Ephialtes schäumte vor Wut, während er auf Deck seines Schiffes auf und ab lief. Er konnte die verdammte Insel Delos sehen. Sie lag gerade vor dem Bug seiner Trireme, als sie den Anker fallen ließ. Er konnte auch die Reihe von Hopliten – Athenern! – sehen, die an den Kais standen und es ihm verweigert hatten, an Land zu gehen. Die sich sogar geweigert hatten, seine Autorität als Strategos zu akzeptieren. Sie hatten ihn vor seiner Mannschaft erniedrigt, Männer, die mit einem neu eingesetzten Strategos zur See gegangen waren und sich für den Rest ihrer Leben daran erinnern würden.
Drei Wochen lang waren er und seine Kapitäne von Insel zu Insel gerudert oder gesegelt und hatten athenische Stellungen oder Mitglieder des Bundes inspiziert. Er war wie ein König auf Staatsbesuch empfangen worden, was völlig gerechtfertigt war. Als einer der Strategoi war Ephialtes die Volksversammlung. Seine Person repräsentierte die Macht und die Reichweite der gesamten Stadt Athen und jedes einzelnen Mannes, jeder Frau und jedes Kindes innerhalb ihrer Mauern. Auf diese Art nahm er es entgegen, wenn sie sich vor ihm verneigten, nicht mit Eitelkeit, sondern als alle diese Leute gemeinsam. Er führte immerhin deren Ehre mit sich.
An eben diesen Docks von Delos zurückgewiesen zu werden, war eine Beleidigung von ähnlichem Grad. Er war nicht für sich selbst wütend, wenn ihm auch der Lochagos-Offizier überhaupt keinen Respekt erwiesen hatte. Als Ephialtes dem Mann seinen Titel genannt und sein Recht erklärt hatte, die Insel zu betreten, hatte der nur die Schultern gezuckt und vom Kai gespuckt.
Diese Beleidigung würde er nicht auf sich sitzen lassen. Dennoch hatte ihm die Volksversammlung nur das reine Minimum an einer Mannschaft und nur ein Dutzend eigener Hopliten gewährt, alle so frisch und grün, wie er es als Strategos war. Nur einer der Soldaten hatte Kriegserfahrung, und dieser war zum Befehlshaber über die anderen ernannt worden. Oh, sie waren geübt genug, und sie sahen aus, als könnten sie mit Speer und Schild umgehen, aber das änderte nicht die Realität: Die Hopliten, die zur Bewachung von Delos abgestellt waren, waren seinen zahlenmäßig vier zu eins überlegen. Ephialtes nahm auch an, dass diejenigen, die eine riesige Schatzkammer bewachen sollten, Veteranen waren. Als er zu ihnen hinüberstarrte, fand er, dass sie jedenfalls so aussahen. Ihre Schilde und Rüstungen glänzten, aber sie waren alles andere als neu. Sie sahen wie Ausrüstungen aus, die jemand mit zwanzig Jahren im Feld tragen würde, jedes geerbte Stück sorgfältig poliert.
Sie waren auch keine Männer, die man mit einer nächtlichen Landung überraschen konnte. Am Nachmittag hatte er verwirrt mitangesehen, wie sie auf einem Hügel landeinwärts vom Hafen ein Signalfeuer entzündet hatten. Als Antwort darauf war ein Paar voll bemannter Triremen von der anderen Seite von Delos hergefegt gekommen. Sie hatten es gewagt, seine Ruder zu zerschmettern, als sie zu dicht an seinem Schiff vorbeigezogen waren, um einzuschätzen, was für eine Gefahr er darstellte. Ephialtes wurde rot im Gesicht, als er sich an die Dinge erinnerte, die sie herübergerufen hatten. Seemänner waren ein grobschlächtiger Haufen, und obwohl er sich selbst einredete, dass er die gewöhnlichen Menschen liebte, mochte er ihre Schlagfertigkeit nicht, wenn sie gegen ihn selbst gerichtet war.
