14

Perikles rannte mit Kimon zu seiner Linken einen düsteren Korridor entlang. Die Schilde, die sie vor sich hielten, waren für ein Schlachtfeld gedacht, sodass jedes den nächsten in der Schlachtlinie beschützte. In dem engen Raum blockierten er und Kimon den Korridor komplett. Diejenigen, die hinter ihnen liefen, traten im Vorankommen Türen ein, durchsuchten jeden Raum, brachten jeden um, den sie auffanden. Noch hatten sie keine Vorstellung von der Größe der persischen Besatzung. Sie wussten nur, dass Überraschung ihr Hauptvorteil war – Überraschung, die von Moment zu Moment dahinschwand.

Die Haupttore hatten für irgendeine momentan auf Zypern stattfindende Festlichkeit offen gestanden. Die Pläne hatten sich geändert, als Perikles und Hunderte von Hopliten hindurchgerannt und auf geschockt dastehende Männer und Frauen getroffen waren. Die griechischen Landetruppen waren jenseits der Ringmauern vorgedrungen und mitten in die Feier im inneren Bereich geströmt. Als die persischen Gäste Bronzehelme und die roten Umhänge der rennenden Männer sahen, ließen sie ihre Weinbecher fallen und drängten davon.

Von den hohen Mauern aus waren ein paar Pfeile abgeschossen worden. Aber das zog nur die Aufmerksamkeit der Griechen weiter unten auf sich, sodass sie Männer die inneren Treppen hinaufschickten, um die Angreifer zu verfolgen. Für die persische Garnison waren gleich ein Dutzend Dinge schiefgegangen, aber Krieg war niemals fair. Sie hatten sich auf Zypern, weit weg von der ägäischen Flotte, in Sicherheit gewogen. Das hatte sich als schrecklicher Fehler herausgestellt.

Als Perikles zum Ende des Korridors rannte, hob ein Trupp von Persern dort seine Schilde an, die leicht waren, aber aus robustem Weidengeflecht bestanden. Die Männer schienen nicht auf eine Flucht aus zu sein. Perikles hatte kaum Zeit zu begreifen, was vor sich ging, ehe er bereits seinen eigenen Schild gegen ihre schmetterte, wobei er Kimon zu seiner Linken beschützte. Er holte mit dem rechten Arm aus und hackte abwärts, aber sein Schwert fing sich in einem Balken über ihm. Perikles riss an seiner Waffe, und nur der enge Korridor und die allgemeine Verwirrung retteten ihm das Leben. Einer der persischen Wachmänner zuckte vor einem Hieb zurück, der nicht kam, erholte sich von dem Schreck und versuchte, sein Schwert über den breiten Hoplitenschild hinwegzustoßen. Das war der Nachteil von Kämpfen in beengten Räumen! Panik durchfuhr Perikles, als er an dem Schwertgriff riss und den Halt verlor. Sein Gegner wirkte in diesem Moment langsam, sodass er die Klinge lassen konnte, wo sie feststeckte, und stattdessen nach dem Kopis in Kimons Gürtel griff. Er riss ihn aus der Scheide.

Die kurze spartanische Klinge war an diesem Ort eine viel bessere Waffe. Das Gewicht in seiner Hand zu fühlen war, als sei er nach Hause gekommen. Perikles schlug damit um sich und erwischte einen Mann am Kiefer, den er ihm teilweise abhieb. Blut spritzte über sie beide, und der Perser fiel mit einem schrillen Schrei. Zwei weitere Wachen stießen mit ihren Speeren nach Perikles und schnitten Bronzesplitter von seinem Schild ab, als er sie blockte und Kimon rettete. Er begrenzte sich auf Hiebe um den Schildrand, fand Schienbeine, Füße, Hände, was auch immer er erreichen konnte. Die Perser waren tapfer, aber sie waren unterlegen. Als ihre Wunden ihnen Willen und Kraft stahlen, fielen sie zu Boden oder stolperten davon.

