Selten hatte Violet ihren Küchenchef so nervös erlebt. In seinem Job befehligte er die lodernden Feuer auf vielen Herden, er war Herr über Fleisch und Fisch, Zucker und Salz. Er hatte mehrere Bücher über die verfeinerte britische Küche geschrieben, worin er allerdings verschleierte, dass es sich vor allem um adaptierte französische Rezepte handelte. Er hatte sein Personal im Griff und war ein berühmter Gourmet-Koch. Vor dem Krieg hatte es lange Wartelisten von Leuten gegeben, die des Maîtres Köstlichkeiten genießen wollten, aber wochenlang keinen Platz im Golden Pavillon bekamen.

»Wir sollten die Mutter hereinbitten«, sagte der Maître.

»Ist das wirklich so eine große Sache, wenn ein Hilfskoch mal einen Tag nicht zum Dienst erscheint?« Violet nahm in Drydens akribisch aufgeräumtem Büro Platz.

»Mrs Myers sagt, ihr Sohn sei noch nie unpünktlich nach Hause gekommen.«

Violet schnupperte. Der Duft von Dill und Koriander wehte herein. »Handelt es sich vielleicht um das Aufbegehren eines jungen Mannes, der nicht länger an Mamas Rockzipfel hängen will? Wie alt ist der Junge?«

»Neunzehn.«

»Na, sehen Sie. Der ist bestimmt irgendwo abgestürzt. Vielleicht hat er ein Mädchen kennengelernt, und jetzt traut er sich nicht nach Hause. Vielleicht versteckt er sich sogar im Hotel.«

»Wir haben sein Zimmer durchsucht. Er hat letzte Nacht nicht im Haus geschlafen.«

»Sekunde«, ging Violet dazwischen. »Reginald wohnt bei seiner Mutter, hat aber trotzdem ein Zimmer bei uns?«

»Mrs Myers lebt westlich von London. Wenn es abends bei uns spät wird, braucht er eine Schlafgelegenheit.«

Violet fasste sich an den Magen. Das Dinner, vor allem aber die Aussprache mit Lionel waren ihr schlecht bekommen. »Warum gibt Mrs Myers keine Vermisstenanzeige auf, wenn sie sich solche Sorgen macht? Wieso sind wir für Reginalds Verschwinden zuständig?«

»Weil das Savoy eine Aufsichtspflicht für meinen Sohn hat.« Eine stämmige Frau hatte die Tür geöffnet. Sie trug eine weite grüne Bluse, die ihren Umfang verbarg. Ihr Haar war zu einem gefährlichen Turm über dem Haupt aufgetürmt.

»Guten Abend.« Violet streckte der Frau die Hand entgegen. »Mrs Myers? Ich bin Violet Mason. Mit der Aufsichtspflicht haben Sie natürlich recht, aber im Savoy arbeiten über vierhundert Angestellte. Wir können nicht jeden ständig beaufsichtigen.«

»Mein Reggie ist ein guter Junge.« Mrs Myers übersah den dargebotenen Stuhl, den der Maître ihr hinschob.

»Was wollen Sie damit sagen?« Violet massierte ihre Finger. Die Frau hatte einen stählernen Händedruck.

»Reginald treibt sich nicht herum. Er würde mir nie verschweigen, wo er hingeht. Und ganz bestimmt bleibt er nicht ohne Erklärung eine Nacht von zu Hause fern.«

Violet war müde, schrecklich müde. Der Tag, der quälende Abend steckten ihr in den Knochen. Inzwischen ging es auf Mitternacht. Sie sah es nicht als ihre Aufgabe an, einer Mutter verständlich zu machen, dass ihr Junge flügge geworden war. »Ich gratuliere zu Ihrem vorbildlichen Sohn, Mrs Myers. Ich sehe nur nicht, wie das Savoy hier helfen kann.«

»Wenn er nicht zu Hause ist, muss er hier sein.«

»Wir haben das Hotel nach Reginald durchsucht. Ich fürchte, mehr können wir nicht tun.«

»Ich werde die Polizei einschalten«, erwiderte Mrs Myers.

