Snoop-ID: LITTLEMY

Hört: Carole King/Tapestry

Snooper: 28

Snoopscriber: 345

Drei Wochen später sitze ich im Chalet am Kaminfeuer, schaue aus dem Panoramafenster, höre Musik und denke an nichts Besonderes.

Ich habe mich noch nicht daran gewöhnt, im Chalet zu sein, ohne zu arbeiten. Danny und ich sind immer noch hier angestellt, aber ich weiß nicht, wie lange noch. Nachdem das Chalet Perce-Neige offiziell zum Tatort erklärt worden war und das Foto in einem halben Dutzend Ländern durch die Gazetten gegeistert ist, stand eines fest: Selbst nachdem die durch die Lawine entstandenen Lawinenschäden repariert waren, würde man das Chalet zumindest in dieser Saison nicht mehr vermieten können.

Die anderen Buchungen für dieses Jahr wurden storniert oder eilig auf andere Ferienhäuser des Unternehmens übertragen, und jetzt warten Danny und ich einfach ab, was als Nächstes passiert. Wir laufen durch die leeren Räume, schauen zu der Stelle, an der Ani zuletzt gesessen hat, sehen Elliots Geist, der sich Suppe in den Mund löffelt, hören Evas Absätze auf dem Parkett und Liz’ Zimmertür zuschlagen.

Ich kann nicht hierbleiben. Das weiß ich jetzt. Aber ich kann auch nicht länger weglaufen.

Bei den Düften, die aus der Küche zu mir ziehen, fängt mein

Ich will gerade die App aufrufen, als ich sehe, dass ich eine neue Mail habe. Von Kate. Der Betreff lautet: »Unangenehme Neuigkeiten«. Mir wird flau.

»Danny!«, rufe ich über das Klappern der Töpfe und Pfannen hinweg. Er antwortet nicht, und ich will schon aufstehen und zu ihm in die Küche gehen, als er mit dem Handy in der Tür auftaucht.

»Hast du die Mail auch bekommen?«

Ich nicke. »Ja, aber noch nicht gelesen. Worum geht es?«

»Mach auf und lies selbst.«

Mir ist unwohl, als ich die E-Mail öffne und den Inhalt überfliege. Schwierige Entscheidung … Wiedereröffnung nicht durchführbar … Eventueller Verkauf … Lohnfortzahlung … Großzügige Abfindung … Vier Wochen Kündigungsfrist.

»Sie schließen das Chalet.«

Danny nickt ernst. »Yep. So sieht’s aus. Wirklich überrascht bin ich nicht, welcher Trottel würde schon Urlaub machen, wo vier Gäste umgebracht wurden? Das ist nicht gerade Home Sweet Home, selbst ohne den demolierten Swimmingpool. Was wirst du jetzt machen?«

»Was ich mache?« Ich starre ihn an. Eigentlich blöd, denn ich hatte drei Wochen Zeit, um mir etwas zu überlegen, habe aber bisher keine Lösung gefunden. Würde ich überhaupt noch hier arbeiten wollen? Diese Überlegung kann ich mir jetzt sparen.

»Keine Ahnung«, sage ich schließlich. »Und du?«

»Wir könnten klagen«, sagt Danny beiläufig. »Ich meine, die

»Ich will nicht klagen«, sage ich reflexartig und ohne lange zu überlegen, doch sowie ich die Worte ausgesprochen habe, spüre ich, dass es stimmt. Ich will das wirklich nicht. Es war schwer genug, das alles durchzumachen. Ich würde es nicht ertragen, das Ganze wieder aufzuwühlen, wenn es zu einem Prozess kommt, geschweige denn Topher, Tiger, Rik und alle anderen zu zwingen, vor Gericht auszusagen.

»Ich eigentlich auch nicht«, sagt Danny und schaut seufzend aufs Display. »Das Geld könnte ich allerdings gut gebrauchen. Na ja, wie meine alte Ma zu sagen pflegt, wenn das Wörtchen wenn nicht wär, und so weiter.« Er seufzt erneut. »Soll ich das Essen servieren? Kürbissuppe mit Haselnuss-Gremolata und gegrilltem Fougasse.«

»Klingt köstlich«, sage ich und versuche ein Lächeln. »Ich kann’s gar nicht erwarten.«