Sie würden ihn auf keinen Fall an Land gehen lassen, so viel war sicher. Ephialtes blickte bei dem Gedanken in die sinkende Sonne und erbleichte bei dem Anblick von noch viel mehr Schiffen, die am Horizont auftauchten. Waren sie ebenfalls durch das Signalfeuer herbeigerufen worden? Er konnte die Segel vor den Schiffsrümpfen erkennen, so als ob die Flotte einen Hügel erklimmen würde. Es war immer so, wenn ein Schiff von weit weg gesichtet wurde, und er begriff nicht, warum. Was vor allem zählte, waren Zahlen, die Seemacht einer Flotte – und die sofortige Schlussfolgerung daraus. Es gab in diesem Jahr nur eine Seemacht mit so vielen Schiffen. Seine anfängliche Panik bei dem Gedanken an die Perser wurde durch Verärgerung ersetzt. Kimon. Natürlich steckte Kimon hinter der sturen Weigerung der Hopliten auf Delos, den aggressiven Kapitänen der Triremen, die wie Libellen über das Wasser schossen und seine Mannschaften langsam aussehen ließen. Bestimmt war Kimon derjenige, der für die Erniedrigung eines ordentlich eingesetzten Repräsentanten der Volksversammlung verantwortlich war.
»Da sind sie, wie herbeigerufen«, verkündete Ephialtes jedem Mitglied seiner Mannschaft in Hörweite. »Wenn sie ankommen, werde ich Kimon als einem Mitstrategos von Athen gegenüber natürlich meinen Unmut kundtun.«
Er sah sich um, aber seine Offiziere, die sich über die bevorstehende Anwesenheit der Flotte im Klaren waren, liefen alle geschäftig umher. Sie schienen seine grandiose Bemerkung nicht gehört zu haben. Ephialtes überlegte, noch mehr zu sagen, aber sechs seiner Hopliten rasselten an Deck und standen stramm, während der Keleustes überprüfte, ob jeder Teil des Schiffes einer Überprüfung standhielt. Sie waren alle nervös, wie Ephialtes mit einem höhnischen Lächeln feststellte. Es war erbärmlich, wie Menschen sich in der Gegenwart von anderen erniedrigten. Wenn sie es nicht täten, könnten sie als Gleichgestellte bestehen, da war er sich sicher.
Für lange Zeit stand er mit leicht gespreizten Beinen und verschränkten Armen da, während die Sonne ihren Abstieg in Purpur und Grau begann und die Flotte des Bundes über tiefe Wasser näher ruderte. Der Rauch des Signalfeuers verblasste vor dem Abendhimmel, und sie schienen bei ihrem Näherkommen keine Eile zu haben. Es wehte nur ein leichter Wind von der Insel fort, als sie um seine Schiffe herum und überall an dem Teil der Küste vor Anker gingen.
Ephialtes sah es mit an und verbarg seine Ehrfurcht angesichts ihrer Anzahl. Es mussten dreihundert Schiffe sein – und die Götter mochten wissen, wie viele Zehntausende Männer ihre Mannschaften zählten! Zuletzt hatte er sie an den riesigen Steinkais von Piräus bei Athen gesehen, wo viele von ihnen gebaut und zu Wasser gelassen worden waren. Das Ausmaß des Hafens hatte dort gut genug zu ihnen gepasst. Vor Anker um die Insel Delos jedoch erschienen sie wie ein viel größeres Unternehmen, ein Flotte von massiver Stärke und Seemacht, eine schwimmende Nation.
Ephialtes breitete seine Arme aus. Seine drei Schiffe hatten sich wie Schwerter auf See angefühlt, als er Piräus verlassen hatte. Er hatte mitangesehen, wie die Wellen sich zu Gischt brachen und die Ruder mit einer Art wildem Vergnügen ins Wasser bissen, aber das Gefühl verließ ihn nun. Die Flotte umringte ihn und ließ ihn in ihrer Mitte verloren gehen. Wo auch immer er hinschaute, konnte er Männer sehen, die Decks schrubbten und sie mit Eimern voll Seewasser, die an Leinen hochgezogen wurden, abspritzten. Er wandte das Gesicht von ein paar sehr bleichen Hintern ab, die sich über die Bordwand in den Wind hängten. Schon in seinen wenigen Wochen auf See hatte er gelernt, dass die meisten Männer ihre Notdurft verrichteten, wenn die Schiffe in Bewegung waren. Ihre Kapitäne zogen es vor, nicht von auf den Wellen wippenden Kothaufen umgeben zu sein, wenn sie vor Anker lagen. Doch es gab immer ein paar, die von Beschwerden heimgesucht wurden. Ephialtes beobachtete sie, nur einen Teil in einem außergewöhnlichen Treiben von Tausenden, der seine Gegenwart völlig zu übersehen schien. Er fühlte, wie ein langsamer Ärger in ihm wuchs. Er war ein Strategos von Athen! Zumindest hätte Kimon ein Boot nach ihm ausschicken lassen können.
