111
Berlin-Johannisthal,
Autobahn 113, Pkw Lars Moewig,
Dienstag, 5. August, 12:51 Uhr
B is vor zehn Minuten hatte Moewig unverrichteter Dinge in der Boddinstraße in seinem völlig überhitzten Wagen gesessen. Trotz der heruntergekurbelten Fenster war kaum frische Luft in den Lada gekommen. Die Hauptstadt ächzte weiter unter der Hitzeglocke. Aber er hatte seinen Beobachtungsposten nicht verlassen, auch wenn er zunehmend bezweifelte, dass Abadi Saad überhaupt zu Hause war.
In den vergangenen zweieinhalb Stunden war alles ruhig gewesen, abgesehen von einer alten Frau, die im Hinterhof, in dem das Mercedes Coupé von Abadi Saad stand, ihren Müll in einem Müllcontainer entsorgte, und einem laut streitenden Paar, das die Vorderseite von Saads Wohnhaus passiert hatte.
Doch dann hatte sein Handy geklingelt. Fred hatte am anderen Ende der Leitung völlig aufgelöst und hochgradig erregt geklungen – so, wie Moewig ihn noch nie zuvor in den über dreißig Jahren ihrer Freundschaft erlebt hatte.
»Lars, wo bist du?«, hatte er mit gepresster Stimme wissen wollen.
»In Neukölln«, hatte Moewig ausweichend geantwortet.
»Du musst sofort zu Lisa nach Grünau fahren!«, hatte Abel daraufhin geradezu panisch gefordert. »Ich werde auch gleich unterwegs sein, aber aus Neukölln bist du wahrscheinlich schneller da als ich.«
»Okay, aber was zur Hölle …«
»Frag nicht. Mach es einfach! Fahr zu Lisa. Es geht um Leben und Tod! Beeil dich!«
Jetzt raste Moewig mit der maximalen Geschwindigkeit, die sein alter Geländewagen hergab, über die Autobahn 113, die in südöstliche Richtung zum Glück relativ frei war. Immer wieder wechselte er die Fahrspur und hoffte inständig, dass er nicht auffallen und von einem Streifenwagen oder Zivilfahrzeug der Polizei angehalten und aus dem Verkehr gezogen werden würde. Sein weißes T-Shirt klebte klitschnass an seinem Oberkörper.
Immer wieder gingen ihm die Worte seines alten Freundes durch den Kopf.
Es geht um Leben und Tod! Beeil dich!
☠ ☠ ☠