DIE KRONE RÜGENS
Es ist das meistbesuchte Schloss Mecklenburg-Vorpommerns, das Jagdschloss Granitz. Mehr als 250.000 Besucher kommen jährlich, um das beeindruckende Zeugnis der Jagdleidenschaft des Fürsten Malte I. zu Putbus zu bestaunen.
Wer hier hinaufsteigt, braucht ordentlich Puste. Steil schlängelt sich der Weg zum Jagdschloss Granitz empor, auf den 107 Meter hohen Tempelberg, einer der drei höchsten Berge Rügens. Der Name entstand im 18. Jahrhundert, als hier noch ein kleines sechseckiges Belvedere, ein Tempelchen, stand. Knapp ein Jahrhundert später war die Granitz das bevorzugte Jagdgebiet des Grafen Wilhelm Malte I., Fürst zu Putbus.
Schloss Granitz
Man kann „Seiner Durchlaucht“ nicht gerade Bescheidenheit zuschreiben, und so tat es auch nicht Wunder, dass einem fürstlichen Jagdgebiet ein fürstliches Jagdschloss folgte. Bereits 1726 hatte der erste Graf zu Putbus, Moritz Ulrich I., auf einer Lichtung unterhalb des Tempelbergs ein kleines Jagdhaus mit Pavillon errichten lassen. Heute steht dort das Granitzhaus mit einer Ausstellung des Biosphärenreservats Südost-Rügen. Auf dem Berg gab es damals nur ein schlichtes, zweistöckiges Fachwerkhaus. 1810 sollte das Gebäude einem Aussichtsturm weichen, der aber nie gebaut wurde. Der Fürst beauftragte den Berliner Architekten und Baumeister Johann Gottfried Steinmeyer (1780 bis 1851) mit einem Bau im Stil eines norditalienischen Renaissance-Kastells. Das Gebäude sollte zunächst, ähnlich einer Ritterburg, vier Türme haben. Doch später kam noch der 38 Meter hohe Mittelturm dazu, den kein Geringerer als Karl Friedrich Schinkel (1780 bis 1851) entwarf. Die Turmspitze hatte die Form einer Krone und war weithin zu sehen. Obwohl die Bäume der Granitz inzwischen erheblich gewachsen sind, sieht man die Krone Rügens schon aus der Ferne. Schinkel und Steinmeyer waren übrigens enge Freunde, beide studierten an der Berliner Bauakademie und reisten zwei Jahre zusammen durch Italien. Während Schinkel nicht nur das Wohnhaus der Familie Steinmeyer in Berlin entwarf und später eine Vielzahl von Bauwerken im gesamten Königreich Preußen, blieb Steinmeyer eher regional auf Rügen tätig. Er war verantwortlich für das Badehaus Goor in Lauterbach sowie für das Theater, die Orangerie und den Marstall in Putbus.
Heute ist das Jagdschloss für jeden zugänglich. Zu sehen sind Trophäen und Jagdwaffen, eine neue Dauerausstellung mit Gemälden und Möbeln des 19. Jahrhunderts sowie aktuelle Wechselausstellungen. Der Höhepunkt ist die Besteigung des Mittelturms. Dazu sollte man allerdings absolut schwindelfrei sein. Die gusseiserne Wendeltreppe im Turm hat 154 Stufen und wurde 1845 von der Berliner Eisengießerei Franz Anton Egells angefertigt. Zwölf Podeste sind an der Innenwand befestigt und geben der sonst selbsttragenden Treppe einen Halt. Die Stufen sind mit fantasievollen Ornamenten durchbrochen, was natürlich auch den Blick nach unten freigibt. Die Wendeltreppe ist eine seltene handwerkliche Kostbarkeit. Hat man es erst einmal bis nach oben geschafft, dann wird man fürstlich belohnt mit einem herrlichen Ausblick. Im Sommer finden in der Granitz die beliebten Mondscheinwanderungen statt, außerdem gibt es Schlossführungen und auch Konzerte der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern.
Die Wendeltreppe im Schlossturm
Das Jagdschloss erreicht man am besten bei einer entspannten Wanderung durch die Granitz von Binz (ab Seebrücke rund 3,2 Kilometer) oder bei einer Tour von Sellin (ab Seebrücke rund sechs Kilometer).
Info
Lage: Das Jagdschloss Granitz liegt 2,5 Kilometer nördlich von Lancken-Granitz; Jagdschloss Granitz 1, 18609 Binz, Tel. 038558 841522, jagdschlossgranitz.de
Aktivitäten:
•Mondscheinwanderung ab Kurverwaltung Binz zum Jagdschloss: Tel. 038393 148148, binzer-bucht.de
Einkehr:
•Wirtshaus Alte Brennerei: uriger Gewölbekeller im Jagdschloss, im Sommer große Sonnenterrasse und Biergarten. Regionale Lieblingsgerichte mit Fisch, Wild oder vegetarisch, hausgebackene Kuchen; Jagdschloss Granitz 1, 18609 Binz, Tel. 038393 32872, wirtshaus-jagdschloss.de
Hinweis:
•Das Jagdschloss Granitz ist nicht direkt mit dem Auto anzufahren. Für gehbehinderte Menschen oder Familien mit Kleinkindern gibt es den Jagdschlossexpress oder einen Shuttlebus; ruegen-bahnen.de/jagdschloss-express