»Das bleibt Ihnen natürlich unbenommen.« Violet wollte ins Bett. Allein. Endlich ein bisschen allein sein.

»Wenn ich das tue, würden uniformierte Officers im Savoy umherschnüffeln«, ließ Mrs Myers nicht locker.

»Machen Sie von mir aus, was Sie wollen.« Ein Satz, aus der Müdigkeit geboren. Ein Satz, den Violet sofort bereute.

Die Tür ging abermals auf, Clarence Oppenheim erschien. Er musste sich bücken, um durch die niedrige Tür zu kommen.

»Darf ich Ihnen unseren Hoteldetektiv vorstellen?«, fuhr Violet erleichtert fort. »Mr Clarence Oppenheim, das ist Reginalds Mutter, die sich Sorgen über seinen Verbleib macht. Ich gebe Ihnen Mr Oppenheim an die Seite, Mrs Myers. Würde Sie das zufriedenstellen?«

»Nicht ganz.«

»Wieso nicht?«

»Mir ist zu Ohren gekommen, dass Reginald mehrmals mit einer Köchin aneinandergeraten ist. Da mein Sohn ein friedfertiger Junge ist, kann die Aggression nur von dieser Küchenkraft ausgegangen sein.«

»Diese Küchenkraft, wie Sie sich ausdrücken, ist Reginalds Vorgesetzte«, schaltete sich Maître Dryden ein. »Es ist ihre Pflicht, ihn anzuleiten und in bestimmten Fällen zu rügen. Nichts anderes hat July getan.«

»Mein Sohn ist Absolvent des Cooking Studio Under The Auspices Of His Majesty«, posaunte Mrs Myers. »Er ist es nicht gewohnt, sich von einer Köchin herumschubsen zu lassen.«

»Und selbst wenn Ihr Sohn der Leibkoch Seiner Majestät wäre …!«, brauste der Maître auf.

Violet kannte Dryden als Menschen von vollendeten Umgangsformen. Ein Ästhet, jemand, der mit Macht umzugehen wusste, doch er besaß ein unberechenbares Temperament. Mitunter hatte ihn Violet in der Küche herumbrüllen hören. Einmal, hieß es, habe er einem Souschef die heiße Pfanne nachgeworfen. Die Sache war mit Schmerzensgeld zu regeln gewesen.

»Mein lieber Maître«, ging sie dazwischen. »Es ist Mitternacht. Wir wollen zu einem Ende kommen.« Sie wandte sich zu Mrs Myers. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass July Gilbert auch nur das Geringste mit dem Verschwinden Reginalds zu tun hat.«

»Sehen Sie!«, rief die Mutter aufgebracht. »Sie sprechen auch von seinem Verschwinden!«

»Das halte ich für übertrieben«, sagte jemand im Rücken der Anwesenden. Eine weitere Person drängte sich in das schmale Büro, das Dryden vor allem zum Schreiben der Dienstpläne diente.

»Ah, Mrs Drake, gut, dass Sie kommen«, begrüßte Violet die Hausdame. »Bestimmt klärt sich jetzt alles auf. Können Sie bitte Ihre Nichte rufen? Möglicherweise weiß July etwas über den Verbleib von Reginald.«

Bis auf Oppenheim überragte Mrs Drake alle im Raum. »Kommt nicht infrage«, antwortete sie nüchtern.

»Wie bitte?«, fragte Violet irritiert.

»Verzeihen Sie, Miss Mason. Mr Dryden hat mich bereits über die Angelegenheit informiert. Ich habe daraufhin unser Personal antreten lassen und befragt.« Sie trat vor die wesentlich kleinere Mrs Myers. »Verstehen Sie, Ma’am? Ich habe das Personal des Savoy, das nach einem langen Tag seinen Schlaf braucht, aufgeweckt und jeden von ihnen gefragt, ob er Reginald gesehen hätte.« Sie machte eine eindrucksvolle Pause. »Niemand weiß etwas über das Verbleiben Ihres Sohnes, Mrs Myers. Auch July Gilbert nicht.«