Ephialtes konnte sehen, dass sein Kapitän versuchte, seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Er hatte keine Antworten für ihn und vermied seine Blicke. Mit nur ein wenig Glück würde der Mann ihn als ernst und unnahbar sehen, eine Gestalt, die es zu bewundern galt, während er darauf wartete, seine Gegenwart anzukündigen. Wo war das Boot für ihn? Kimon konnte ihn doch bestimmt nicht übersehen haben. Es sei denn, es war eine absichtliche Beleidigung. Das würde ihn von einem adligen Sohn nicht überraschen. Die Eupatriden waren für ihre Auseinandersetzungen um Macht und Autorität berühmt. Oft waren sie gegenüber den ihren grausamer als gegenüber denen, die sie als geringere Menschen betrachteten. Bei dem Gedanken daran biss Ephialtes die Zähne zusammen und stand aufrecht. Wenn das ihr Spiel war, dann hatte er ein oder zwei eigene parat.
Als sich völlige Dunkelheit herabgesenkt hatte und die Flotte zur Ruhe gekommen war, schickte Kimon ein Boot. Sobald sie ihm unter die Augen gekommen war, hatte er über die kleine Gruppe von Schiffen vor Delos mit all dem Interesse eines Wachhundes, der Eindringlinge ausgemacht hatte, Bescheid gewusst. Dort befand sich schließlich die Schatzkammer des Bundes. Das Signalfeuer auf dem Hügel hätte wie ein Hilferuf aussehen können, aber es war beinahe das Gegenteil. Kimon hatte zwei Schiffe bei Delos stationiert sowie eine große Streitmacht auf der Insel selbst. Ein einzelnes Rauchsignal war nur dazu da, die Gegenwart eines Fremden anzukündigen. Priester baten ein Dutzend Mal im Jahr darum, den Geburtsort von Apollo und Artemis aufsuchen zu dürfen, und der Rauch kündigte ihr Auftauchen an. Eine zweite Rauchfahne, abgesondert von der ersten, hätte eine ernsthafte Bedrohung bedeutet. In dem Fall hätte Kimon die Ruderer zur Erschöpfung angetrieben, um sie herzubringen.
Die Anzahl und Einteilung der Streitkräfte auf Delos war eine von tausend Aufgaben, die ihm jeden Monat auferlegt wurden. Natürlich war dies der Grund, weshalb ein Nauarch höherrangige Offiziere einsetzte, denen er vertrauen konnte. Xanthippos hatte das für Kimon getan, als die Perser einmarschiert waren, und sich in der Mitte des Kampfgetümmels auf ihn verlassen. Kimon blickte den Sohn dieses Mannes an und grinste bei sich. Perikles entwickelte sich gut, und diese Schultern konnten ein wenig mehr Gewicht aushalten. Seine eigenen kamen bestimmt mit etwas weniger zurecht.
Perikles war herübergekommen, als sein eigenes Schiff geschrubbt, geschmirgelt und wieder in Ordnung gebracht wurde. Hölzerne Schiffe mussten beinahe ständig überholt werden, und jeder Tag brachte im Turnus neue Aufgaben, von der Reparatur eines gesplitterten Masts bis zu dem endlosen Einölen. Die Sonne und die See schienen einem Kriegsschiff jedes Öl abzuziehen, sodass jede Planke und Stufe neu in Öl eingeweicht werden musste.
Perikles war in ein leises Gespräch mit seinen Begleitern vertieft, als Kimon bereits lächelnd über Deck schlenderte. Kimon genoss besonders die Gesellschaft von Anaxagoras und Zenon. Anaxagoras hatte keine Zeit verschwendet, eine athenische Frau zu heiraten und sie zu schwängern. Wenn es darum ging, war er ein Hund mit zwei Schwänzen. Kimon fand, dass Epikleos eine gute Gesellschaft war, wenn der ältere Mann auch ein wenig schwerhörig geworden war. Es war nicht seine Schuld, dennoch war es irritierend, lauter sprechen zu müssen. Dann war da auch die Kleinigkeit, dass Epikleos Kimons Vater gekannt hatte, mit ihm bei Marathon gewesen war. Kimon hatte jede Erinnerung an diesen Tag aus ihm herausgekitzelt und schätzte es, sie alle seinen eigenen hinzuzufügen. Doch für gewöhnlich zog er die Gesellschaft von Gleichaltrigen vor, ohne das unangenehme Gefühl zu haben, dass einer von ihnen seinen Vater mitgebracht hatte.
