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ZWISCHEN BODDEN UND OSTSEE

Der „staatlich anerkannte Erholungsort“ Glowe ist ein modernes Badeparadies und zählt zu den Topzielen auf Rügen, vor allem wegen des kilometerlangen, feinen Sandstrandes. Doch auch der große Küstenwald und die ausgedehnte Boddenlandschaft laden zum Radfahren und Wandern ein.

Kaum ein Ort auf Rügen hat sich so positiv entwickelt wie Glowe. Noch vor 700 Jahren war hier ein winziges Fischerdörfchen. Die Slawen nannte es „Glova“, was soviel wie „Kopf“ bedeutet und einen Hinweis auf das kleine Kap Königshörn am östlichen Rand des Ortes gibt. Glowe ist das Tor zur Schaabe, einer zwölf Kilometer langen Nehrung an der Tromper Wiek, welche die Halbinseln Jasmund und Wittow verbindet. Hier liegt der längste und schönste Sandstrand von ganz Rügen. Der touristische Badebetrieb startete erst spät und mondäne Villen wie in Binz sucht man hier vergebens. Dafür wurde Glowe zum Toport im Arbeiter- und Bauernstaat. Es gab einige sehr große Betriebs- und Kinderferienlager sowie eine Jugendherberge. Weiterhin zog sich die gesamte Schaabe entlang ein riesiger Zeltplatz. Damals hieß es scherzhaft: „Jeder Doofe fährt einmal nach Glowe!“ Tatsächlich war damals wahrscheinlich jeder DDR-Bürger einmal in Glowe und sei es nur, um an diesem wunderbaren Strand zu liegen. Die DDR-Volkswirtschaft kam allerdings mit dem Massentourismus nie so gut klar, einmal fehlte es an alkoholfreien Getränken, ein andermal war das Bier knapp, was durchaus schlimmer war.

Nun, diese Zeiten sind lange vorbei! Glowe hat sich völlig neu erfunden. Farbenfrohe Ferienhaussiedlungen wurden gebaut, Hotels und Appartementanlagen. Eine wunderschöne, zwei Kilometer lange Promenade zieht sich am Strand entlang mit netten Cafés, Restaurants und Läden. Am Königshörn entstand ein moderner Ostseehafen mit 190 Liegeplätzen, und es gibt sogar einen kleinen Aussichtsturm. Täglich bieten hier auch die Fischer ihre Waren an.

Im Schaabewald wird nicht mehr gezeltet, er zählt inzwischen zu den schützenswerten Waldgürteln Europas. Hinter den Dünen gibt es einen Rad- und Wanderweg und sechs Waldparkplätze an der L30 mit Strandzugängen. Weniger bekannt ist vielleicht die artenreiche Boddenlandschaft südlich von Glowe, wo es zahlreiche Wanderwege gibt.

Die Ostseeperle

Schön ist eine Rundtour um das Naturschutzgebiet Roter See. Start ist an der Gaststätte Ostseeperle, ein auffälliger Schalenbau des Binzer Bauingenieurs Ulrich Müther von 1968. Als dem Gebäude 1997 der Abriss drohte, reagierten die Bürger mit Protesten. Nun ist die Ostseeperle das Wahrzeichen von Glowe. Am neugestalteten Kurplatz überquert man die Landstraße L30 und geht gegenüber auf die Straße „Waldsiedlung“ bis zum Haus am Wall. Dann kommt man auf einem Feldweg zum Bodden, danach geht es rechts weiter auf dem Dammweg immer am Boddenufer entlang. Nach rund 1,5 Kilometern sieht man den Waller Ort, der durch Anlandungen von Strandwällen entstanden ist. Der nördlich liegende Rote See ist längst verlandet und zu einem artenreichen Küstenüberflutungsmoor geworden. Um 1900 wurden die Strandwälle, wo früher noch Schafe weideten, mit Kiefern und Eichen aufgeforstet. Im Laufe der Jahre kamen natürlicherweise Erlen und Birken hinzu. Jetzt überlässt man das Gebiet weitestgehend sich selbst. Inzwischen ist es ein hervorragendes Rückzugsgebiet für seltene Tiere. Von dem 233 Hektar großen Naturschutzgebiet gehört rund die Hälfte der NABU-Stiftung. Hier leben die Waldohreule, der Pirol oder der Schwarzspecht, aber auch Reptilien wie die Kreuzotter. Reizvoll ist die Mischung aus altem Bruchwald, den mit Schilf bestandenen Ufern und den sandigen Flachwasserbuchten, wo man auch baden kann. Die Wege sind manchmal recht schmal, sumpfig oder sandig. Aber ab und an gibt es sogar eine Bank, mit schönem Ausblick auf den Jasmunder Bodden.

Kunstraum Wasserwerk Glowe

Der schmale Wanderweg geht immer am Wasser entlang und kann bis zum Forsthaus Gelme und sogar bis Breege-Juliusruh fortgesetzt werden. Die kleine Runde aber führt nun scharf nach rechts, sobald der Kiefernwald erreicht ist. Durch die Waldsiedlung geht es zurück zur Ostseeperle, wo es auf der Terrasse die schönsten Sonnenuntergänge zu bestaunen gibt.

Info

Lage: Glowe liegt im Nordwesten der Halbinsel Jasmund, etwa zehn Kilometer nordwestlich von Sagard.

Aktivitäten:

Rundwanderweg um das NSG Roter See: acht Kilometer, leicht, aber festes Schuhwerk erforderlich, Proviant, Wasser, Kopfbedeckung, Badesachen.

Glowe-Trotter: Was wäre der Strand ohne Strandkorb? Im Februar 1995 kam der Sauerländer Klaus-Dieter Thomas das erste Mal nach Glowe, verliebte sich in den Ort und eröffnete 1996 den ersten Strandkorbverleih; Am Kurplatz 10, 18551 Glowe, Tel. 038302 78012, glowe-trotter.de

Kunstraum Wasserwerk: Galerie, Kunst und Kulinarisches; Hauptstraße 1, 18551 Glowe, Tel. 038302 719844, kunstraum-wasserwerk.de

Tourist-Info Glowe: direkt in der Ortsmitte, Verkauf von Rad-, Strand- und Wanderkarten, Souvenirs, Touristenfischereischein, Angelerlaubnis, Tickets; Boddenmarkt 1, 18551 Glowe, Tel. 038302 5221, glowe.de

Einkehr:

Restaurant Ostseeperle: tolles Restaurant mit Meerblick und sehr guter Küche, mediterrane und regionale Speisen, Eismanufaktur, nebenan auch dazugehöriges Hotel mit Appartements; Hauptstraße 42, 18551 Glowe, Tel. 038302 56380, ostseeperle-hotel.de

Unterkünfte:

Haus Svantekahs: gastfreundliche Pension, Zimmer und Appartements mit Meerblick, Spezialität des Hauses ist der nach alter Familientradition auf Buchenholz kaltgeräucherte Lachs vom Chef; Hauptstraße 19, 18551 Glowe, Tel. 038302 71100, haus-svantekahs.de

Bel Air Strandhotel: komfortables 4-Sterne-Hotel am Waldrand, nur 100 Meter vom Strand entfernt mit Pool, Sauna, Restaurant im Landhausstil; Waldsiedlung 3, 18551 Glowe, Tel. 038302 7470, bel-air-hotels.de