42 Von Sagard nach Glowe

RADTOUR AM JASMUNDER BODDEN

Jenseits des Trubels gibt es an den Ufern des Großen Jasmunder Boddens nicht nur die Ruhe zu genießen, sondern auch so manchen Schatz zu entdecken wie den alten Kreidehafen Polchow, das Schloss Spyker oder die Feldsteinkirche in Bobbin.

Sagard wurde als „Zagard“ erstmals 1250 erwähnt, der Name stammt aus dem Slawischen und deutet auf eine Burg hin. 1750 entstand hier bereits das erste Kurbad Rügens, 1795 erhielt der Ort eine Brunnen-, Bade- und Vergnügungsanstalt, die noch bis 1830 betrieben wurde, dann zog es die Gäste weiter ans Meer. Heute ist Sagard ein zentrales Dienstleistungszentrum.

Start der Radtour ist der Bahnhof, und es geht mitten durch die Stadt, zuerst durch die Ernst-Thälmann-Straße, dann rechts in die August-Bebel-Straße zum historischen Stadtkern mit dem Markt. Unweit davon sieht man die St.-Michael-Kirche aus dem Jahr 1210 mit der Brunnenaue, einer historischen Parkanlage. Man folgt der August-Bebel-Straße bis zur Schulstraße, dort geht es links vorbei an zahlreichen Plattenbauten bis fast zur Hauptstraße, der Glower Straße. Um die verkehrsreiche Straße zu meiden, biegt man eine Querstraße vorher rechts ab, bei der Bäckerei Mario Arndt. Am Ende der Straße links weiterfahren und die L30 gerade überqueren.

Nun wird das Radeln vergnüglicher, man genießt die Weite. Die Straße heißt schon Boddenblick und führt direkt zum Martinshafen, einem Jachthafen, der sehr beliebt ist bei Seglern und Kitern. Südöstlich sieht man Ralswiek. Weiter führt der Weg nach Norden, immer am Bodden entlang. In Neuhof überquert man den Neuer Bach. Links liegt ein kleiner Badestrand. Direkt am Ufer führt ein sehr sandiger Feldweg entlang. Ausweichmöglichkeit bietet die parallele kleine Asphaltstraße hinter dem Wald. Hier sieht man im Herbst und im Frühjahr ein Meer von Kranichen. Sie nächtigen hier in den Flachwasserzonen, am Tag tun sie sich auf den Feldern gütlich.

Kraniche

Ein Stück weiter kommt schon das Dörfchen Polchow mit dem alten Kreidehafen, ein wirklich bezaubernder Ort. Man sieht noch die Pfähle der alten Landungsstege. Ein kleiner Badestrand mit Bänken lädt zu einer gemütlichen Verschnaufpause ein. Polchow gehörte seit 1320 zur Herrschaft von Spyker, im 16. Jahrhundert war er einer der größten Orte mit sechs Höfen und neun Katen. Man lebte vom Fischfang und der Landwirtschaft, bis 1830 das erste Segelschiff mit Urlaubern anlandete. Der Hafen hatte auch eine Bedeutung für die Verschiffung von Schlämmkreide aus den nahen Kreidebrüchen. In Polchow kann man sehr gut Fisch essen bei Peters Fisch oder der Fischgaststätte am Bodden.

Alter Kreidehafen

Jetzt in Polchow der Dorfstraße Richtung Osten folgen, die L30 überqueren und dann links in den Radweg einbiegen. Auf dem 60 Meter hohen Tempelberg hat man eine grandiosen Blick auf den Bodden. Der Radweg führt weiter nördlich rechts hinter dem Wald vorbei nach Bobbin. Hinter dem Friedhof steht die St.-Pauli-Kirche. Sie ist die einzige vollständig erhaltene Feldsteinkirche auf Rügen, der Turm mag schon um 1300 entstanden sein, der Rest gut 100 Jahre später. Interessant ist der Friedhof mit sehr alten Grabsteinen. Der Radweg führt weiter nach Norden. Ist man im Tal, lohnt der Blick zurück für ein schönes Fotomotiv. Die nächste Querstraße links ist schon die Schlossallee, die zum Schloss Spyker führt.

Der mächtige ziegelrote Backsteinbau mit vier Türmen ist der älteste Profanbau auf Rügen. Erstmalig taucht er in der Geschichte 1318 auf, wechselte 1344 in den Besitz der Familie von Jasmund. Nach dem Dreißigjährigen Krieg gehörte er zu Schweden und wurde 1649 dem Feldmarschall Carl Gustav Wrangel übertragen. Mitte des 17. Jahrhunderts erfolgte dann der Umbau des Schlosses im Renaissance-Stil, so wie es heute noch zu sehen ist. Seit 2006 wird hier ein Schlosshotel betrieben, mit Gewölbekeller-Restaurant und einem sehr schönen Skulpturenpark.

Schloss Hotel Spyker

Der Weg führt nun östlich des Schlosses weiter durch das Naturschutzgebiet Spyker See und Mittelsee. Erlenbrüche, Flachwasser- und Schilfzonen sind perfekte Rückzugsorte für die sich sammelnden Kraniche, aber auch Lebensraum für Rotmilan, Seeadler oder Eisvogel. Hinter dem Wald geht es rechts ab nach Glowe. Man kann weiter bis zur Schaabe radeln oder zurück den RADzfatzbus mit Fahrradtransport nehmen.

Info

Lage: Die Radroute verläuft im Westen der Halbinsel Jasmund.

Aktivitäten:

Einfache Radtour: 16 Kilometer, nur eine Steigung bei Bobbin, kleine Wegstrecken können sandig sein. Einkehrmöglichkeiten gibt es mehrere, trotzdem Wasser, Badesachen und Sonnenschutz nicht vergessen.

Kitesurfschule Rügen-Kite: Wind- und Kitesurfen lernen auf dem Jasmunder Bodden, SUPs, Kitehostel im Martinshafen; Neuhof 2, 18551 Sagard OT Neuhof, Tel. 0172 6669200, ruegen-kite.de

Dinosaurierland Rügen: sehr beliebt bei Kindern, Ausstellung in freier Natur, rund 120 riesige Saurier; Am Spycker See 2A/3, östlich der L30, 18551 Spyker, Tel. 038302 719874, dinosaurierland-ruegen.de

RADzfatzbus: vvr-bus.de/bediengebiete/ruegen/ruegen-erleben/radzfatz/

Einkehr:

Peters Fisch: Familienfischerei mit 120-jähriger Tradition, Hofladen, Räucherei, Bistro; Dorfstraße 38, 18551 Glowe OT Polchow, Tel. 038302 71948, peters-fisch.de

Fischgaststätte Am Jasmunder Bodden: fangfrischer Fisch und gutbürgerliche Küche; Dorfstraße 8, 18551 Glowe OT Polchow, Tel. 038302 53003

Unterkünfte:

Hotel Schloss Spyker: wohnen im ältesten Schloss Rügens, ruhig und idyllisch gelegen mit schönem Garten, Restaurant Wrangel mit regionaler, moderner Küche; Schlossallee 1, 18551 Glowe, Tel. 038302 770, schloss-spyker.de

Hotel Der Wilde Schwan: liegt nahe am Jasmunder Bodden in vollkommener Ruhe, mit Kegelbahn und Sauna, Restaurant mit regionalen Produkten; Neuhof 10, 18551 Sagard OT Neuhof, Tel. 038302 8030, hotel-der-wilde-schwan.de