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Berlin,
Treptowers, BKA-Einheit »Extremdelikte«, Sektionssaal,
Mittwoch, 30. Juli, 17:43 Uhr
H err Murau, vielleicht sollten Sie über eine Tätigkeit als Hellseher nachdenken. Es scheint, als hätte der Löwe gerade seine Zähne gezeigt«, sagte Abel, immer noch erstaunt über seine Entdeckung der Löwenkopfgravur auf der Klinge, mit der der Drogendealer aus dem Diesseits ins Jenseits befördert worden war.
Der Österreicher ließ sich von Abel den Dolch reichen. Nach ausgiebiger Betrachtung der Waffe durch seinen Zwickel, den er sich auf der Nase festgeklemmt hatte, legte er sie in eine für Asservate vorgesehene Plastikbox, die auf einem Ablagewagen neben dem Sektionstisch stand, und pfiff durch die Zähne.
»Ein Löwenkopf. Die Symbolik ist wohl unübersehbar«, raunte Murau. Dann blitzte das fachliche Können des Österreichers durch, denn er sagte: »Lassen Sie uns das hier schnell zu Ende bringen, Kollege Abel. Bei der Todesursache werden wir wohl keine große Überraschung erleben, wenn ich mir das ganze Blut im Mund und die Blässe der inneren Organe des Toten so anschaue. Ich tippe jetzt schon auf Blutaspiration in Kombination mit Verbluten. Eine toxikologische Untersuchung, auch seiner Kopfhaare, zur Klärung, ob er nur gedealt hat oder auch Konsument war, leite ich nachher noch bei Fuchs ein. Den Dolch bringe ich im Anschluss an die Sektion direkt hoch zu den Kollegen der Spurensicherung. Nicht nur die Damen und Herren vom LKA 1, sondern auch die Kollegen vom LKA 4, Organisierte Kriminalität, dürften sich freuen, wenn sie noch heute von dieser exklusiven Mordwaffe erfahren und mal einen Blick auf den Löwenkopf werfen können.«
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