Kimon und Perikles schlichen vorwärts. Hinter ihnen hatte das nächste Paar Krieger wider alle Vernunft an diesem Ort seine enormen Doryspeere erhoben. Trotzdem waren sie erfahrene Männer. Wie Epistatai, die der ersten Schlachtlinie folgten, benutzten sie die blattförmigen Speerspitzen, um sie vorwärts zu stechen und wieder zurückzuziehen. Es machte die Vierergruppe zu einer Mauer mit sich bewegenden Spitzen, die stetig voranrückte. Die Perser konnten sich nicht gegen eine von ihnen verteidigen, ohne von einer anderen getroffen zu werden.

Perikles war sich nicht sicher, ob er und Kimon schneller geworden waren oder ob seine durch den Kampf geschärfte Sinneswahrnehmung es ihm so vorkommen ließ. Eine Weile fühlte es sich an, als ob sie nicht angetastet werden konnten. Er hackte seine Kopis in den Hals eines anderen Mannes und riss sie zurück. Der Ausdruck des Mannes wies ebenso viel Überraschung wie Furcht oder Schmerz auf. Es fühlte sich mehr wie ein Gemetzel als ein Kampf an. In diesem Moment spürte Perikles, wie eine Klinge ihn an der Brust erwischte, an seinem Knochen rieb und dann durch sein Fleisch abglitt. Schmerz blitzte auf wie Feuer und verschwand so rasch, wie er gekommen war. Sein Gegenschlag war schnell und schonungslos, er trennte die Hand desjenigen ab, der nach ihm gestochen hatte. Die Kopis war ein Schlachterbeil, das mehr nach Kraft und Geschwindigkeit verlangte als nach Geschick. Perikles bewegte sich mit ihr wie ein schnappender Wolf. Er und Kimon trampelten Perser nieder, im Vertrauen darauf, dass diejenigen hinter ihnen deren Hälse durchtrennten und sicherstellten, dass sie nicht wieder aufstehen würden.

Perikles hielt seinen Schild empor, als noch mehr Wachen aus dem Raum am anderen Ende des Korridors drängten. Die Bronzescheibe selbst war eine Waffe, die er in die Gesichter der Angreifenden presste und dabei gegen Hände krachte und deren Griff erschütterte. Mit dem Rand oder dem Schildbuckel in der Mitte stieß er zu. Zum ersten Mal begriff Perikles, warum die athenischen Kampfübungen so viel Boxen mit einschlossen. Kimon keuchte schwer. Doch Perikles atmete noch immer regelmäßig – ein Sohn, der von Xanthippos ausgebildet worden war. Sein Schwert lag leicht auf einem Arm, der gut tausend Stunden lang Stöße ausgeführt hatte.

Perikles fühlte, wie sein Körper Hitze in Wellen abgab. Die Luft schien zu glitzern, sich mit dahinziehenden Fäden aus Licht vor seinem Gesichtsfeld zu winden. Er wusste, dass er getroffen worden war. Es blieb keine Zeit, die Wunde zu untersuchen, aber ihm war schwindlig, und etwas Kaltes floss die Vorderseite seiner Tunika hinab. Die Perser trugen dunkle Rüstungen aus getäfelten Emaillestreifen, die auf Stoff befestigt waren. Er stellte fest, dass seine Kopis sie nicht durchdringen konnte, wenn er auch die Männer mit jedem Stoß zusammenzucken ließ.

Etwas traf ihn am Bein. Als er einen Blick nach unten warf, sah er, dass Blut aus einem Schnitt an seiner Wade strömte, als würde es sich über den Rand eines Bechers ergießen. Sein Bein fühlte sich plötzlich schwach an, und mit jeder Bewegung spritzten Tropfen zu Boden. Er hatte jedoch keine Schmerzen, wofür er dankbar war. Kimon schien etwas zu schreien und an ihm zu zerren. Der Boden bestand aus poliertem Holz, wie er bemerkte.

