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Berlin-Grünau,
Wohnhaus von Dr. Fred Abel und Lisa Suttner, Wohnzimmer,
Dienstag, 5. August, 12:59 Uhr
D
er Knall war ohrenbetäubend. Lisa verfolgte aus den Augenwinkeln, wie einer der schweren Holzstühle von der Terrasse durch die große Panoramascheibe ihres Wohnzimmers flog. Nur Sekundenbruchteile später flog ein massiger Körper hinterher. Aber nein, der Mann flog nicht, sondern er sprang, registrierte Lisas Unterbewusstsein, und er riss Abadi Saad zu Boden.
Das Baby muss überleben.
Lisas Augen füllten sich mit Tränen. Trotzdem konnte sie jetzt erkennen, wer sich da auf so ungewöhnliche wie brachiale Weise Zutritt verschafft hatte: Lars!
»Lisa, alles okay?«, rief Moewig.
»Lars!« Lisa schluchzte. Tränen liefen ihr über die Wangen. »Lars, ich bin schwanger! Das Baby darf nicht sterben!«, rief sie mit tränenerstickter Stimme, so laut sie konnte.
In diesem Moment stürzte sich eine Gestalt auf Lars. Neben Lisa auf dem Holzboden entbrannte ein heftiger Kampf. Dumpfe Geräusche, gepresste Flüche, Aufstöhnen.
Das Baby! Ich muss raus hier!
Doch dann, ohne dass sie damit gerechnet hatte, explodierte Schmerz in ihrem Kopf. Ihre linke Schläfe brannte. Etwas Warmes, Klebriges lief ihr über die Stirn in ihr linkes Auge.
Lisa versuchte verzweifelt, sich aufzurichten. Drehte sich
bäuchlings, stützte sich mit den Händen auf dem Parkettboden ab. Doch sie rutschte in ihrem eigenen Blut aus, das von ihrem Kopf in dicken Tropfen heruntertropfte und schon eine Lache auf dem Fußboden gebildet hatte.
Dann wurde ihr schwarz vor Augen.
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