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Berlin,
Treptowers, BKA-Einheit »Extremdelikte«, Büro Dr. Fred Abel,
Freitag, 1. August, 15:41 Uhr
I
ch danke dir, Fred«, sagte Sabine Yao und nahm einen Schluck von ihrem Tee, der ein bitteres Aroma verströmte.
»Es gibt nur eine plausible Erklärung: Jemand, den ich nicht kenne, von dem Mailin nie erzählt hat, von dem sie vielleicht auch gar nichts weiß, bewegt sich in meiner Abwesenheit in dieser Wohnung. Punkt.«
»Jemand, der vielleicht Bezug zu deinem verstorbenen Schwager hatte und der eventuell noch einen Schlüssel zur Wohnung besitzt? Ein Familienmitglied?«
»Davon hätte Mailin mir erzählt. Und sie würde es auch definitiv nicht wollen, dass jemand einfach mit einem Schlüssel zu ihrer Wohnung in der Weltgeschichte herumläuft. Nein, das passt nicht zu ihr. Und selbst wenn es so wäre, wenn Thanhs Familie oder einer seiner Freunde noch Zugang zur Wohnung hat, wüsste ich gern, wer diese Person ist.«
Abel dachte kurz nach, dann hatte er eine Idee. »Wir treffen uns nach Feierabend um 18:00 Uhr unten an meinem Wagen.« Er sah Sabine Yaos hoffnungsvollen Blick. »Ich habe einen Plan, wie wir herausfinden können, was da vor sich geht. Aber zuerst muss ich telefonieren und klären, ob sich meine Vorstellungen auch in die Tat umsetzen lassen. Wir sehen uns die Wohnung deiner Schwester gemeinsam an. Und dann will ich schnell nach Hause. Die Clan-
Geschichte nehme ich nicht auf die leichte Schulter. Wir fahren nachher also mit meinem Wagen, damit ich dann direkt weiterkann zu Lisa, okay?«
Sabine Yao stimmte dankbar zu und verließ sein Büro.
Das schulde ich ihr, egal was dabei herauskommt,
dachte sich Abel. Da meldete sich sein Blackberry. Es vibrierte zweimal direkt hintereinander.
Seine Mailbox und eine Textnachricht, von Lisa.
SMS LISA
Bin wieder erreichbar! War im Möbelhaus. Warum, erzähle ich dir heute Abend. Hab deine SMS gesehen. Was ist los? Lisa
Bevor Abel Lisa anrief, hörte er die Mailbox ab. »Fred, hier ist Lars. Die Saads kennen deinen Namen. Sind mächtig sauer auf dich wegen deines Obduktionsergebnisses. Die Sache gerät außer Kontrolle. Die haben mir mein Handy abgenommen, ich stehe hier in einem Telefonshop in Kreuzberg. Ich habe den Löwen gesehen. Bin gerade nicht erreichbar. Ich komme zu dir nach Grünau, in der Hoffnung, dass du bald Feierabend machst und ich dich dort antreffe.«
Ein kalter Schauer lief Abel über den Rücken.
Auch wenn Lars ihm keine echten Neuigkeiten mitgeteilt hatte, wusste er, dass sein alter Freund recht hatte.
Die Sache geriet außer Kontrolle.
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