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Berlin, Charlottenburg-Westend,
Wohnhaus von Dr. Michael Heumann,
Samstag, 2. August, 11:55 Uhr
W
ie geht es jetzt weiter?« Heumann blickte Okyar aus trüben Augen an.
Als Okyar antworten wollte, vibrierte sein Handy. »Sorry, da muss ich rangehen«, entschuldigte er sich und trat, um ungestört telefonieren zu können, aus dem Wohnzimmer in die geräumige Diele.
»Hallo, Holger«, begrüßte Okyar seinen Kollegen Holger Lass vom LKA 1.
»Tachchen, Tekin, ich habe die Übersetzung der in Arabisch verfassten Botschaft an deinen Doktor, die die Kollegen abfotografiert und rübergeschickt haben. Sie wird dir, und insbesondere Markwitz, nicht gefallen. Gar nicht gut.«
»Spuck schon aus, was steht da?«, fragte Okyar ungeduldig.
»Da steht: ›Das Blut unseres Bruders klebt an deinen Händen. Das Blut von AMIR SAAD. Du bist ein toter Mann.‹«
Okyar bedankte sich, legte auf und kehrte zu Heumann zurück.
Er räusperte sich, wägte die folgenden Worte sorgsam ab. Dann sagte er langsam und gedämpft: »Herr Heumann, der Kollege, der gerade mit Ihrer Frau eine Hausbesichtigung macht, Hauptkommissar Markwitz, ist wie ich vom LKA, allerdings ist er im Fachbereich Organisierte Kriminalität tätig. Sie haben auf dem Papier, das unter dem Hundehalsband steckte, eine Todesdrohung der Familie Saad erhalten, die Markwitz schon seit geraumer Zeit im Visier hat. Wir
gehen davon aus, dass diese Drohung in direktem Zusammenhang mit dem Vorfall in der Rettungsstelle in der Charité in der Nacht vom dreißigsten auf den einunddreißigsten steht. Die Saads sind ein aus dem Libanon stammender Clan, der den Sicherheitsbehörden in Berlin seit einiger Zeit ziemliche Probleme …«
»Ich weiß, wer die Saads sind, Herr Okyar. Ich lebe ja nicht hinterm Mond, und natürlich habe ich die Presseberichterstattung in den letzten Tagen nach dem Vorfall in der Rettungsstelle verfolgt.«
»Gut«, entgegnete Okyar. »Dann kann ich mir diese Ausführungen sparen. Ich werde mich, wenn Kollege Markwitz wieder mit Ihrer Frau zurück ist, mit ihm dazu abstimmen, wie wir …«
»Ich frage Sie jetzt noch mal, Herr Okyar«, unterbrach Heumann ihn ungeduldig ein weiteres Mal. »Wie geht es jetzt weiter? Verschonen Sie mich bitte mit Ihren Plattitüden und Allgemeinplätzen!«
»Nun, Herr Doktor, ich will ehrlich zu Ihnen sein. Sie und Ihre Familie haben ein echtes Scheißproblem«, entgegnete Okyar und beschloss, dem Mann reinen Wein einzuschenken. »Es passiert jetzt Folgendes …«
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