Perikles schüttelte den Kopf und wischte die Bilder der Vergangenheit zur Seite. Er war einmal zuvor an einem feindlichen Ufer an Land gegangen, wobei er das Schild seines Bruders getragen hatte. Damals hatte sein Vater den Befehl gehabt, so wie Kimon an diesem Tag.
Bei allen Göttern, es half nicht, dass er unter den Ersten war, die erneut den Fluss hinauffuhren! Er hatte Kimons Befehle an Ephialtes weitergeleitet. Während er noch auf dem Weg zurück gewesen war, hatten die drei Schiffe des Mannes ihre Ruder schneller, als er es je gesehen hatte, herausrasseln lassen. Perikles’ kleines Boot hatte in ihrem Kielwasser geschaukelt, als sie vorbeigesaust waren – und das Rennen war eröffnet. Was auch immer Ephialtes dachte, erreichen zu können, indem er der Erste war, der sich in den Kampf stürzte, Perikles fühlte den Drang, es ihm zu verweigern. Der Strategos verdiente keine Ehre, die besseren Männern zuteilwerden konnte.
Er hatte sein Boot vertäut und kletterte die Trittstufen hinauf, während er der Mannschaft zuschrie, um ihr Leben zu rudern. Alles auf See passierte langsam, langsam – und dann urplötzlich zu verdammt schnell. Perikles hatte Kimons Anweisungen weitergegeben, während Epikleos ihm seine Rüstung überreicht und ihm geholfen hatte, sie anzulegen. Das Gewicht der Bronze machte sie zu gefährlich, um sie in einem kleinen Boot zu tragen, aber die Hopliten an Deck hatten ihre Rüstungen nicht abgelegt. Sie standen mit grimmigen Gesichtern und kampfbereit, während das Kriegsschiff den dreien unter Ephialtes’ Kommando mit großer Geschwindigkeit hinterherfuhr.
Es überraschte Perikles nicht, zu sehen, wie sich der Abstand verringerte, als seine Mannschaften die vor ihnen zu überholen begannen. Kimons Absicht, die Besatzung aus Störenfrieden zu ersetzen, war in den Neuigkeiten über die persische Flotte völlig untergegangen. Diejenigen, die mit Ephialtes ruderten, gehörten immer noch zum Ausschuss. Es zeigte sich in ihren chaotischen Manövern, in der Schar, die planlos auf Deck herumlief, und den zusammenstoßenden Rudern darunter. Dennoch blieben sie haarscharf in Führung, als sie die große Flussbiegung erreichten.
Als die vier Schiffe um die Landzunge herumkamen, wurde der Unterschied zwischen der ersten Sichtung in der Dämmerung und den Folgen Stunden später deutlich. An diesem Morgen waren die Perser ruhig gewesen, aber Perikles hatte ihren Bienenstock getreten. Jetzt waren sie überall und eilten längs des Ufers vor und zurück. Perikles schluckte beim Anblick der Truppen mit den weißen Tuniken, die sich zu Quadraten formierten. Er hatte von ihnen gehört – den Unsterblichen, die sich bei den Thermopylen einem spartanischen König entgegengestellt und ihn in Stücke gehauen hatten. Sie waren die Elitesoldaten der persischen Armee, und es gab sie hier in größerer Anzahl, als irgendjemand gewusst hatte.
Perikles fühlte, wie sich seine plötzlich volle Blase zusammenzog. Er blickte hinter sich, wo ein weiteres Dutzend Schiffe des Bundes herankam. Jenseits von ihnen ruderte eine Welle nach der anderen hart zur Flussmündung und kämpfte bei jedem Ruderschlag mit der Strömung. Kimon hatte das Schlachtfeld betreten. Doch Ephialtes würde zuerst da sein.
Perikles sah, wie sein Kapitän auf der Suche nach dem besten Platz zum Anlegen über den Bug hinwegspähte, während das Kriegsschiff bockte und in das aufgewühlte Wasser eintauchte. Es gab an beiden Uferbänken keinen freien Platz, aber vor ihnen waren Schiffe vom Heck zum Bug hin verankert. Wenn sie zwischen ihnen hindurchfuhren, würden sie das Ufer nur über die von Soldaten wimmelnden Decks des Feindes erreichen.
Es war die Art Entscheidung, die Leben kostete, und ausnahmsweise konnte Perikles nur abwarten und beobachten. Sein Vater hatte es geliebt, Befehle zu geben; er verstand es jetzt besser. Natürlich kam Autorität nicht ohne erdrückendes Gewicht, aber die Alternative bestand darin, nach den Launen eines anderen zu leben. Während er dastand und sich Schweiß vom Gesicht wischte, war das auf einmal unerträglich.