Einer der Perser krachte gegen seinen Schild und schlug ihn gegen sein Gesicht. Aus irgendeinem Grund schmerzte ihn das mehr als die ernsthafteren Verletzungen, was seinen Ärger verschärfte. Perikles hieb die Kopis gegen den Schwertgriff eines Mannes und wurde mit einem Schrei belohnt. Abgetrennte Finger flogen durch die Luft. Die Waffe fiel zu Boden, und Perikles grinste mit frischem Blut auf den Zähnen.

Innerhalb eines Hauses anstatt im Freien zu kämpfen fühlte sich an wie ein Traum. Der gesamte Plan hatte sich geändert, als sie die Tore einfach offen vorgefunden hatten. Pausanias und seine Spartaner hatten den Angriff gegen die dortigen Wachen geführt und sie niedergehauen, bevor sie überhaupt begriffen hatten, was geschah. Der Schock hatte die Perser gelähmt, und Hopliten waren durch die Menschenmenge gelaufen und hatten kaum ihre Schritte verlangsamt, als sie die Innenhöfe durchquert und Treppen erstiegen hatten. Die Festung war eine Stadt für sich, ein Ort mit mehr Räumen, Hallen und Säulengängen, als sie vermuten konnten. Perikles hatte keine Ahnung, wo in der Ansammlung von Gebäuden und Palästen er sich befand, auch nicht, welche Rolle er bei dem gesamten Angriff spielte. Er hoffte nur, dass sich ihre komplette Streitmacht nicht in kleine Scharmützel verbiss, während der Hauptteil der persischen Truppen sich versammelte, um wie ein Wintersturm über sie herzufallen.

Im Gegensatz zu denen, die sich ihm entgegenstellten, ermüdete er nicht. Die Wachen, auf die er traf, waren die letzten in diesem Teil der Festung, und vermutlich die ältesten. Er konnte das Grau in ihren Bärten und das Gold an ihren Handgelenken und um ihre Hälse sehen. Während ihre Arme ermatteten, führte Perikles die Kopis in einem unermüdlichen Angriff gegen Fleisch und Knochen. Er schnitt in den Knöchel eines Mannes, als er sich unter seinem Schild ducken musste, um sich zu schützen. Der Perser stürzte mit einem Schrei, der irgendwie wegen des Schocks, der in ihm mitschwang, besonders entsetzlich war. Perikles ließ sich auf ein Knie nieder, um ihn zu töten, während ein weiterer Mann über seinen Schild zu klettern begann. Trotz des Gewichts kam Perikles, getragen von Jugend, Stärke und Willen, auf die Beine.

Kimon grunzte, als er knapp einem tödlichen Schlag entging. Der Perser, auf den er als Nächstes traf, war besonnen genug, um den griechischen Schild zu verhaken und ihn zur Seite zu reißen. Es war eine geschickte Bewegung, und der darauf folgende Ausfall erwischte Kimon, der sich verzweifelt zur Seite drehte, entlang seiner Rippen. Die Wunde brannte wie Feuer, obwohl es besser war, als aufgespießt zu werden. Er tötete den Mann, der sie ihm zugefügt hatte, mit einem geraden Hieb, bei dem er sein rechtes Bein nach vorn verlagerte. In diesem Moment endete das Gefecht. Eine eigenartige Stille brachte sie alle dazu, sich argwöhnisch zu ducken, bereit für einen weiteren Angriff.

Die letzte der Wachen lag reglos am Boden, als Kimon und Perikles zu den weiteren Räumen vorrückten. Beide schnauften, sie waren schmutzig vor Staub und Öl und Blut, aber sie standen mit erhobenen Klingen und Schilden.

In dem Raum befanden sich zwei Frauen und ein Mann. Der Mann war anstatt einer Rüstung in feine Seide und einen Umhang gekleidet, trotzdem stand er mit einem juwelenbesetzten Schwert in Händen vor denen, die er beschützte. In seiner Miene lag Zorn, aber auch eine gewisse Berechnung, als er sah, wie übel sie zugerichtet waren. Es war deutlich erkennbar, dass er sich nicht ergeben würde.

