NATURIDYLL FÜR SURFER UND KRANICHE
Die Insel Ummanz liegt westlich vorgelagert vor Rügen im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Sie ist 20 Quadratkilometer groß, kaum besiedelt und besonders beliebt bei Ruhesuchenden, aber auch bei Surfern.
Zur Gemeinde Ummanz gehören außer der Insel noch fünf weitere kleinere Inseln sowie einige Dörfer auf dem Festland. Ganz im Westen von Rügen dominieren Felder, Wiesen und Äcker, alles ist sehr flach und vollkommen ruhig. Kaum vorstellbar, dass nur wenige Kilometer entfernt das pralle Leben in den Seebädern tobt.
Die Anfahrt führt durch mehrere wunderschöne Alleen von Gingst nach Mursewiek zum Erlebnis-Bauernhof Kliewe. Hier kann man Kaffee und Kuchen bekommen, Kleintiere streicheln und sich ein Fahrrad ausleihen. Radfahren bedeutet hier Genussradeln, denn der höchste Berg ist gerade mal 6,2 Meter hoch. Alles ist schön flach und überschaubar. Bei großer Hitze empfiehlt sich jedoch eine Kopfbedeckung, denn viel Wald gibt es nicht.
Seit 1901 führt eine 250 Meter lange Brücke über den Focker Strom auf die Insel Ummanz. Hier liegt der Hauptort Waase mit einem kleinen Fischerhafen und einem hübschen Leuchtturm. Einen kleinen Schatz birgt die um 1450 erbaute St. Marienkirche. Im Innern steht ein spätgotischer Flügelaltar mit aufwendig geschnitzten und vergoldeten Tafelbildern. Das kostbare Retabel aus einer Antwerpener Werkstatt wurde eigentlich für England gefertigt, aber dort verschmäht. Wahrscheinlich weil dort u. a. der Mord an Erzbischof und Kanzler Thomas Becket gezeigt wird. König Heinrich II. und Becket waren fast gleichaltrig und begünstigten sich zunächst, doch mit den Ämtern strebte Becket zunehmend Bescheidenheit und die Freiheit der Kirche an, übte gleichzeitig immer mehr Kritik am Königshaus. Schließlich musste der Lordkanzler nach Frankreich fliehen. Etwas später versprach ihm der König in England die Freiheit, brach aber sein Wort und ließ ihn ermorden. So wurde der Altar mit der unangenehmen Wahrheit zunächst von England nach Stralsund an die Nikolai-Kirche verkauft. Als die Schnitzereien 1702 aber unmodern wurden, verscherbelte die den Altar für 50 Taler nach Ummanz. Hier hütet man nun den seltenen Schatz.
Neben der St. Marienkirche steht das Alte Küsterhaus mit einem Ausstellungszentrum des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft und der Tourismus-Information. Ein paar Schritte dahinter liegt die Töpferei der Kunsthandwerkerin Susan Schmorell. Hier kann man selbst töpfern. Die Radtour führt weiter geradeaus, vorbei an der berühmten Haflingerzucht Ummanz. Süße Fohlen anschauen ist angesagt, aber es gibt auch Reitstunden, Kutschfahrten und sogar Stutenmilch. Hinter Waase biegt der Weg rechts nach Tarnow ab, eine sehr schöne Strecke neben einem dichten Schilfgürtel. Dahinter erstreckt sich der Schaproder Bodden mit den Inseln Liebes, Wührens, Mährens und Urkevitz. Sie sind unbewohnt, aber besonders beliebt bei den Kranichen. Nach ungefähr drei Kilometern erreicht man einen Rastplatz, von hier aus geht es nochmal 500 Meter weiter zu Fuß zu einem Beobachtungsturm auf die Udarser Wiek. Seeadler ziehen hier ihre Kreise, denn es gibt reichlich Nahrung.
Marienkirche Ummanz
Südlich geht es auf einem Plattenweg über Markow in den 4,4 Kilometer entfernten Ort Haide. Die „Orte“ sind hier nie mehr als eine Handvoll Häuser. Erst kommt die Pension Windrose, danach der selbst ernannte Inselstaat „Ummaii“, ein Surfhostel mit Surf- und Kiteschule, einer Pizzeria und der Tiki Bar. Hier, im größten Stehrevier Deutschlands, heißt es sehen und gesehen werden, Cocktails schlürfen und bei tollen Sonnenuntergängen relaxen. Zwölf Kilometer lang ist dieser Surfhotspot, ab Windstärke 4 flippen hier alle aus.
Die Radtour geht weiter Richtung Süden über den Deich nach Suhrendorf, entlang eines wunderschönen Naturbadestrandes. In Sicht kommt die Regenbogen-Ferienanlage. Vorher geht es links vom Deich auf einen Waldweg und dann südlich Richtung Wusse. Lohnend ist zuvor noch ein Abstecher nach Freesenort. Hier stehen vier sehr alte Fischerhäuser, das älteste ist die „Haasenburg“ mit einem Zuckerhutdach aus dem 17. Jahrhundert. Davor bietet sich ein beeindruckender Blick über den Kubitzer Bodden bis nach Stralsund. In Wusse findet man das bezaubernde Gartencafé Zuckerguss und eine Töpferei. Zwei Kilometer weiter ist schon wieder Waase erreicht. Wem es nach deftigerer Kost gelüstet, der biegt direkt nach der Brücke rechts nach Lieschow ab und fährt zum Hof von Bauer Lange, danach vielleicht noch zur 1ste Edeldestillerie Rügens, wo es eine Reihe von Bio-Obstbränden gibt – zum Mitnehmen, versteht sich. Zurück geht es auf schnurgeradem Weg wieder nach Mursewiek.
Freesenort
Lage: Die Insel Ummanz liegt im Westen Rügens.
Aktivitäten:
•Radtour: Leichte, flache Strecke, mit allen Abstechern 25 Kilometer über Asphalt- oder Plattenstraßen, mehrere Einkehrmöglichkeiten. Wasser, Sonnencreme, Kopfbedeckung, Badezeug und Fernglas mitnehmen.
•Bauer Lange: großer Erlebnis-Bauernhof, Hofküche- und Scheunenrestaurant, Streichelzoo, Maislabyrinth, Rosen- und Kräutergarten, Bolzplatz, Trecker fahren; Lieschow Hof Nr. 37, 18569 Ummanz OT Lieschow,
Tel. 038305 55117, bauerlange.de
•1ste Edeldestillerie auf Rügen: Hochwertiges BioObst von der Insel wird hier seit fast 20 Jahren zu Edelbränden und Likören verarbeitet; Lieschow 18, 18569 Ummanz, Tel. 038305 55300, 1ste-edeldestillerie.de
•Touristeninformation und Ausstellung: Neue Straße 63a, Alte Küsterei, 18569 Ummanz, Tel. 038305 53481, ruegeninsel-ummanz.de
Einkehr:
•Café Zuckerguss: Gartencafé mit Sicht auf den Bodden und die Skyline von Stralsund; Dorfstraße 11, 18569 Ummanz, Tel. 038305 537116, cafe-zuckerkuss.de
•Erlebnis-Bauernhof Kliewe: Hofladen und Restaurant, Geflügelspezialitäten, Kaffee und Kuchen, Streicheltiere, Fahrrad- und Kettcarverleih; Mursewiek 1, 18569 Ummanz OT Mursewiek, Tel. 038305 530010,
bauernhof-kliewe.de