Vor ihnen hatte Ephialtes ein paar seichte Stellen entdeckt. Perikles war nah genug, um zu sehen und zu hören, wie der Mann aufschrie und deutete. Ephialtes’ Steuermänner wuchteten die Ruderpinnen herum, und seine drei Schiffe ruderten hart auf das Ufer zu. Perikles sah, wie sie erbebten, als sie auf Schlamm und Kies auftrafen und ihre Geschwindigkeit abrupt abnahm. Bei zweien von ihnen brachen die Masten, während sich die Buge hoch aus dem Wasser erhoben und ihre massiven Rammen von schwarzem Schlick tropften, als sie zur Ruhe kamen. Männer begannen über die Buge zu strömen und riskierten ihre Leben im Schlamm, um ans Ufer zu gelangen.
Perikles hörte, wie sein eigener Kapitän fluchte. Er sah, dass der Mann auf eine Stelle am Ufer deutete, die keinen sanften Anstieg hatte, um dem massiven Gewicht eines Kriegsschiffs nachzugeben. Sein Landungsplatz war eine Flussböschung, die von Gras gesäumt war, mit Bäumen, die über ihren eigenen Reflexionen im Wasser hingen. Perikles schluckte, als das Schiff wendete und regelrecht an Land zu springen schien.
»Haltet euch fest!«, brüllte der Kapitän. »Festhalten!«
Perikles war sich sicher, dass das Schiff das nicht überstehen würde. Er war sich nicht sicher, ob irgendjemand von ihnen das überstehen würde.
Die Ankunft der griechischen Kriegsschiffe war nicht unbemerkt geblieben. Das gesamte persische Heer schien auf ihren Standort zuzurasen, jedenfalls den panischen Seitenblicken zufolge, die Perikles erübrigen konnte. Die persischen Generäle würden natürlich versuchen, ihre Landung zu verhindern. Geschwindigkeit war auch zu ihrem Vorteil – und so würden die beiden Seiten in ihrem Drang, den ersten Schlag zu erzielen, aufeinanderprallen.
Die Ruderer unter Deck hatten bestimmt den Schrei des Kapitäns gehört, aber sie konnten nicht wissen, wie nah sie dem Ufer waren, bis sie es trafen. Bei einem harten Aufprall konnten leicht einige von ihnen getötet werden. Das war das Resultat der Befehle, die Kimon gegeben hatte, und es waren dennoch die richtigen. Perikles konnte Ephialtes bereits am Ufer sehen. Seine Beine waren schwarz vor Flussschlamm. Er starrte voll offenkundigem Entsetzen ein Kriegsschiff an, das zu seiner Vernichtung auf ihn zuraste. Perikles spannte alle seine Muskeln an und begann zu beten.
Xerxes saß hoch über seinen Wachen auf einem Kissen aus Seide und der Wolle eines Widders, das auf dem Rücken eines Elefantenbullen ruhte. Er hatte immer schon Tiere geliebt, und ganz besonders diese enormen Kreaturen. Sie waren der Inbegriff von Königtum – die Könige des Waldes. Dieses ganz spezielle Tier hatte vor Jahrzehnten ihn und seinen Vater zur Küste von Ionien begleitet. Xerxes wickelte seine Finger in ein Haarbüschel entlang seines Rückgrats und spielte damit, während er mitansah, wie sich der Fluss Eurymedon mit griechischen Schiffen füllte. Sie waren wie Hornissen, dachte er, sie flitzten herum und versuchten zu stechen. Nur ein einzelnes Schiff hatte seinen Weg den Eurymedon hinauf und bis zur ersten Biegung gefunden. Seine kleinen Boote waren ausgefahren, um es sich vorzunehmen, aber es war entkommen. Es spielte keine Rolle, nicht wirklich. Xerxes kannte die Griechen gut genug. Sie hätten nach einem vermissten Schiff gesucht. Sie waren ein neugieriges Volk – und irgendwie hatten sie sein Heer und seine Flotte gefunden, bevor er bereit gewesen war.
Das Resultat war an den Wellen von Schiffen zu sehen, die in Gewässern hereinkamen, die er hatte schlämmen lassen. Noch vor einem Jahr hätten sie noch nicht einmal auf dem Fluss fahren können, ohne auf einem schlammigen Ufer aufzulaufen. Sie setzten seine eigenen Anstrengungen, seine eigenen Pläne gegen ihn ein.
Er fletschte seine Zähne und knurrte bei dem Gedanken daran, wobei er sich halb von seinem Kissen erhob, bis er sich wieder zurücksinken ließ. Sein eigenes Land! Es war eine Beleidigung, ein Zeichen ihrer Anmaßung. Man musste ihnen diese Arroganz ausprügeln, die aus Glück und den Spartanern geboren war … Nun sah er sich nach roten Segeln um und atmete aus, zwang sich, Ruhe zu bewahren. Es behagte ihm nicht, angegriffen zu werden, aber sein Heer hatte hart gearbeitet und sich in großer Zahl versammelt. General Artabazos war dafür bekannt, wie sehr er die Griechen hasste. Er war derjenige, der den Makedonier zurück in den Schoß der Familie gebracht und ihm sein Versagen im ersten Feldzug verziehen hatte. König Alexander war nicht in der Lage gewesen, die Athener zum Aufgeben zu überreden, als es in deren bestem Interesse gewesen wäre. Doch er befehligte noch immer makedonische Truppen von guter Qualität. Artabazos war derjenige gewesen, der sich darum gekümmert hatte.
