WEIßE VILLEN AM STRAND
Binz ist das größte Ostseebad auf Rügen. Nirgendwo gibt es mehr historische Prachtvillen, aber auch unzählige Restaurants, Cafés und Geschäfte.
Das Ostseebad Binz ist die heimliche Hauptstadt der Insel mit einem sechs Kilometer langen Sandstrand, der Promenade und der 370 Meter langen Seebrücke. In Binz flaniert man, in Binz kauft man ein und in Binz geht man fein essen. Doch das Wichtigste sind die Villen.
Kaum ein Seebad in Deutschland hat einen so gut erhaltenen, historischen Ortskern. Die Bäderarchitektur des 19. und 20. Jahrhunderts ist nirgendwo besser zu erklären: ein Mix aus Gründerzeit, Moderne und Jugendstil. Die meisten Villen sind schneeweiß, haben Verzierungen wie Türmchen oder Skulpturen auf den Dächern, holzverkleidete Balkone und Erker mit Schnitzereien. Dabei ist jedes Haus anders, sodass man immer wieder neue Facetten entdeckt. Am nördlichen Ende der Strandpromenade steht die Villa Salve (Nr. 41). Die Gräfin Kreis ließ sie 1899 als Logierhaus ersten Ranges bauen. In dem wunderschönen Restaurant mit Terrasse sitzt man noch heute in der ersten Reihe. Uwe Seeler, Henry Maske oder das norwegische Kronprinzenpaar Haakon und Mette-Marit speisten schon hier. Auch die Innenausstattung des Hotels ist überaus prächtig, mit Baldachin-Decken und Jugendstilmalerei.
An der Strandpromenade Nr. 39 findet man die Villa Elfeld mit einem Türmchen aus dem Jahre 1906, nicht weit davon an der Strandpromenade Nr. 31 glänzt die Villa Ruscha. Das hellblaue Holzhaus wurde 1896 im Schweizer Chaletstil errichtet und ist heute ein Appartementhaus. Die Villa Undine in der Nr. 30, 1893 erbaut, ist die älteste Villa in Binz. Neben der Villa Lilliput (Schillerstraße 14) und der Villa Erika in Göhren, ist es eines von drei Wolgasthäusern auf Rügen, den ersten Fertigteilhäusern der Welt. Baumeister war der Schiffbauer Heinrich Kraeft aus Wolgast. Ein wahres Prachtstück ist das mächtige Kurhaus aus dem Jahr 1908 mit zwei großen Türmen, heute Travel Charme Hotel. Das Kurhaus war eines der vielen Hotels, deren Besitzer 1953 im Rahmen der Aktion Rose enteignet wurden. Bereits während der Nazizeit wechselten viele Villen aus jüdischem Besitz durch Zwangsverkauf oder Enteignung die Besitzer, so auch beim Kurhaus. Ab 1950 wurde das Ostseebad Haupterholungsort der „Wismut“, einer sowjetisch-deutschen Aktiengesellschaft, die in der DDR Uran abbaute. Nach der Wende folgte die Reprivatisierung.
Gleich neben dem Kurhaus ist das Zentrum von Binz, das Rondell mit der Uhr, wo im Sommer Straßenmusikanten aufspielen und die kleine Bimmelbahn hält. Nördlich geht es zur Seebrücke, wo die Dampfer ablegen, südlich folgt die Hauptstraße mit schönen Geschäften. So manche interessante Villa gibt es aber auch abseits der Promenade, so in der Marienstraße 3 die Villa Osada und in der Nr. 5 die Villa Glückauf. Ein bekanntes Fotomotiv ist die Villa Meeresgruß in der Margaretenstraße 19 aus dem Jahr 1902, heute Hotel Garni. Hier beginnt auch die Kunstmeile von Binz. Jedes dieser Häuser hat eine einzigartige Geschichte, die man bei einem geführten Villen-Rundgang erfahren kann.
Brautpaare lieben den Mütherbau
Ein Kuriosum in Binz ist das „UFO auf den Dünen“. 1981 hat sich hier der Binzer Architekt Ulrich Müther mit einem Rettungsturm d er besonderen Art verewigt, einer futuristischen Hyparschalenkonstruktion mit riesigen Fenstern. Das Objekt steht am Strandaufgang Nr. 6 und ist inzwischen das beliebteste Standesamt von Mecklenburg-Vorpommern. Müther ist der berühmteste Sohn der Stadt, er hat mehr als 75 Schalenbauwerke hinterlassen, darunter den Teepott in Rostock und die Zeiss-Großplanetarien in Wolfsburg und Berlin. Geht man die Promenade weiter Richtung Süden, findet man schon bald das bekannte Restaurant Strandhalle, gefolgt vom romantischen Fischerstrand mit der Traditionsräucherei der Familie Kuse, die hier seit fünf Generationen den Beruf des Strandfischers ausübt.
Villa Undine
Jedes Jahr Anfang Mai feiert Binz traditionell die Woche der Bäderarchitektur, mit vielen Ortsrundgängen in historischen Kostümen und besonderen Events.
Info
Lage: Binz liegt an der Ostküste Rügens, etwa 15 Kilometer östlich von Bergen.
Aktivitäten:
•Schiffstouren: Abfahrt ab Seebrücke Binz an die Kreideküste, nach Göhren, Sellin oder rund um Rügen, Tickets im Haus des Gastes oder direkt auf dem Schiff; Tel. 038392 3150, adler-schiffe.de
•Besucherzentrum Haus des Gastes: Zimmervermittlung, Information, Ticketservice, E-Tankstelle, geführte Rad- und Wandertouren, Villen-Rundgang; Heinrich-Heine-Straße 7, 18609 Binz, Tel. 038393 148148, binzer-bucht.de
Einkehr:
•Strandhalle Binz: Hier kocht Toni Münsterteicher, frisch, regional, gut-bürgerlich, tolles Ambiente; Strandpromenade 5, 18609 Binz, Tel. 038393 31564, strandhalle-binz.de
•Freustil: Spitzenkoch Ralf Haug, ein Michelinstern, zaubert moderne, ideenreiche Gourmetkunst. Reservierung erforderlich! Zeppelinstraße 8, 18609 Binz, Tel. 038393 50444, freustil.de
•Fischräucherei Kuse: Familienbetrieb in fünfter Generation, Fischerstube mit Sonnenterrasse, fast alles an Fisch, was das Feinschmeckerherz begehrt; Strandpromenade 3a, 18609 Binz, Tel. 038393 2970, fischraeucherei-kuse.de
•Torteneck: farbenfrohes Café in der Flaniermeile, hohe Konditoreikunst mit Cupcakes, Törtchen, Pralinen, Eis; Hauptstraße 8, 18609 Binz, Tel. 038393 127966, torteneck.de