Kimon warf Perikles einen Blick zu, und seine Augen weiteten sich beim Anblick der Blutspur, die der junge Athener hinter sich herzog. Perikles war schwer verletzt, wenn es ihm auch nicht aufzufallen schien. Hinter ihm betraten zwei weitere Hopliten den Raum. Ohne den Befehl dazu erhalten zu haben, teilten sie sich auf und hielten ihre Schwerter über die Ränder ihrer Schilde, als sie dem einzigen anwesenden Gegner entgegentraten. Draußen winkte irgendein Keleustes oder Trierarch eine weitere Gruppe den Korridor entlang. Er steckte kurz den Kopf in den Raum, seine Miene eine wortlose Frage.

»Wir haben das hier im Griff«, sagte Kimon.

Das Gesicht verschwand wieder, und mit rasselndem Waffenlärm rannte ein großer Andrang von Männern vorbei, die nach mehr Gegnern Ausschau hielten.

»Leg dein Schwert nieder, oder du wirst umgebracht«, sagte Kimon. Seine Stimme war so laut und deutlich, als würde er zu einem Kind sprechen.

Das Gesicht des Persers wies nur Verwirrung auf. Perikles begriff, dass er wahrscheinlich kein Griechisch verstand. Dennoch hatten sie einige Worte auf Persisch gelernt.

»Teshlam?«, fragte Kimon, der das fremdartige Wort ausprobierte. Es klang schwerlich nach einer Aufforderung, sich zu ergeben.

Der Mann runzelte die Stirn, senkte aber nicht seine Klinge. Eine Welle an Schwindelgefühl durchfuhr Perikles. Als sei er von hinten gestoßen worden, machte er einen Schritt, um wieder fester auf den Beinen zu stehen. Der Perser stieß einen Schwall Worte hervor. Kimon trat mit Schwert und Schild in Händen vorwärts, im Begriff, ihn niederzuhauen.

Eine der Frauen hob ihre Hände mit ausgestreckten Handflächen. »Bitte … hört auf«, sagte sie in gebrochenem Griechisch. »Mein Bruder spricht nicht. Wir gehorchen.«

Sie schickte ihren Worten einen Strom von Persisch hinterher. Der Mann blickte über die Schulter zurück und schnappte eine ärgerliche Erwiderung. Sie wartete nur ab, und er warf sein Schwert verächtlich zu Boden. Es klirrte auf den Fliesen und schlitterte auf Kimon zu.

»Königlicher Hof … Achämeniden«, fuhr die Frau fort. Ihr Akzent war merkwürdig, aber Perikles stellte fest, dass er sie verstehen konnte. »Du Belohnung … wenn unversehrt.«

Perikles musterte sie. Der Raum schien heller zu werden. Es stimmte, ein Fenster auf der anderen Seite, dessen Vorhänge sich im leichten Wind bauschten, wies nach Osten. Er hatte sowohl über die Zeit wie auch die Himmelsrichtung den Überblick verloren, und der Raum prallte irgendwie mit Erinnerungen an Blut und die Toten zusammen. Er fühlte sich elend und ihm schauderte. Der Boden bestand aus polierten Fliesen, und da war ein großes Bett, Frisiertische, sogar ein polierter silberner Spiegel, der das Licht einfing. Er konnte eine Bewegung in ihm erkennen, als er mit einer Hand vor und zurück winkte und eine Reflexion sah. Die Oberfläche war unglaublich schön. Ging die Sonne auf? Ja, das tat sie.

