Ich bin in meinem Zimmer und packe, als die E-Mail eintrifft. Ich nehme an, sie ist von Kate, die letzte Einzelheiten zu unserer Abfindung durchgeben will, oder der Personalabteilung, die noch irgendwelche Unterschriften von mir haben will. Aber der E-Mail-Absender sagt mir nichts.

Der Betreff lautet »Entschuldigung«.

Ich öffne die Mail und scrolle nach unten, um zu sehen, von wem sie ist. Topher! Was zum Teufel will er von mir?

Ich runzele die Stirn und fange an zu lesen.

Liebe Erin,

inzwischen dürftest du wohl erfahren haben, dass es Snoop nicht mehr gibt. Diese beschissenen Heuschrecken. Solange du angesagt bist, können sie dir die Zunge nicht tief genug in den Hals stecken – aber wenn du sie wirklich brauchst, tun sie so, als hättest du Herpes.

Wäre Eva hier, würde sie sagen: Ich hab’s doch gewusst, aber sie ist nicht hier – darum kann ich ihr nicht mal diese kleine Genugtuung gönnen.

Ich habe mir deine Mail-Adresse aus der User-Datenbank gezogen, bevor man uns ausgesperrt hat. Ich weiß. Keine Vorwürfe, bitte. Ich wollte … Scheiße, ist das schwer … mich entschuldigen oder irgend so einen Schwachsinn. Es tut mir leid, was dir alles passiert ist, vor allem aber tut es mir leid, dass ich so ein beschissenes Arschloch war, was Alex und Will betrifft. Ich denke oft an den Nachmittag im Chalet, als mir klar wurde, wer du bist, und – ich weiß, ich kann die

Ich bin nicht sehr gut im Entschuldigen. Ich habe wenig Erfahrung damit, um ehrlich zu sein, also sage ich es einfach so. Entschuldigung. Alex und Will waren tolle Jungs. Sie haben nicht verdient, was mit ihnen passiert ist, und auch du hast es nicht verdient. Es tut mir wahnsinnig leid, was ich angedeutet habe – ich weiß nicht, wie viel du mitbekommen hast, du warst gerade nicht im Zimmer, aber ich habe im Eifer des Gefechts ein paar ziemlich üble Sachen gesagt, auf die ich nicht stolz bin.

Denn die Sache ist die – jetzt, da sich die Wogen geglättet haben und ich mit einigen Dingen abschließen konnte, kapiere ich es. Ich kapiere, was es bedeutet, Menschen zu verlieren. Eva – Elliot – sie waren nicht meine Familie, kamen dem aber sehr nah. Elliot und ich waren zusammen im Internat, und Eva – keine Ahnung. Es ist schwer zu erklären. Selbst nachdem wir uns getrennt hatten, ist unsere Verbindung nie wirklich abgerissen.

Wie gesagt, ich kapiere es jetzt. Warum du es uns nicht erzählt hast. Warum du nicht weggehen konntest.

Ich denke die ganze Zeit an sie. An Elliot, der in einer französischen Leichenhalle obduziert wurde. An Eva, die immer noch dort oben in den Bergen liegt, erstarrt in einem eisigen Dornröschenschlaf. Und auch an Ani. Ach, Scheiße.

Jedenfalls – das wär’s. Ich will es nur noch ein letztes Mal sagen.

Es tut mir leid.

 

Topher

x

 

 

Als ich vom Monitor aufblicke, stelle ich überrascht fest, dass meine Wangen nass sind. Und obwohl ich nicht weiß, wie ich darauf reagieren soll, drücke ich auf Antworten und sitze lange da, die Finger knapp über den Tasten. Und dann tippe ich. Nur sechs Worte. Und hoffe wirklich, wirklich sehr, dass sie wahr sind.

 

Lieber Topher, irgendwann wird es besser.