Violet schmunzelte. Sie bewunderte Mrs Drake, die sich gegenüber jedermann durchzusetzen wusste. Eines erstaunte Violet allerdings. Wie konnte Mrs Drake behaupten, dass July nichts über Reginald wisse, da sie doch angeblich nicht im Haus war und gar nicht befragt werden konnte? Nahm Mrs Drake ihre Nichte in Schutz? Violet warf einen Blick zu Dryden. Sein Gesicht verriet nichts über den Sachverhalt. Tja, so waren die Leute vom Savoy, dachte Violet, sie hielten bedingungslos zusammen.

* * *

Sir Tyrone breitete eine Wolldecke über das Sofa. »Wird das gehen?«, fragte er fürsorglich.

»Klar, Terry.« Schwungvoll ließ sich July auf das reich verzierte Möbelstück fallen. »Es wäre auch ohne Decke gegangen.«

»Besser nicht. Hier drin ist alles verstaubt, von den Katzenhaaren ganz abgesehen.«

»Und du?« Sie legte den Kopf zurück.

»Ich mache es mir im Sessel bequem.«

Sie räkelte sich. »Ich bin fast ein bisschen froh, dass dieses Schild verrostet war.«

Tyrone trat vor die schweren Brokatvorhänge. »Ich bin die Strecke Dutzende Male gefahren. Ich weiß bestimmt, dass der letzte Bus jedes Mal kurz vor sieben hier hielt.«

»Das war vor sechs Jahren, Terry.«

Nachdenklich zog er die Vorhänge zu. »Ich hatte übersehen, wie viel Zeit seit Tante Merediths Tod vergangen ist.« Es war schon nach neun, aber an diesem Maiabend wurde es einfach nicht dunkel.

»Mir gefällt es hier.«

»Wirklich?« Er trat ans nächste Fenster.

July hatte Geschichten über verzauberte Schlösser immer übertrieben gefunden. Und nun war sie Gast in so einem Schloss. Der gewundene Weg, vom blühenden Ginster in ein prächtiges Farbenspiel getaucht, endete vor einem Anwesen, wie July sie bis jetzt nur aus der Ferne, hinter hohen Mauern gesehen hatte. Ein Herrenhaus mit Erkern und Verzierungen, Türmchen und Karyatiden. Dieses prächtige Gebäude war mit den Jahren von der Natur zurückerobert worden. Geißblatt und Bougainvillea, Knöterich und Efeu, überall kroch und schlang sich der Bewuchs empor. Um zum Eingangstor zu gelangen, mussten sie vom Sturm abgebrochene Zweige beiseiteräumen.

»Terry, das ist wundervoll«, hatte July hingerissen gerufen. »Aber wie kommen wir hinein?« Das Tor, verwitterte Eiche, sah unüberwindlich aus.

Er half ihr, über das Gestrüpp zu steigen, das den Weg rund um das Haus unpassierbar gemacht hatte. »Komm.«

Wie bei den meisten Herrschaftshäusern lag die Küche im Untergeschoss, man erreichte sie über die Kellertreppe. Tyrone ging als Erster, tastete das Gesimse ab und brachte einen verrosteten Schlüssel zum Vorschein.

»Ach du großer Gott«, rief July überwältigt.

Die Küche des Savoy war riesig und bestens ausgestattet. Doch hier unten entdeckte sie, wie man im versunkenen Zeitalter Queen Victorias die Aufgabe gemeistert hatte, für zehn, zwanzig, manchmal hundert Menschen zu kochen. Während der großen Dinners in Häusern wie diesem wurden Aushilfsköche engagiert. Die Jäger brachten das erlegte Wild, die Teichherren die Süßwasserfische aus ihren Gewässern. Die Gemüsegärten lieferten frische Früchte der Saison. Eine Küche auf dem Land musste ihren Menüplan den Jahreszeiten anpassen. Wenn etwas fehlte, konnte man nicht eben auf den Markt oder nach London fahren. Die Kräuter wuchsen in Beeten oder Glashäusern. Die Kühe der Umgebung gaben Milch und Käse. Einzig der Wein stammte nicht von hier. Dafür war das Wetter selbst im milden Surrey zu rau.