Zuvor hatte Perikles der Frau keine echte Beachtung geschenkt, aber die Wirklichkeit war erstaunlich. Ihre Augen waren riesig und dunkel, und sie beobachtete ihn. Ihr Mund … Er erinnerte sich, dass er ein frisch verheirateter Mann war. Sie trug eine Art blassblauen Seidenflor in mehreren Lagen, der verbarg, was auch immer sich darunter befand, aber ihre Jugend und ihre Schönheit waren dennoch offensichtlich. Die Luft selbst war parfümiert, wenn es nicht die Blumen waren, die sich in der Sonne öffneten. Er stolperte einen weiteren Schritt.

»Ich glaube, dein Freund fällt gleich«, sagte die Frau. »Bitte töte nicht … wenn er fällt. Wir sind Gefangene. Ich schwöre Wort … Eid, als Tochter der Achämeniden.«

Kimon blickte zu Perikles hinüber. »Geht es dir gut?«, fragte er.

Der Perser, der das Schwert zu Boden geworfen hatte, sagte etwas in einem Ton, der genauso ärgerlich wie zuvor war. Kimon betrachtete ihn einen Moment lang, bevor er seinen Kopf schief legte und die Frau ansprach. »Sag deinem Bruder, dass er still sein soll, oder ich töte ihn.«

Sofort wiederholte sie seinen Befehl. Ihr Bruder starrte wütend und fuhr sich mit der Hand durch sein Haar, sagte aber nichts mehr.

»Fesselt sie«, sagte Kimon zu den beiden Hopliten hinter ihm. Während er sprach, fiel Perikles krachend längs auf den polierten Boden.

 

Aristides verspürte leise Befriedigung, als sein Kriegsschiff in die schmale Bucht fuhr. Tatsächlich lag dort ein Schiff vor Anker, das an einem steinernen Kai vertäut war. An Deck war Geschäftigkeit sichtbar. Gerade als die Ruderer sein Schiff über den Zugang zur Bucht steuerten, legte das Fahrzeug ab. Leinen wurden zurück ans Ufer geworfen, und ihre eigenen Ruder rasselten heraus und stießen sie vom Kai ab.

Von einem Moment zum anderen änderte sich etwas, zweifellos, weil sie sahen, dass das griechische Schiff ihre Flucht blockierte. Aristides, der an den Spartaner dachte, lächelte. Er würde sicherstellen, ihm von dessen Irrtum zu erzählen, wenn sie sich das nächste Mal trafen. Er fand, dass Lektionen niemals verschwendete Zeit waren.

Mehrere Momente lang überlegte sich Aristides in gut gelaunter Stille seinen nächsten Zug. Es gab nicht genügend Platz für den Feind, um an ihm vorbeizufahren oder zu entkommen. Sie waren so sicher gefangen, als hätte er sie mit sich vertäut. Er hörte, wie auf Persisch Befehle gerufen wurden, und runzelte die Stirn, als das Schiff sich wieder langsam zurück in Richtung Kai zu bewegen begann. Wer auch immer es befehligte, hatte eingesehen, dass ihre Lage hoffnungslos war. Vielleicht versuchten sie dennoch zu fliehen. Die Dämmerung würde es ihnen erschweren, aber Zypern war eine riesige Insel. Jemand, der sie gut kannte, konnte womöglich doch in ihr verloren gehen.

»Steuermänner!«, rief Aristides zurück. »Bringt uns zwischen den Kai und das Schiff!«

Es war ein heikles Manöver, aber sie hatten Vorwärtsgeschwindigkeit, und das Wasser war wie Glas. Ehe der Perser mehr machen konnte, als die Ruder einzutauchen und rückwärtszufahren, glitt die athenische Trireme bereits längsseits und schrammte an ihr entlang. Die Ruder wurden wie als Reaktion auf einen Stich eingezogen, ehe sie abrasiert werden konnten. Es war eine umsichtige Entscheidung. Die aneinander schleifenden Schiffe kamen zu einem Halt. Die wenigen Männer, die noch am Kai verblieben waren, flitzten davon.

»Enterer!«, rief Aristides.

