Ich erinnere mich an Schokolade, Berge von schwarzer Schokolade. Immer muss es schwarze Schokolade sein, die mein Vater nach dem Mittagessen an uns alle verteilt, und noch einmal nach dem Abendessen. Nie wird darüber gesprochen, ob diese Berge von Schokolade vielleicht ungesund sind und uns alle um den Schlaf bringen. Wir sind süchtig, essen Tafel um Tafel, unumstößliches Ritual. Als wir nicht mehr zu Hause wohnen, bringen wir bei allen Besuchen meinem Vater schwarze Schokolade mit wie einen Obolus. Essen zusammen Schokolade. Fast nie hat er über uns bestimmt, nur einmal verfügt, dass ich in der Schule Altgriechisch nehme, was ich dann so viel lieber mochte als Latein. Eine kleine Münze wurde im alten Griechenland den Toten unter die Zunge gelegt, um den Fährmann zu bezahlen, der einen hinüberfahren soll über den Fluss Styx in das Totenreich. Ich möchte, dass man mir ein Stück schwarze Schokolade unter die Zunge legt, am liebsten eine in schwarze Schokolade gehüllte Mandel. In der blauen Dämmerung wandere ich über einen riesigen japanischen Friedhof, kein Mensch weit und breit, ich bin ganz allein. Kleine Steinlaternen erleuchten gelb den Weg, die moosbedeckten Grabmale und Buddhastatuen. Im Rucksack trage ich meine liebste japanische Nascherei, Mandeln umhüllt von schwarzer Schokolade. Ich setze mich auf die Stufen eines Grabsteins, Krähen kreisen schreiend über mir, langsam esse ich eine Mandel nach der anderen, lasse sie im Mund schmelzen, vergesse die Zeit, mich selbst.