34 Feuersteinfelder bei Mukran

DAS STEINERNE MEER

Das Naturschutzgebiet Steinfelder in der Schmalen Heide ist etwas Einzigartiges in Europa. Auf gut 40 Hektar liegen abertausende Feuersteine zwischen der Prorer Wiek und dem Kleinen Jasmunder Bodden. Auf der Wanderung von Mukran nach Lietzow kommt man daran vorbei.

Die Feuersteinfelder auf Anhieb zu finden, ist nicht ganz leicht. Sie liegen westlich der stark befahrenen Bahntrasse Binz-Sassnitz, im Nordteil der Schmalen Heide. Bahnübergänge gibt es kaum. Darum beginnt die Wanderung an der Bushaltestelle Mukran-Hülsenkrug. Von hier geht es etwa 500 Meter südlich an der L29 entlang bis zum Parkplatz Feuersteinfelder. Wer einen Abstecher zum Strand Mukran macht, sieht dort schon zahlreiche Feuersteine. Nördlich zeichnet sich der große Containerhafen Neu Mukran ab, dahinter strahlend weiß die riesige Produktionshalle der Rügenfisch AG und am nördlichsten Zipfel das Leuchtfeuer von Sassnitz. Am Parkplatz Feuersteinfelder (mit Imbiss) ist der Einstieg ins Wandergebiet. Hier läuft man auf dem Bodden-Panoramaweg oder auf der alten Hanse-Route, dem Brigitta-Pilgerweg der Via Baltika. Wie man den Waldweg auch nennt, er führt Richtung Lietzow und eignet sich weniger für Radfahrer. Grund sind die oft sandigen Wege.

Zunächst führt ein schmaler Pfad durch einen schönen Erlenbruchwald, bis er breiter und sehr sandig wird. Es gibt ein paar geringe Steigungen bis zu einer Brücke über die Bahn, den einzigen Übergang weit und breit, die nächsten Querungen sind tatsächlich erst in Lietzow oder in Prora. Darum geht es nach dem Besuch der Feuersteinfelder, die jenseits der Bahn liegen, später genau hier weiter. Hinter den Bahngleisen führt links ein schmaler Weg zwischen Farnen leicht bergab, dann geht es rechts, südlich in den Wald hinein. Hier stehen zum Teil beachtlich dicke, verwachsene Kiefern; schon um 1840 wurden die ersten gepflanzt. Nach einer kurzen Geraden verlaufen die Wege jetzt kreuz und quer, nichts ist ausgeschildert. Viele kleine Pfade führen in Richtung Westen zu den Steinen. Man tut gut daran sich seinen für den Rückweg zu merken.

Zwischen Farnen leicht bergab

Feuersteinfelder

Die Feuersteinfelder sind ungefähr zwei Kilometer lang und insgesamt bis zu 200 Meter breit. Dazwischen wachsen Wacholder, Heidekraut oder Stechpalmen. Entstanden sind die Felder vor rund 3500 bis 4000 Jahren durch mehrere Sturmfluten, als die Steine aus den Kalkablagerungen herausgespült wurden. Kein Stein gleicht dem anderen, und mit ihnen kann man wirklich Feuer machen. Feuersteine bestehen aus besonders hartem Quarz, sie sind härter als Stahl, splittern aber auch leicht. Die Kanten sind dann messerscharf. Das wussten schon die Steinzeitmenschen, als sie daraus die ersten Äxte machten. Manche Feuersteine haben ein Loch in der Mitte: die Hühnergötter. Doch woher stammt eigentlich der Name und wie kommt das Loch in den Stein? Wahrscheinlich handelte es sich um Einschlüsse, die in Jahrtausenden heraus gespült wurden. Der Name wurde in den 1960er-Jahren populär. Ein Dichter berichtete von Krimtataren, die Lochsteine in ihre Hühnerställe hängten. Das Federvieh sollte so vor Krankheiten geschützt werden und mehr Eier legen. Heute ist der Hühnergott für viele Menschen ein Glücksbringer. Doch bringt er wirklich Glück? Selbstverständlich, denn wer daran glaubt, der hat es auch.

Westlich der Feuersteinfelder erstreckt sich ein großes Heidemoor, dahinter verläuft ein breiter Schilfgürtel entlang des Kleinen Jasmunder Boddens. Der Bewuchs der offenen Flächen wird von Schafen und Rindern klein gehalten, ein Paradies für zahlreiche Bodenbrüter, nicht weit davon hat der Seeadler sein Revier.

Zurück zur Brücke über die Bahn steigt man westlich in den Wald.Zuerst kommt der Blomberg (32 Meter) und dann der Schäferberg (33 Meter). Links geht es bald bergab aus dem Wald heraus, jetzt südlich über den Bahndamm und gut einen Kilometer immer am Bodden entlang.

In Lietzow angekommen, liegt 100 Meter hinter den Gleisen die Traditionsräucherei Lietzow. Wer eher Kaffee und Kuchen mag, geht 300 Meter nach Norden, hat dort einen Badestrand mit Strandcafé. Lietzow liegt an der schmalsten Landverbindung zwischen dem Großen und Kleinen Jasmunder Bodden. Auffallend ist auf dem Hügel eine Villa mit Türmchen. Ein Verdienst des Baumeisters Bopp: Er ließ 1868 den 700 Meter langen Eisenbahndamm und 1893 sich selbst das Schlösschen Lichtenstein bauen, eine Miniatur-Kopie des Schlosses Lichtenstein bei Reutlingen auf der Schwäbischen Alb und heute in Privatbesitz.

Schlösschen Lichtenstein

Info

Lage: Die Feuersteinfelder liegen etwa zehn Kilometer nördlich von Binz.

Aktivitäten:

Wanderung von Mukran nach Lietzow mit Besuch der Feuersteinfelder: etwa zehn Kilometer, mittelschwer, zum größten Teil auf sehr sandigen Feld- oder Waldwegen, einige kleinere Steigerungen. Einkehr nur am Anfang und am Schluss, also Wasser und Wegzehrung nicht vergessen.

Einkehr:

Strandgut Lietzow: direkt neben dem Strandbad, Kaffee und Kuchen, Restaurant, Imbiss; Boddenstraße 63, 18528 Lietzow, Tel. 038302 569994, strandgut-lietzow.de

Fischräucherei Lietzow: Fischimbiss, Räucherei; Spitzer Ort, 18528 Lietzow, Tel. 03838 8279045,
raeucherei-lietzow.de