29 Großsteingräber bei Lancken-Granitz

ZEUGEN DER GESCHICHTE

Wie an einer Perlenschnur liegen hinter Lancken-Granitz gleich sieben Großsteingräber hintereinander, Begräbnisplätze eines uralten Totenkults. Ursprünglich waren es sogar 19 Hünengräber und natürlich ranken sich darum jede Menge Geschichten.

Nirgendwo gibt es eine derartige Konzentration von megalithischen Grabanlagen wie in Lancken-Granitz, es sind sogar die ältesten von ganz Europa. Die frühesten Großsteingräber entstanden schon in der Jungsteinzeit, 3500 v. Chr., manche wurden bis in die ältere Bronzezeit (1100 v. Chr.) genutzt.

Wer die Anlagen besucht sollte auch einen Blick auf die durchaus malerische Umgebung werfen. Idealerweise steigt man am Bahnhof Garftitz in Blieschow aus und macht schon mal einen Spaziergang durch die wunderschöne Rosskastanienallee. Dann geht es über die B196 in die Dorfstraße von Lancken-Granitz. Im Ort gibt es einige sehr schöne, alte und reetgedeckte Bauernhäuser. In der Dorfmitte steht die St.-Andreas-Kirche aus dem frühen 15. Jahrhundert, aus Back- und Feldsteinen erbaut. Im Innern sind seltene Wandmalereien aus der Entstehungszeit der Kirche und drei interessante Kabinettscheiben aus dem 17. Jahrhundert zu bewundern, die Orgel stammt von 1865.

Lancken-Granitz

Wenn man der Dorfstraße weiter folgt, stößt man bald auf die Bäckertrift. Ungefähr nach 500 Metern führt ein kleiner Trampelpfad, der Fünffingerweg, zu den Hünengräbern. Die Stelle ist gut ausgeschildert und schon mit ein paar Wegsteinen markiert. Hintereinander liegen hier die vier Großsteingräber von Lancken-Granitz, etwas weiter nochmals drei Gräber, die sogenannten Ziegensteine. Zunächst geht es etwas bergan auf einen Hügel. Die ersten Begräbnisplätze sind in ostwestlicher Richtung angelegt. Das größte Grab ist 30 Meter lang, von den ursprünglich 25 Steinen sind noch 14 erhalten. Die Hünengräber sind wie ein riesiges Bett gebaut, unten und an der Seite sind Steine und oben auch ein Steindach. Mehrere Generationen wurden dort bestattet mit reichlich Grabbeigaben. Je höher das Grab lag, desto wichtiger war die Person. Oft wurden auch besonders schöne Aussichtspunkte gewählt. Vielleicht, weil der Verstorbene dann immer noch den Überblick behielt, vielleicht auch, damit die anderen ihn nie vergaßen.

Großsteingrab

Wie haben die Menschen der Jungsteinzeit nur diese großen Steingräber gebaut? Noch Jahrhunderte später dachte man, es sei das Werk von Riesen oder Trollen. Darum nannte man sie auch Hünengräber. Wie kamen diese riesigen Steine auf die Felder? Tatsächlich waren viele von ihnen schon da, mitgeschleift durch gigantische Eismassen in mehreren Eiszeiten. Rügen ist die steinreichste Gegend von ganz Norddeutschland. Die meisten dieser Findlinge stammen eigentlich von Bornholm oder Südschweden. Die Felder waren damals nicht so steinfrei wie heute. Nach der Christianisierung hat man einige Findlinge zum Kirchenbau genutzt, und auch Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Findlinge zu natürlichen Steinbrüchen. Viele Grabanlagen wurden später durch die Landwirtschaft zerstört.

1969 wurden die ersten genaueren Grabungen von Prof. Dr. Ewald Schuldt in Lancken-Granitz durchgeführt, dabei fand sein Team noch erstaunlich viele Grabbeigaben wie Bernsteinperlen, Steinwerkzeuge, Pfeilspitzen und sogar Urnen.

Bei den Ziegensteinen findet man an einer Grablage zwei hohe Wächtersteine, einer hat eine kreuzförmige Rille, was aber kein christliches Symbol darstellt, vielmehr wurde dieser Stein schon zur Zerteilung vorbereitet. Diese und weitere Details erfährt man erst bei einer Führung, denn hier gibt es keine Hinweistafeln. Der ehrenamtliche Bodendenkmalpflege- und Naturschutzwart René Geyer ist in Lancken-Granitz zu Hause und bietet spannende Entdeckertouren an. Ein Tipp noch für Radfahrer: Landschaftlich sehr reizvoll ist die Weiterfahrt Richtung Groß Stresow.

Wanderweg an den Großsteingräbern

Info

Lage: Lancken-Granitz liegt etwa 18 Kilometer südöstlich von Bergen.

Aktivitäten:

Führungen zu Hügel- und Großsteingräbern mit René Geyer: Tel. 0173 9898031, naturgeyer.de

Einkehr:

Imbiss am Jagdschloss: Biergarten, Blieschow 9, 18586 Lancken-Granitz

Gaststätte Granitzgrund: gemütliche Gastwirtschaft, klassische, regionale Küche, schöne Eisbecher; Dorfstraße 2A, 18586 Lancken-Granitz, Tel. 038303 87600, gaststatte-pension-granitzgrund.business.site