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Berlin-Grünau,
Wohnhaus von Dr. Fred Abel und Lisa Suttner, Badezimmer,
Samstag, 2. August, 9:17 Uhr
A bel massierte sich mit den Fingerspitzen der rechten Hand die Nasenwurzel, als würde er so seine Hirnwindungen anregen können, ihm die Lösung für Sara Wittstocks Rätsel aus Mailin Zhous Wohnung zu präsentieren. Mit der linken Hand presste er weiter sein Blackberry ans Ohr.
»Die Männer … waren es Asiaten? Dann könnten es Mitglieder der Familie sein. Mailin und ihr Mann sind ja chinesischer Abstammung. Ich meine«, korrigierte sich Abel, »ihr verstorbener Mann war Deutschchinese, genau wie Sabine und ihre Schwester. Vielleicht Cousins, die Sabine nicht auf dem Schirm hat.« Abel hatte die Hoffnung, dass dieser Ansatz vielleicht eine Erklärung für das auf den ersten Blick Unerklärliche liefern würde.
Doch Sara Wittstock zerstörte diese Hoffnung direkt wieder. »Bullshit, Fred. Wer hockt den stundenlang in einem Schrank und räumt darin auf? Nein. Asiaten sind das nicht. Es sind Araber. Libanesen, um genau zu sein.«
Abel ließ die Hand von seiner Nasenwurzel neben seinen Körper hinunterfallen. Ein dunkler Gedanke trieb auf ihn zu wie eine große, graue Gewitterwolke auf ein kleines, weißes Segelboot. Dann nahm der Gedanke Kontur an. Ich ahne etwas. Aber bitte nicht, das kann doch nicht wirklich sein …
Sara Wittstock sprach am anderen Ende der Leitung ungerührt weiter. »Und ich will dir nicht vorenthalten, woher ich das weiß. Ich habe die Fotos meiner Überwachungskameras aus Mailin Zhous Wohnung über das Gesichtserkennungsprogramm laufen lassen. Ich hatte ja viel Zeit, während du ausschlafen musstest. Und weißt du was, ich …«
»Wer ist es? Wer sind die Männer?«, unterbrach Abel die IT-Expertin mit belegter Stimme.
»Einer der beiden ist Abdelkarim Saad«, antwortete Sara Wittstock. »Einer der Köpfe des Saad-Clans. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei über 96,4 Prozent. Damit ist ein Irrtum praktisch ausgeschlossen.«
Abel schluckte. Seine Kehle war schlagartig wie ausgetrocknet. Abdelkarim Saad .
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