7 Die Halbinsel Zudar

STILLER GEHEIMTIPP

Die 18 Quadratkilometer große Halbinsel Zudar ist durch die Autofähre das südliche Tor zur Insel Rügen. Ein ursprünglicher Landstrich, wo nur noch wenige Menschen leben. Der Palmer Ort ist der südlichste Zipfel von Rügen, im Norden grenzt die Halbinsel an das Naturschutzgebiet Schoritzer Wiek.

Wer gern Selbstversorger ist und die Stille liebt, der ist hier richtig. Die Halbinsel Zudar war traditionell ein Ort, wo Land- und Viehwirtschaft betrieben wurde. Geblieben sind einige Gutshäuser, Bauernkaten und Scheunen, die aber inzwischen fast durchweg zu Ferienwohnungen und -häusern ausgebaut wurden. Rund 200 Ferienhäuser gibt es derzeit auf Zudar, aber keine Geschäfte mehr, weder einen Konsum noch einen Bäcker. Die nächste Einkaufsmöglichkeit ist in Garz, lediglich ein mobiler Backshop dreht im Sommer noch seine Runden.

Strand in Glewitz

Wer hier Ferien macht, hat sich das bewusst ausgesucht. Er bezieht eines dieser kleinen, reetgedeckten Häuschen, innen modern mit Geschirrspüler und Espressomaschine, außen mit getrimmtem Rasen. Die Frühstücksbuffetfraktion hat hier nichts verloren, kommt aber trotzdem in Glewitz an und fährt schnurstracks weiter. Jedoch ein Stopp lohnt! Immerhin geht es durch eine traumhafte alte Lindenallee über Losentitz nach Zudar, dem Hauptort der Halbinsel. Hier steht die Wallfahrtskirche St. Laurentius, welche bereits 1318 das erste Mal erwähnt wurde. Zahlreiche Pilger kamen von weit her, um einem Marienbild zu huldigen. Wer zweimal im Jahr nach Zudar pilgerte, sollte von seinen Sünden rein gewaschen werden. Aber im Jahr 1372 ergab es sich, dass ein Schiff mit 90 Pilgern am Palmer Ort kenterte und versank. Von da an schwand auch der Heiligenschein dieser Kirche, das Marienbild gibt es auch nicht mehr, dafür aber eine schöne Orgel aus dem Jahre 1884.

Eigentlich war Zudar, 1166 das erste Mal erwähnt, ein Anglerdorf dicht an der Schoritzer Wiek. Die malerischen Lagune geht vom Rügensche Bodden ab. In der Mitte liegt die Vogelinsel Tollow, wo lange eine Kormorankolonie lebte. Durch ihre Hinterlassenschaften haben sie aber ihre eigene Lebensgrundlage zerstört, alle Nistbäume starben ab. Die Fischer kann das nur freuen. Sie sind nun die Einzigen, die sich mit den Seeadlern den Fischbestand an der Schoritzer Wiek teilen. Das ausgewiesene Naturschutzgebiet dürfen keine anderen Boote befahren. Zum Areal zählen auch Salzwiesen mit Strandflieder und -beifuß, ideal für Bodenbrüter. Wer die zahlreichen Zug- und Wasservögel beobachten will, findet kurz hinter dem Gut Zicker auf der linken Seite einen Vogelbeobachtungsturm.

Auf dieser Straße geht es weiter zum Naturcamping Rügen-Pritzwald. Unter Kiefern, direkt am Bodden, liegt diese schöne Oase mit einem 700 Meter langen Naturstrand, wegen des flachen Ufers ideal für Kleinkinder. Der sieben Hektar große Platz hat sich noch etwas von der positiven DDR-Nostalgie bewahrt, die hier vor allem drei Buchstaben hat: FKK. Es geht unaufgeregt, ruhig, aber gesittet zu. Der kleine Kiosk auf dem Campingplatz ist für Ausflügler auf Zudar die einzige Möglichkeit zur Stärkung.

Ein ungefähr sechs Kilometer langer, urwüchsiger Küstenstreifen führt vom Campingplatz bis zum Palmer Ort, dem südlichsten Zipfel von Rügen. Hier drückt der Wind vom Bodden zum Teil kräftig herein, in kalten Wintern türmen sich die Eisschollen. Kein Wunder, dass man zahlreiche Steine, Hühnergötter (Steine mit Löchern) oder sogar Donnerkeile findet. Das Gelbe Ufer, ungefähr in der Mitte zwischen Campingplatz und Palmer Ort ist eine Hochuferzone, wo Schwalben ihre Höhlen bauen – ein unglaublich schönes Fleckchen Erde, weit weg von der Zivilisation. Oben, auf dem Hochufer, gibt es einen weiten Blick über den Bodden, bei gutem Wetter sogar bis Swinemünde. Wer nicht den ganzen Weg am Strand zurücklegen will, fährt mit dem Auto nach Grabow, dort geht es gleich an den Badestrand. Ab dort sind es ungefähr noch 1,5 Kilometer bis an die direkte Südspitze. Es ist gleichzeitig die Einfahrt zum Strelasund und man kann dort einige interessante Schiffe beobachten. Vom Palmer Ort geht es weiter am Strand entlang. Schöner kann man kaum baden, schneeweißer Sand, Ruhe, nur noch Wellenrauschen und Lerchengezwitscher. Nicht mehr weit ist es bis zum zwölf Meter hohen Leuchtturm von Maltzien, ein hübsches Fotomotiv. Danach heißt es Abschied nehmen von Zudar. Von Maltzien geht es wieder nach Losentitz an die L30. Traumhaft schön ist die Halbinsel auch im Frühjahr, wenn der Raps blüht, dazu das Blau des Meeres.

Leuchtturm Maltzien

Info

Lage: Die Halbinsel Zudar liegt im Süden von Rügen. Von Stahlbrode auf dem Festland gibt es eine Fährverbindung nach Glewitz.

Einkehr:

Il Rustico: kleine Karte, aber leckere Gerichte; Losentitz 14, 18574 Garz, Tel. 0175 8744025

Unterkünfte:

Landhaus Maltzien: liebevoll saniertes Bauerngehöft mit fünf Ferienwohnungen bei Ellen & Frank Heltzel-Jurisch; Maltzien 29, 18574 Garz, Tel. 0179 5029895, landhaus-ferienwohnungen-ruegen.de

Hotel Gutshaus Kajahn: familiengeführtes, einfaches Hotel im denkmalgeschützen Gutshaus, Reiturlaub, Wildprodukte, naturnahe Erholung, Radverleih; Prosnitz 1, 18574 Gustow, Tel. 038307 40150, hotel-gutshaus-kajahn.de

Naturcamping Rügen: schöner Naturcampingplatz auf der Halbinsel Zudar, direkt am Bodden, kleiner Imbiss; Zicker 19, 18574 Garz, www.naturcamping-ruegen-pritzwald.de

Websites:

ruegen.de

stadt-garz-ruegen.de