Er hatte zwanzig Hopliten bereitstehen, um hinüberzusteigen. Seine Männer drängten vorwärts, als die andere Mannschaft sich mit erhobenen Händen zeigte.

»Artabazos von den Achämeniden ergibt sich euch«, rief eine Stimme auf Griechisch, »ehrenhaft und ohne Arglist. Ihr habt sein Wort auf seine Unterwerfung.«

Aristides kannte den Namen. Er fühlte, wie sich ihm bei der Erinnerung an einen anderen Tag auf der Ebene von Platäa, an dem überall Staub herumgewirbelt war, dem der Geschmack von Tod angehaftet hatte, die Kehle zusammenschnürte. Er gab seinen Hopliten ein Zeichen, hinüberzugehen, und sie gelangten ohne Gewaltausbruch auf das andere Deck, wo sie Stellung bezogen. Aristides beäugte zweifelnd die schmale Lücke zwischen den beiden Schiffen, aber er schloss sich ihnen an und sah sich nach demjenigen um, der gesprochen hatte.

Er fand den Mann, der in einer Geste der Ehrerbietung mit dem Gesicht am Boden lag. Der Übersetzer war natürlich nicht von Bedeutung. Nur der persische Herrscher, der über ihm stand, zählte. Artabazos war im Vergleich zu seinen Landsmännern sowohl klein als auch ziemlich rundlich. Aristides erkannte, dass er ihn tatsächlich schon zuvor gesehen hatte, wie er an jenem Tag andere kommandiert hatte.

»Du bist Artabazos?«, fragte er.

Der Übersetzer wiederholte die Worte auf Persisch, und der kleine Mann nickte. Seine Augen waren dunkel, ob vor Kummer oder Wut, war schwer zu sagen. Artabazos fuhr fort, seinen Kopf zu schütteln, als könne er nicht glauben, was geschah. Im Vergleich zu ihm fühlte Aristides sich eher herzlich.

»Mein Leben wird dir ein Vermögen einbringen«, sagte Artabazos, »aber nur, wenn ich gut behandelt werde.«

Der Übersetzer erhob niemals den Kopf, während er die Worte seines Herrn wiederholte, daher war seine Stimme gedämpft. Aristides lächelte. Artabazos war mit dem Großkönig selbst nach Griechenland gekommen, mit der Horde der Unsterblichen, der Reiterei, mit einer Heerschar, um die Hellenen zum Zittern zu bringen. Aristides fühlte die Genugtuung, ihn so herabgesetzt zu sehen, wie guten Wein in seinem Magen.

»Ich nehme deine Unterwerfung an, Artabazos«, sagte er genüsslich. »Du bist mein Gefangener.«

Artabazos verbeugte sich tief, als der Übersetzer die Worte ins Persische übertragen hatte. Aristides rieb sich nachdenklich das Kinn.

»Du, sag deinem Herrn, dass ich gerne seine Erinnerungen an Platäa hören will.«

Er wartete, während Artabazos lauschte und etwas in offenkundiger Überraschung erwiderte.

»Du warst damals zugegen?«, fragte der Übersetzer.

»Ich hatte den Befehl über die Hopliten von Athen«, erwiderte Aristides in absichtlich nüchternem Ton. Zu seiner eigenen Überraschung verbeugte sich Artabazos erneut, als er verstand.

»Du hast gut gekämpft«, murmelte der Übersetzer, als sei er sich seiner Worte nicht sicher. »Nur der Anführer der Spartaner leistete mehr an diesem Tag.«

Aristides fühlte, wie sein Lächeln bei dem Gedanken an Pausanias breiter wurde, bis es Zähne zeigte. »Er ist ebenfalls hier. Ich werde dich ihm vorstellen, Artabazos.« Er wurde damit belohnt, dass der Mund des Mannes wie der eines Fischs aufklappte und sich wieder schloss, und er lachte leise. »Ich kann mir vorstellen, dass Pausanias alles hören will, was du zu sagen hast.«