ALTE BUCHENWÄLDER
Seit dem 25. Juni 2011 gehören die Wälder der Stubnitz zum UNESCO-Weltnaturerbe Alte Buchenwälder Deutschland. Eine kleine Wanderung führt von Sassnitz zum UNESCO-Welterbeforum.
Ein Spaziergang durch die Buchenwälder der Stubnitz ist zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis: Im Frühling, wenn das erste Grün sprießt, Waldmeister und Buschwindröschen blühen, oder im Hochsommer, wenn das geschlossene Blätterdach wohltuende Kühle spendet. Der Herbst bringt kräftige Farben und die begehrten Bucheckern für Finken und kleine Nager. Wenn die Nebel später durch den kahlen Wald ziehen, beginnt die Gespensterzeit. Mythen und Sagen werden lebendig.
Es ist ein Werden und Vergehen im Wald, das nicht mehr gestört werden soll. Die Fläche der geschützten Buchenwälder im Nationalpark Jasmund ist etwa 493 Hektar groß, mit über 650.000 Bäumen der größte zusammenhängende Buchenwald im ganzen Ostseeraum. Seit 2011 gehört er zum „UNESCO-Weltnaturerbe Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“. Deutschland hat fünf Standorte: Grumsin, Hainich, Kellerwald, Serrahn und Jasmund.
Die ältesten Buchen auf Rügen sind an die 250 Jahre alt. Zwischen ihnen wandelten schon Caspar David Friedrich oder Alexander von Humboldt und natürlich Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus. Neben der Granitz war die Stubnitz sein bevorzugtes Jagdrevier: Er verschonte den Wald vor größerem Holzeinschlag. Bereits 1731 war die Stubnitz auf Geheiß des Schwedenkönigs umfriedet. Der Heimatforscher Johann Jacob Grümbke schilderte 1805 in seinem Buch „Streifzug durch das Rügenland“, dass der Förster in Werder mehrere Holzwärter hatte. Es gab fünf Eingänge zum Wald mit einem Schlagbaum. Wollte man mit Pferd und Wagen passieren, wurde Baumgeld fällig, pro Pferd etwa zwei Schilling. Die Stubnitz war immer ein Nutzwald, trotz Nationalparkordnung sogar noch bis in die jüngste Zeit. Erst 2017 wurde die Waldbewirtschaftung konsequent eingestellt. Findet man zukünftig einen frisch zersägten Stamm, wird es sich nur noch um die Beseitigung von Sturmschäden auf den Wegen handeln.
Die Landschaft ist recht hügelig, mit etlichen Bergen, wobei der höchste der Piekberg mit 161 Metern ist. Mehrere kleine Quellbäche fließen von ihm Richtung Meer ab, zwischendrin gibt es Moore, Tümpel und kleine Seen, der größte ist der Herthasee. Der Buchenwald ist Heimat vieler Tiere und Pflanzen. Specht, Kauz, Wanderfalke und Eisvogel brüten hier.
Spaziergang durch die Buchenwälder
Am nördlichen Stadtausgang von Sassnitz, am Wedding, führen die Wanderwege in den Wald. Ganz rechts geht es auf den Hochuferweg, er führt bis zum Königsstuhl. Um im Buchenwald zu wandern, geht man links entlang auf die Luisenhöhe zur Zwillingsbuche. Dort ist eine Weggabelung. Ein Radweg führt rechts zum Welterbeforum. Der Wanderer nimmt aber den linken Weg und läuft am Schlossberg vorbei Richtung Werder, wo das alte Forsthaus steht. Etwa 200 Meter weiter südlich findet man einen Wall, von dem vermutet wird, dass hier die ersten Rügenfürsten ihr Jagdschloss hatten. Werder bleibt nun links liegen, und der Weg geht geradeaus nach Norden, macht dann eine Biegung nach links und führt wieder 800 Meter in nördliche Richtung. Unterhalb des 134 Meter hohen Erdbeerbergs biegt dieser Weg rechts ab und geht gerade weiter, immer entlang der Kernzone des Waldes.
Erst im Laufe der Jahrhunderte haben sich die Buchen hier durchgesetzt. Der Urwald an der Küste, der durchgehend bis ins Baltikum reichte, war ursprünglich ein Mischwald. Doch nur die Buchen haben auf Dauer überlebt. Sie kommen mit wenig Licht aus, lieben die Kälte und den Regen an der Küste. Durch den Kreideboden wird die Feuchtigkeit schnell weitertransportiert. Aber dadurch sind auch die Wurzeln nie ganz tief. Buchen werden nicht so alt wie Eichen; wenn sie umbrechen, entsteht das wertvolle Totholz. Beim Vergehen erhält der Waldboden neue Nahrung. Sogar Fledermäuse leben im Sommer in den gespaltenen Bäumen und natürlich allerlei Krabbeltiere. Allein 421 verschiedene Käferarten wurden hier nachgewiesen, davon sind 52 auf der roten Liste. All das können die Naturpark-Ranger am besten erklären, also unbedingt eine Führung buchen!
Folgt man dem Weg am Erdbeerberg weiter, kommt man direkt zur Ernst-Moritz-Arndt-Sicht. Man kann aber auch schon gut 300 Meter vorher rechts direkt zum UNESCO-Welterbeforum abbiegen, alles ist gut ausgeschildert. Die ehemalige Waldhalle heißt heute nach dem Stifter Michael-Otto-Haus und ist ein Ranger-Stützpunkt, es gibt Informationen zum Wald, Ausstellungen und ein Bistro. Auf der Rücktour geht es über den Hochuferweg nach Sassnitz zurück. Zwischenstopp ist an der Piratenschlucht, hier soll Klaus Störtebeker einen Schlupfwinkel gehabt haben.
Info
Lage: Das Waldgebiet Stubnitz ist fast vollständig Bestandteil des Nationalparks Jasmund und liegt etwa 25 Kilometer nordöstlich von Bergen.
Aktivitäten:
•Rundtour: etwa acht Kilometer, mittelschwer, auf Waldwegen. Festes Schuhwerk und Trittsicherheit erforderlich, es sind Treppen zu bewältigen, am Strand (Piratenschlucht) befinden sich Steine.
•UNESCO-Welterbeforum: Der Wanderstützpunkt ist der Weltnaturerbeidee der UNESCO gewidmet, eine Ausstellung informiert über das Phänomen Alte Buchenwälder, außerdem Servicezentrale, Bistro und Rastplatz mit Toiletten; Waldhalle 1, 18546 Sassnitz, Tel. 038392 649790, welterbeforum.koenigsstuhl.com
Unterkünfte:
•Hotel & Restaurant Gastmahl des Meeres: direkt an der Promenade, tolles, gemütliches Fischrestaurant mit Terrasse; Strandpromenade 2, 18546 Sassnitz, Tel. 038392 5170, gastmahl-des-meeres-ruegen.de
•Villa Martha: 1883 erbaut. Hier nächtigte 1890 bereits Kaiserin Auguste Victoria. Liebevoll sanierte Ferienappartements mit Blick aufs Meer und den Mütherschen Kurpavillon, entzückender Terrassengarten; Rosa-Luxemburg-Straße 4, 18546 Sassnitz, Tel. 038392 36684, villa-martha-ruegen.de