Als das Boot zurückkehrte, lachte Kimon bereits mit den anderen, während ihnen Schalen mit Eintopf und Brotstücke gegeben wurden. Das Brot war furchtbar, aber auf Delos wuchsen Obstbäume und Gemüse, und wenn sie am Morgen an Land gingen, würden sie etwas Besseres bekommen. Die Frachträume unter Deck waren mit Silbertalenten als Tribut für das Bündnis gefüllt, alle unter ständiger Bewachung. Die Götter wussten, dass Kimon seine Leute liebte, aber das bedeutete nicht, dass er ihnen so weit vertraute, unbewacht herumliegende Säcke voll Silber zu ignorieren.
Er blickte auf, als der Neuankömmling an Deck kletterte und die ausgestreckte Hand eines Hopliten verscheuchte. Kimon fühlte, wie ihm das Herz sank, als er Ephialtes erkannte. Er kannte den Mann nicht gut, aber wann immer sie sich trafen, schien Ephialtes in seiner Gegenwart gereizt zu reagieren, als ob Kimon ihn auf irgendeine Weise beleidigt hätte. Er händigte seine Schale dem Jungen des Schiffskochs aus und ging, um ihn zu begrüßen.
»Willkommen, Ephialtes«, sagte Kimon. »Mir wurde nicht gesagt, dass du gekommen bist. Sonst hätte ich früher nach dir schicken lassen.«
Der Mann verneigte sich vor dem ranghöheren Offizier, obwohl selbst das irgendwie widerwillig geschah, als ob sich sein Nacken immer nur unter starker Anstrengung beugen würde.
»Ich habe mich gefragt, ob man mich nicht beachten würde, Archon Kimon«, erwiderte Ephialtes. Er hätte damit fortgefahren, aber Kimon schnitt ihm sofort das Wort ab.
»In dieser Flotte heißt es ›Nauarch‹, Ephialtes.«
Ephialtes, der hocherfreut über die Gelegenheit war, es ihm mit gleicher Münze heimzuzahlen, lächelte triumphierend. »Dann heißt es ›Strategos Ephialtes‹, Nauarch«, sagte er.
»Wirklich? Herzlichen Glückwunsch. Sind deine Schiffe neue Ergänzungen der Flotte? Sie sind sehr willkommen.«
»Ja, ich befehlige sie«, fuhr Ephialtes fort. »Mit Befugnis der Volksversammlung von Athen.«
»Dann seid ihr alle sehr willkommen«, sagte Kimon leichthin. Er schien von dem neuen Titel nicht beeindruckt zu sein, und Ephialtes wurde rot. »Ich dachte gerade daran, dass wir mehr Offiziere brauchen …«
Zu seiner Überraschung unterbrach ihn Ephialtes. Seine Stimme nahm eine metallische Härte an. »Eine Befugnis, die mir von deinen Hopliten am Ufer abgelehnt wurde, ebenso wie von den Kapitänen zweier Triremen in diesen Gewässern. Mir geht es hier nicht um meine eigene Würde, sondern um die der Volksversammlung. Aus diesem Grund alleine muss ich an dich als höchstrangigen Offizier eine Beschwerde vorbringen.«
»Ich verstehe.«
Kimon beurteilte den Mann, der ihm gegenüberstand, aufs Neue. Er mochte Ephialtes nicht, und daher schlug er einen anderen Ton an. »Was für eine Art Bestrafung stellst du dir vor?«, fragte er.
Vielleicht hätte jemand, der ihn besser kannte, in seiner plötzlichen Ruhe eine Warnung gesehen. Ephialtes tat das jedoch nicht. Er dachte wirklich über die Angelegenheit nach. Er wollte nicht rachsüchtig erscheinen, aber er hatte eine Beleidigung erfahren, und die Sache musste klargestellt werden.
»Ich hätte gedacht … eine Auspeitschung vielleicht. Mehr nicht.«
Kimon sah ihn lange an, und Ephialtes begriff endlich, dass er überreagiert hatte. Er lief noch röter an. Trotzig hob er den Kopf und weigerte sich, den Blick abzuwenden.