July strich durch das versunkene Reich der Genüsse. Sie berührte den mächtigen AGA-Ofen, der Herd und zugleich Heizung für die unteren Stockwerke war. Sie bestaunte die Gerätschaften, die noch an den Wänden hingen oder in den Regalen bereitstanden, Gegenstände, die sie selbst nur aus der Ausbildung kannte. Den Breistampfer, den Milchaufschäumer, die Kartoffelschälmaschine, die mittels Kurbel angetrieben wurde. July hätte stundenlang hier unten bleiben und alles erforschen können, aber Tyrone wollte ihr den Rest des Hauses zeigen.

Es befand sich in einem traurigen Zustand. Das Dach war an mehreren Stellen undicht, große Wasserflecken hatten sich an den Deckengemälden gebildet. Die Tapeten waren abgeblättert, manche Türstöcke eingesunken. Trotzdem erkannte man den einstigen Glanz von Oakwoodhill überall. Hier waren Damen und Herren aus ihren Zimmern über die Freitreppe nach unten gestrebt, Gentlemen im Frack, Ladys in ihren Modellkleidern. Butler und Valets hatten bereitgestanden und hatten Erfrischungen gereicht. Brokat und Samt, Seidentapeten, indische Teppiche, Bodendielen aus Eibenholz, Schränke aus Eiche – vieles davon war noch vorhanden, so manches musste verkauft oder gestohlen worden sein. Doch wie heruntergekommen Oakwoodhill auch wirkte, man spürte die Atmosphäre, man sah die Gesellschaft am Spieltisch sitzen, während ein bezahlter Musiker oder ein begabtes Familienmitglied sie am Flügel unterhielt. Dort lagen sogar noch Notenblätter, auf den Boden hingestreut, vom Wasser aufgedunsen. Das Klavier jedoch schien verschont geblieben zu sein.

July schlug einen Ton an. Er klang voll und warm, nur ein wenig verstimmt.

»Oh, wie schön. Kannst du spielen?«, fragte sie Tyrone.

»Mehr schlecht als recht.«

»Machst du mir die Freude?«

Er hob ein Notenheft auf und spielte ein Stück von Schumann. Julys Verzauberung wuchs mit jeder Minute.

Sie blieben vier volle Stunden in Oakwoodhill, bis Tyrone auf die Uhr sah.

»Wir sollten aufbrechen.«

»Wieso?«

»Der letzte Bus fährt kurz nach sieben. Den müssen wir kriegen.«

Es tat July leid, doch er drängte zum Aufbruch. Sie erreichten die Haltestelle zehn Minuten vor sieben, standen eine Viertel-, eine halbe Stunde da, ohne dass ein einziges Fahrzeug vorbeigekommen wäre. Schließlich trat July vor den ausgebleichten Fahrplan. »Sonderbar. Sieben Uhr, da steht es. Wo bleibt denn nur der Bus?« Sie senkte den Blick. »Oh, Terry, sieh mal.«

Unter dem alten Plan war ein Metallschild angebracht worden. Es gab bekannt, dass aufgrund der Kriegshandlungen alle Busfahrten nach fünf Uhr nachmittags eingestellt würden. Das Schild hatte unter der Witterung gelitten, die Schrift war kaum noch leserlich.

»Aber der Krieg ist vorbei«, rief Tyrone ärgerlich. »Sie müssen doch wieder fahren. Andererseits –« Er seufzte. »Seit das Haus meiner Großtante verlassen ist, macht es wenig Sinn, hier nach Sonnenuntergang einen Bus lang zu schicken.«

»Was machen wir jetzt?«, fragte sie mit einem hoffnungsvollen Lachen in der Stimme.

