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Berlin-Grünau,
Wohnhaus von Dr. Fred Abel und Lisa Suttner, Wohnzimmer,
Dienstag, 5. August, 13:12 Uhr
A
ls der Streifenwagen in die Wohnstraße in Grünau einbog, fuhr ein Notarztwagen mit eingeschaltetem Blaulicht und Signalhorn an ihnen vorbei. Abel schaute dem immer kleiner werdenden und schließlich in eine Seitenstraße abbiegenden Fahrzeug hinterher. Er überlegte, dass Lisa zumindest am Leben sein musste – wenn sie es war, die sich in dem Notarztwagen befand.
Als sich der Streifenwagen seinem Haus näherte, bot sich Abel eine surreale Szenerie: Vor seinem Wohnhaus standen vier blau-silberne Einsatzfahrzeuge der Polizei, mit eingeschaltetem Blaulicht auf dem Dach. Zudem parkte in der Auffahrt ein Notarzteinsatzfahrzeug. Daneben stand Lars, der sich offensichtlich mit einem Notarzt oder Rettungssanitäter unterhielt.
Als der Streifenwagen mit quietschenden Reifen zum Stehen kam, sprang Abel sofort hinaus und rannte auf Moewig zu, vorbei an einer Gruppe uniformierter Polizeibeamte, die ihn aufhalten wollten, aber von Okyar daran gehindert wurden.
»Wo ist Lisa?«, rief er Moewig zu, der ihm entgegeneilte.
»Lisa geht es den Umständen entsprechend. Du hast sie gerade verpasst. Ist in Begleitung eines Notarztes unterwegs in die Klinik.«
»Ist sie schwer verletzt?«, fragte Abel atemlos.
»Sie hat eine Platzwunde am Kopf, sie war wohl kurz bewusstlos,
aber als sie abtransportiert wurde, wieder bei Bewusstsein. Ich würde mal sagen, Glück gehabt«, antwortete Moewig.
»Warum hast du Verbände an deinen Unterarmen?«
»Weil ich durch deine Wohnzimmerscheibe rein bin. Ist ein ziemliches Chaos da drin. Sorry«, erwiderte Moewig.
»Was ist passiert? Die Kurzversion bitte, ich will so schnell wie möglich zu Lisa in die Klinik«, bat Abel.
»Abadi Saad war bei euch im Haus. Er sitzt jetzt aber warm und trocken.«
Moewig deutete auf eines der Einsatzfahrzeuge, auf dessen Rückbank eine dunkelhaarige Person zu erkennen war. Okyar sprach bereits mit den zwei danebenstehenden uniformierten Polizeibeamten.
»Die Beamten waren ungefähr eine Minute nach mir da. Abadi Saad muss Lisa niedergeschlagen haben, und im Gerangel zwischen mir und Saad hat sie wohl auch etwas abbekommen. Aber nichts Ernstes«, sagte Moewig. Und dann schob er noch nach: »Und hoffentlich nur am Kopf.«
Abel sah seinen alten Freund fragend an. »Wie meinst du das, hoffentlich nur am Kopf?
«
»Das Baby sollte nicht in Mitleidenschaft gezogen worden sein, hoffe ich«, entgegnete Moewig und sah, wie Abel die Gesichtszüge entgleisten.
»Was?«, stammelte Abel.
»Sag jetzt nicht, du wusstest das nicht.«
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