112
Berlin-Grünau,
Wohnhaus von Dr. Fred Abel und Lisa Suttner, Wohnzimmer,
Dienstag, 5. August, 12:53 Uhr
I ch verstehe nicht ganz, Herr Okyar. Wozu benötigen Sie mein Handy?«, fragte Lisa misstrauisch, während sie das Glas mit dem Mineralwasser für ihren Gast auf dem Glastisch abstellte.
»Wir befürchten, dass Sie darüber geortet werden könnten. Es ist zu Ihrem eigenen Schutz«, erwiderte der Mann und zeigte auf das Mobiltelefon in Lisas linker Hand.
Lisa betrachtete den Mann – es war nicht nur sein Aussehen, sondern auch der von ihm ausgehende Geruch, der sie alarmierte. Eine Mischung aus süßem Eau de Toilette, dem Leder seiner Jacke und einer weiteren Geruchskomponente, die ihr unbewusst schon an der Tür aufgefallen war, als er an ihr vorbei ins Haus trat. Nicht Zigarettenrauch, eher der Geruch nach einem Lagerfeuer. Ein Geruch, der irgendwie Unheil verhieß.
»Darf ich noch mal Ihren Dienstausweis sehen, Herr Okyar?«
Lisa blickte verstohlen auf ihr Handy, das immer noch locker neben ihrem Körper in ihrer linken Hand lag.
Ich muss den Notruf wählen.
In diesem Moment verknüpften sich zahlreiche Gedanken in ihrem Kopf, und ihr war schlagartig klar, um wen es sich bei dem Mann handelte, der hier in ihrem Wohnzimmer stand. Sie hatte sein Bild schon mehrfach gesehen. Aber trotzdem war sie in die Falle getappt, hatte sich wie eine Anfängerin verhalten.
»Das Handy, du Schlampe!«, brüllte der Mann plötzlich und war mit einem großen Satz direkt neben ihr. Mit einem gezielten Tritt flog das Handy in hohem Bogen durch das Wohnzimmer, landete krachend auf dem Glastisch und rutschte dann über die Tischplatte, von wo es mit einem weiteren Krachen auf dem Fußboden auftraf.
Das Gesicht des Mannes war jetzt nur wenige Zentimeter von Lisas entfernt. In seinen Augen schien pure Boshaftigkeit erwacht zu sein.
☠ ☠ ☠