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Berlin-Kreuzberg,
Görlitzer Park,
Mittwoch, 30. Juli, 17:41 Uhr
M it einer raschen Bewegung seines Kopfes nach hinten, die dem Zug des dünnen Drosselwerkzeugs um seinen Hals folgte, verschaffte sich Moewig einige Zentimeter Platz. Und etwas Luft – im wahrsten Sinne des Wortes. Damit hatte der Angreifer hinter ihm nicht gerechnet. Der Zug auf Moewigs Hals ließ deutlich nach. Den gewonnenen Raum nutzte er, indem er die Finger beider Hände zwischen seine Halshaut und das Drosselwerkzeug schob. Blitzschnell zog Moewig beide Oberschenkel an seine Brust und trat dann mit dem rechten Fuß gezielt nach vorn aus. Mit einem Krachen brach die Nase des Mannes, der ihn in diesen Hinterhalt gelockt hatte. Jetzt warf Moewig, beide Hände immer noch zwischen Strangulationswerkzeug und seinem Hals, sein gesamtes Körpergewicht nach vorn und brachte so den Angreifer hinter ihm aus dem Gleichgewicht. Blitzschnell vollführte er eine Vierteldrehung nach links und schlug blindlings mit der linken Faust nach hinten aus. Viel Kraft hatte er aufgrund seiner ungünstigen Position zwar nicht in den Schlag stecken können, aber er traf den Mann, was dieser mit einem Schmerzensschrei kommentierte. Augenblicklich ließ der Zug auf das Drosselwerkzeug, und damit auf Moewigs Hals, nach.
Während sich Moewig atemlos auf die Knie fallen ließ, sah er, wie der Libanese, der ebenfalls auf dem Schotterweg vor der Parkbank kniete, sich beide Hände vor die Nase hielt, aus der ein blutiger Sturzbach herauslief. Allerdings gab er keinerlei Schmerzenslaute von sich. Volltreffer, du Drecksack, dachte Moewig und löste das Strangwerkzeug, das der hinter ihm befindliche Angreifer losgelassen hatte, von seinem Hals. Es war ein dünnes, flexibles Stahlseil.
Der Libanese starrte Moewig aus funkelnden, schwarzen Augen an. Taumelnd kamen jetzt beide Männer, die nicht einmal eine Armlänge voneinander entfernt waren, wieder auf die Beine. »Ibn el Sharmuta! Du Hurensohn!«, brüllte der Libanese.
Als Moewig gerade zum Angriff übergehen und sich auf sein Gegenüber stürzen wollte, traf ihn wie aus dem Nichts ein Schlag auf den Hinterkopf. Stumpf und hart. Moewig geriet ins Schwanken, was der Libanese sofort ausnutzte und ihn mit einem gekonnten Fußfeger – indem er Moewigs Standbein mit einer Art schnell geführtem Beinhaken regelrecht vom Schotterweg wischte – zu Fall brachte. Moewig fiel der Länge nach hin. Wie Käfer, die sich über Aas hermachen, fraßen sich die Steinchen bei dem harten Aufschlag in die Haut seiner Handinnenflächen. Und dann traf der erste Tritt seinen Oberkörper. Das Brechen der Rippe schien durch seinen ganzen Körper zu hallen. Dann der zweite Tritt. Diesmal gewann der Schmerz die Oberhand, die Wirkung des Trittes war diesmal weniger ein Hallen, sondern ein heller, bohrender Stich, als eine weitere Rippe brach. Moewig biss die Zähne zusammen, wollte sich aufrappeln, zurückschlagen. Doch die kräftigen Füße von mehreren Männern hielten seinen Körper am Boden, beschwerten ihn wie Felsblöcke, übten heftigen Druck auf seinen Rücken, seine Arme, seine Kniekehlen und sein Gesäß aus.
»Ihr verdammten Wichser!«, schrie Moewig.
Aber er war der Überzahl der Angreifer völlig wehrlos ausgeliefert.
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