Kimon nickte, als hätte er alles gesehen, was er hatte sehen müssen. »Nun, deine Beschwerde ist abgelehnt, Strategos. Meine Mannschaften haben den ausdrücklichen Befehl, niemanden auf Delos an Land gehen zu lassen, es sei denn, ich bin anwesend oder im Fall meines Todes ein gleichrangiger Offizier der Bündnisflotte. Verstehst du? Kein einfacher Kapitän oder Strategos darf an Land gehen. Der Bund von Delos hat sein Silber auf der Insel, das Symbol unserer Verbindung. Also: Niemand hat hier Schuld. Ich werde bestimmt nicht deinem verwundeten Stolz nachgeben, indem ich es so aussehen lasse, als sei es so. Ist das klar?«
»Ich … ich d-denke nicht …«
»Ist das klar, Strategos?«, wiederholte Kimon mit mehr Nachdruck.
Ephialtes nickte. Seine Augen funkelten.
»Ausgezeichnet«, sagte Kimon. »Da das erledigt ist, hoffe ich, dass du mit uns essen wirst. Ich habe nichts Frisches, aber der Koch macht einen feinen sauren Brei aus Gerste, Käse und Ochsenschwanz. Du bist willkommen, dich als mein Gast zu uns zu setzen. Ich weiß, dass die Männer bestimmt Neuigkeiten von zu Hause hören möchten.«
»D-das …« fuhr Ephialtes fort zu stammeln, dann bekam er seine starke Gefühlswallung in den Griff und atmete schwer. Kimon hatte die ganze Leichtigkeit von Wohlstand und Macht an sich, die Art Auftreten, die Generationen dauerte, um sie zu erschaffen. Wenn er sein Gegner sein musste, dann durfte er ihn das nicht wissen lassen. Dennoch dachte Ephialtes, dass er es nicht ertragen konnte, ein Essen mit dem Mann zu erdulden, nicht nach einer öffentlichen Erniedrigung. Er zwang sich dazu, zu antworten, als flösse Eiswasser durch seine Venen. »Ich wünschte, ich könnte bleiben, Nauarch, aber ich muss nach meinen eigenen Schiffen sehen. Die Volksversammlung hat mich mit einer kaum ausreichenden Mannschaft ausgeschickt. Kannst du irgendwelche Männer für mich erübrigen?«
Er begriff den schnellen Ausdruck nicht, der auf Kimons Gesicht aufblitzte. Es sah beinahe wie Bedauern aus, als der Nauarch seinen Kopf schüttelte.
»Es wäre vielleicht besser, wenn du mich sie für dich aussuchen lässt, Ephialtes. Wir werden morgen den Tribut entladen und dann nach Zypern weiterfahren. Das wird unter Segeln und mit Rudern ein paar Wochen dauern. In der Zeit kann ich bestimmt eine gute Mannschaft für dich finden. Wenn du meine Kapitäne …«
»Ich brauche einfach sechzig Männer«, stieß Ephialtes hervor. »Sofern du es nicht darauf anlegst, mich zu behindern, erinnere ich dich an meinen neuen Rang. Frage ich dich vielleicht nicht auf die richtige Art? Seitdem ich in diesen Gewässern angekommen bin, hat man mich aufgehalten und beleidigt. Also, das hört jetzt auf! Ob du mir meine Einsetzung als Strategos verübelst oder nicht, wir haben miteinander gesprochen, und ich habe um sechzig Athener gebeten. Schick sie bis zum Ende des morgigen Tages auf meine Schiffe.«
Kimon blickte ihn kalt an, dann nickte er. »Ganz wie du willst, Strategos.«
Ephialtes fuhr herum und trat zurück zur Leiter an der Schiffswand und dem Boot, das auf ihn wartete. Kimon blickte zu der Gruppe um Perikles, Anaxagoras, Zenon und Epikleos hinüber. Selbstverständlich sahen sie alle erstaunt zu. Auf dem offenen Deck hätten sie nicht einmal so tun können, als hätten sie nichts gehört.
Kimon schüttelte den Kopf, als er zu ihnen zurückging und seine Schale wieder aufnahm. Der Brei war geronnen, und er kratzte ein Stück frei, das er sich in den Mund schob. Er kaute hart.
»Wenn du deine Kapitäne jeden nach Lust und Laune schicken lässt«, sagte Perikles, »dann wird er die Schlimmsten bekommen, die faulsten Diebe und Schläger der ganzen Flotte.«
»Ja«, sagte Kimon, »das habe ich ihm zu erklären versucht. Unser Freund war nicht in der Stimmung, zuzuhören.«