Wir alle erleben die Welt durch unsere eigene Brille. Durch die Filter unserer eigenen Werte, unserer Erziehung, unserer Erfahrungen und vor allem: unserer Persönlichkeit. Sei dir dessen bewusst, dass du alles mit deinem ganz individuellen Blick betrachtest – das spart dir Ärger und öffnet dir viele Chancen für ein glückliches Miteinander.
Der Hauptgrund für Streit und Unstimmigkeiten zwischen Menschen – vom kleinen Gezänk bis zum tiefen Zerwürfnis – besteht unserer Erfahrung nach darin, dass wir die Welt des anderen gar nicht verstehen können, solange wir davon ausgehen, sie müsse ja so aussehen und sich so anfühlen wie unsere.
»Ja, aber das muss man doch verstehen!«
»Das ist doch klar, dass man das so macht!«
»Das muss einem doch wichtiger sein!«
»Wenn er so reagiert, dann beweist das ja, dass er mich nicht respektiert!«
Kommt dir das bekannt vor?
Grundlegend anders ausgeprägte Persönlichkeiten schauen immer unterschiedlich auf die Welt. Und alle Persönlichkeiten und Sichtweisen sind okay.
Hohe Empathie wird ihr Gegenstück immer fragen: »Wie kannst du da so kalt bleiben?«, während niedrige Empathie fragt: »Wie kannst du da nur so unobjektiv und gefühlsduselig werden?«
Hohe Dominanz wird sich in manchen Momenten denken: »Wie kann man so ein Weichei sein?«, während sich niedrige Dominanz fragt: »Wieso muss er/sie immer das letzte Wort haben?«
Niedrige Politeness wird sich oft über die hohe Regeltreue ihres Gegenparts aufregen: »Wieso hat er nur so einen Stock im Arsch?«, während sich hohe Politeness fragt: »Wieso kann sie sich nicht ein einziges Mal an die Regeln halten?«
Und sie alle können nichts dafür. Und sie alle haben recht. Und sie alle liegen falsch. Sie alle lassen außer Acht, dass sie die Welt durch ihre ganz individuelle Ocean-Brille sehen. Das kann sie fehlleiten, in Fallen, in Streits und Ungemach.
Sie alle vergessen, was wir hoffen, dir in diesem Buch mitgegeben zu haben: dass der andere anders ist als sie selbst. Und dass das ein Segen ist. Und völlig okay.
Übrigens: Wir sind auch nicht zu 100 Prozent davor gefeit. Wir fragen uns manchmal selbst: »Können nicht einfach alle so sein wie wir?«
Die Antwort ist, Gott sei Dank: Nein. Wir würden es auch selbst nicht ertragen.
Du bist okay – alle anderen sind auch okay.