ganz schön abgefahren eben, was?«
»Die Sache mit dem Video? Ja. Was, glaubst du, machen die jetzt?«
»Frag mich was Leichteres. Ich habe überlegt, ob wir beide zur Polizei gehen sollen, aber es hat wohl wenig Sinn.«
Daran hatte ich auch schon gedacht, weiß aber ebenso wenig wie Danny, was das bringen soll, und zucke schließlich nur mit den Schultern.
Danny wendet sich zum Gehen. Ich will gerade die Tür schließen, als er sich noch einmal umdreht. Er beugt sich vor, als wollte er mir etwas ins Ohr flüstern, doch stattdessen und zu meiner großen Überraschung küsst er mich ganz reizend. Ich spüre seine vollen Lippen weich an meinem Wangenknochen.
»Ich hab dich lieb, Schätzchen«, sagt er.
Ich lege die Arme um ihn und drücke ihn fest. »Ich dich auch, Danny. Und jetzt ab mit dir. Deine Piña Colada wartet.«