»Ich weiß nicht. Wir könnten zu Fuß …«

»Ist das nicht zu weit?« Sie zeigt auf ihre Pumps. »Mit diesen Schuhen kann ich nicht gut laufen.«

»Natürlich nicht, entschuldige. In dem Fall fürchte ich …«

Und so erfüllte sich Julys Wunsch. Sie liefen zu Tante Merediths Haus zurück und machten sich im Salon bereit, die Nacht zu verbringen. July fand ein paar Konserven in der Küche, aus denen sie eine einfache Mahlzeit zubereitete. Kerzen gab es genügend, Decken und Plaids ebenfalls. Während sie zu Abend aßen, erzählte Tyrone, wie er sich vorstellte, das Haus in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. July beteiligte sich an seiner Reise in die Welt der Phantasie und schlug Änderungen vor. Dass man zum Beispiel unbedingt einen Fahrstuhl einbauen sollte, damit die Speisen nicht einzeln hochgetragen werden müssten, sondern heiß auf den Tisch kämen. Tyrone versprach, das zu berücksichtigen. Der Abend verstrich, er traf Vorbereitungen für das Nachtlager.

Tyrone zog auch den zweiten Vorhang zu. »Wenn du die ganze Nacht fortbleibst, wirst du im Savoy noch mehr Schwierigkeiten bekommen.«

»Um nichts in der Welt würde ich diesen Abend versäumen. Die Schwierigkeiten sind mir egal.«

»Wirklich?«

Sie setzte sich auf. »So etwas Schönes habe ich noch nie erlebt, Terry. Dinner in einem Schloss. Diesmal bin ich nicht nur für das Essen zuständig, ich darf es auch genießen. Es ist ein herrlicher Abend, Terry.« Sie streckte die Hand aus. »Komm mal her.«

Er trat näher und sah dabei so scheu, so ängstlich aus, dass sie lachen musste.

»Bist du denn nicht gern mit mir zusammen?«

»Doch, natürlich«, antwortete er überrascht.

»Keine Sorge, ich werde nichts unternehmen, das dir unangenehm sein müsste.«

»Unangenehm? Im Gegenteil. Aber ich darf die Situation nicht ausnützen. Du bist mir ja sozusagen ausgeliefert.«

Sie ergriff seine Hand. »Du bist schon was ganz Besonderes, Terry.« July gab ihm einen zarten Kuss.

»Ich bin besonders lebensunfähig. Das meinst du doch? Ich muss dir ja jämmerlich vorkommen.«

»Oh nein.« Sie versuchte kein zweites Mal, einen Kuss von ihm zu bekommen. »Ich bin mit einem Herzog in einem einsamen Schloss. Mir gefällt es, dass du ein Ehrenmann bist und die Lage nicht ausnützt. Aber eins könntest du doch für mich tun.«

»Was denn?«

Wie entzückend er da stand, die Krawatte ein wenig schief, das Haar unordentlich. »Ich möchte, dass du mir noch etwas auf dem Klavier vorspielst. Sonst kann ich nämlich nicht einschlafen.«

Seine Erleichterung war greifbar. »Sehr gern sogar.« Er lief zum Flügel und hob die Noten auf.

»Bitte nichts von den klassischen Sachen. Das ist alles so ernst und bedeutend. Spiel mir irgendeinen Schlager vor.«

»Siehst du, da hast du den Beweis.« Seufzend ließ er sich auf die Klavierbank sinken. »Ich bin aus der Zeit gefallen. Ich kenne keine Schlager.«

»Irgendeinen Song wirst du dir doch gemerkt haben. Im Radio spielen sie so was rauf und runter.«

»Ich höre auch kein Radio.«

»Du bist tatsächlich ein schwieriger Fall.« July schlug die Decke über ihre Beine.

»Moment. Ein Lied weiß ich. Ich kenne es sogar sehr gut. Ich weiß nicht, ob man es Schlager nennen kann, aber ich höre es gern. Vera Lynn hat es gesungen, weißt du noch?«

July schüttelte den Kopf.

Er probierte einige Akkorde, begann zu spielen und mit leiser Stimme zu singen.

There’ll always be an England

While there’s a country lane.

Wherever there’s a cottage small

Beside a field of grain.

July lächelte glücklich und schloss die Augen.