DICHTER, DOLMEN UND STRAND
Am Nordende der Schaabe, auf der Halbinsel Wittow, liegt das Seebad Breege-Juliusruh, unweit davon das geschichtsträchtige Altenkirchen. Ein Radweg führt am Meer entlang Richtung Kap Arkona, vorbei an einem der größten Steingräber Deutschlands.
Breege und Juliusruh sind schon seit 1928 zu einem Seebad vereint. Während Breege einst ein Seefahrer- und Fischerdorf war, wurde Juliusruh Herrensitz eines alten Adelsgeschlechts. Namensgeber war Julius von der Lancken, der 1795 ein Jagdschloss mit einem Park errichtete. Letzterer ist noch da, das Schloss wurde 1945 gesprengt.
Breege liegt am Bodden und wurde 1313 das erste Mal urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich vom slawischen Wort „Ufer“ her. Sehenswert sind die alten Kapitänshäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert und die 2019 neu gestalteten Hafenanlagen. Breege ist der ideale Ausgangspunkt für Ostseetörns und sehr beliebt bei Seglern. Es gibt eine große Anzahl von Charterbooten und abends urige Kneipen, um einen Törntag gemütlich ausklingen zu lassen. Von Breege brechen Schiffe nach Hiddensee, zu den Störtebeker Festspielen und im Herbst zu Kranichfahrten auf.
Juliusruh liegt direkt am Meer, am wunderschönen, kilometerlangen Sandstrand der Schaabe. Der Ort ist mit bis zu 2089 Sonnenstunden einer der sonnenreichsten Orte Deutschlands. Am Ortseingang sieht man Reste einer alten Schwedenschanze von 1759, der 3,5 Hektar große Kurpark ist etwas zurückgesetzt. Es ist eine spätbarocke Anlage des Rokoko mit wunderschönen über 227 Jahre alten Linden, die aus Südschweden geholt wurden. Ansonsten ist der Strand hier der absolute Mittelpunkt. Der Ort ist nicht groß, aber es gibt trotzdem einige schöne Hotels, Restaurants und Cafés. Eine lange Tradition hat der Campingplatz Drewoldke, der sich nördlich anschließt. Die Zelte stehen in einem Kiefernwald direkt hinter dem Strand.
Drei Kilometer weiter, im Landesinnern, liegt das ehrwürdige Dörfchen Altenkirchen. Jeder, der mit dem Pkw ans Kap will, muss hier vorbei. Radfahrer radeln aber gleich hinter Drewoldke immer am Meer entlang. Altenkirchen hat eine berühmte Backsteinbasilika aus dem Jahr 1168, in der kein geringerer als der berühmte Ludwig Gotthard Kosegarten (1758 bis 1818) predigte. Vor der Kirche steht ein hölzerner Glockenturm aus dem 18. Jahrhundert. Innen wurden 1967 spätromanische Wandmalereien freigelegt. Das bemerkenswerteste Stück ist jedoch der Svantevit-Stein in der südlichen Vorhalle des Chores. Er stammt noch aus einer Zeit vor dem Kirchenbau und ist quer in die Wand eingelassen. Dargestellt wird ein bärtiger Mann mit Füllhorn, entweder ist es der Fürst Jaromar selbst oder ein Slawenpriester von der Tempelburg Kap Arkona. Die Priester sagten oft mit dem Füllhorn eine gute Ernte voraus. Nach der Christianisierung wurden die heilige Steine der Slawen öfter demonstrativ in Kirchen verbaut wie auch in Bergen. Wahrscheinlich als Zeichen der Vereinnahmung und Verhöhnung, dafür würde auch sprechen, dass dieser Stein nicht aufrecht steht.
Altenkirchen
1792 trat Ludwig Gotthard Kosegarten in Altenkirchen seine Pfarrstelle an. Er war nicht nur Prediger, sondern auch romantischer Dichter. In zahlreichen Versen hat er Rügen besungen und so berühmt gemacht. Als Kosegarten 1785 Rektor an der Knabenschule in Wolgast war, lernte er Philipp Otto Runge kennen, der viele Rügener Sagen und Märchen aufschrieb. Sie waren später sogar Leitbild für die Grimmsche Märchensammlung. Runge traf 1801 den Maler Caspar David Friedrich, beide wurden durch die Schriften Kosegartens inspiriert und auch durch seine Uferpredigten. Weil die Heringsfischer sehr beschäftigt waren, besonders im Frühjahr, ging der Pfarrer zu ihnen und predigte vor Ort. Seine flammenden Uferpredigten zogen bald auch andere Besucher an und 1806 wurde oberhalb des Fischerdorfes Vitt eine Kapelle erbaut. Seit 2014 erinnert Altenkirchen mit einer Dauerausstellung an seinen berühmten Sohn.
Hühnengrab Nobbin
Ein Radweg führt von Altenkirchen über Reidervitz immer an der Küste entlang. Nach gut drei Kilometern erreicht man den Riesenberg von Nobbin, ein überaus imposantes Großsteingrab mit einem 34 Meter langen Hühnenbett und zwei Kammern. Die beiden Wächtersteine im Südwesten sind über drei Meter hoch. Das Megalithgrab stammt aus der Jungsteinzeit und ist gut 4500 Jahre alt. Ursprünglich gab es 53 Steine, 39 sind noch vorhanden. Für Kosegarten war der Riesenberg das „imposanteste und zugleich am besten erhaltene, was ich auf der Insel noch gesehen habe.“ Auch Caspar David Friedrich weilte in Nobbin und malte das Bild „Blick auf Kap Arkona mit aufgehender Sonne“. Wunderschön schlängelt sich der Weg oberhalb der Küste entlang bis nach Vitt und weiter nach Kap Arkona.
Lage: Breege-Juliusruh liegt auf der Halbinsel Wittow im Norden Rügens.
Aktivitäten:
•Schiffstouren mit Reederei Kipp: nach Vitte (Hiddensee), Störtebeker Festspiele Ralswiek, Kranichtouren, Fahrradmitnahme vom Hafen Breege ist zu allen Abfahrtzeiten möglich, Karten auf dem Schiff oder Online; reederei-kipp.de
•Mola-Yachting: Jachtcharter, Mitsegeltörns; Boddenweg 1-2, 18556 Breege, Tel. 038391 4320, mola.de
•Haus des Gastes: Tickets, Zimmervermittlung, Landkarten; Wittower Straße 5, 18556 Breege OT Juliusruh, Tel. 038391 311, breege.de
Einkehr:
•Zum Alten Fischer: Café und Restaurant, modernes Ambiente, große Auswahl, mit Terrasse und Wasserblick; Am Hafen 1-3, 18556 Breege, Tel. 038391 42555, kapitänshäuser.de
Unterkünfte:
•Hotel am Wasser: familiengeführtes Hotel mit Garten am Breeger Bodden, Restaurant; Dorfstraße 79, 18556 Breege, Tel. 038391 4020, hotelamwasser.m-vp.de
•Hotel Atrium am Meer: fünf Minuten zum Strand, Restaurant „Old Diner“ mit regionaler Esskultur, Pool;
Am Waldwinkel 2-3, 18556 Breege OT Juliusruh,
Tel. 038391 4030, atrium-am-meer.de