Die Wahrheit war, dass Xerxes gehofft hatte, noch weitere sechs Monate Zeit zu haben, oder höchstens ein Jahr. Er und seine neuen Unsterblichen wären am Ende losgezogen, um eine Schlacht zu erzwingen. Er hätte im Totenreich nicht dem Geist seines Vaters gegenübertreten können, wenn er es nicht getan hätte.
Hier mussten die Griechen ihre Schiffe aufgeben, um an Land zu gehen. Hier kannten seine Leute das Land, sie fühlten es unter sich. Sie gingen über ihre eigene Erde, sein juwelenbesetztes Reich. Sie wussten auch, dass er alles mitansah, der König der Könige – und dass seine Vorfahren neben ihm standen. Sein Vater schlang sich um seinen Sohn, sein Atem im Wind.
Xerxes sah, wie Artabazos auf ihn zuritt. Der General stieg vor dem Elefanten ab und ließ sich auf den Bauch fallen. Der Großkönig streckte seine Hand aus, und der Elefant reichte seinen Rüssel nach oben, um ihn darauftreten zu lassen. Mit unendlicher Vorsicht ließ ihn das Tier auf den Boden nieder, und er stieg von ihm herunter. Xerxes betrachtete die ersten griechischen Schiffe, die landeten. Sie kamen zu ihm.
»Erhebe dich, Artabazos, auf jede Weise«, sagte er. »Was brauchst du von mir in dieser Stunde?«
»Nur Euren Segen, Majestät«, sagte Artabazos.
Seine Augen waren weit und dunkel, und Xerxes fragte sich, ob er an diesem Morgen die kleinen schwarzen Harzkügelchen gekaut hatte.
»Er sei dir gewährt. Das ist das Ende, Artabazos, begreifst du das? Das Ende von dem, was mein Vater bei Marathon begann – eine Schlacht, die ich selbst bei den Thermopylen vergolten habe. Von dem, was der arme Mardonios bei Platäa nicht vollenden konnte. Wir haben unsere Schlachtenehre gewonnen, aber wir hatten auch unsere Verluste. Bring es jetzt für mich zu Ende.«
Der König sah sich um, als sei er dabei, ein Geheimnis zu verraten. Seine Wachen standen teilnahmslos, taub und blind.
»Gib alles aus, Artabazos, bis auf den letzten Mann und die letzte Münze. Ich kann nicht noch einen weiteren Verlust ertragen, begreifst du das? Sie lassen mich in ihren Theaterstücken auftauchen, in Athen … mit dem Geist meines Vaters, der Sätze von sich gibt, die er niemals gesagt hat. Es ist zu viel. Regne meinen Zorn auf sie herab, Artabazos. Ich werde dich zu einem König machen.«
Die Mannschaft umklammerte alles, was sie packen konnte. Das große Schiff flog wie ein geschleuderter Stein beinahe in Stille übers Wasser, bis der Bug auftraf.
Der Aufprall riss alle von den Füßen. Der Mast brach direkt an seinem Sockel und fiel über das Heck zurück, sodass er auf einen der Steuermänner niederkam. Er schrie auf, und immer noch kamen sie voran, weiter und weiter mit einem großen anschwellenden Ächzen, das ebenfalls wie eine Stimme war, wie Schmerz. Perikles kam schwankend auf die Beine und sah staunend, dass der Bug sich wie ein strandender Wal höher und höher anhob. Das gesamte Deck erzitterte unter ihm. Es erinnerte ihn plötzlich daran, ein Pferd zu reiten, und er brüllte und hob Schild und Speer in schierer Freude. Einige der Männer starrten ihn an, als hätte er seinen Verstand verloren, aber es war außergewöhnlich, und er grinste sie an.
Das Schiff zerbrach, das war das einzige Wort für das, was geschah. Etwas gab plötzlich im Frachtraum nach, vielleicht war es der Kielbalken selbst, der das Kriegsschiff zusammenhielt. Es hörte sich wie ein enormer, dumpfer Schlag an, dem eine Reihe von Knallen folgte. So wie ein Sturm endete, kam das Schiff zur Ruhe, aber es würde nicht wieder zurückgezogen und zur See gelassen werden. Perikles konnte es in dem Fahrzeug fühlen, das er kannte und liebte. Es war zu weit getrieben worden und zerbrochen.
Vor ihm strömte die Rudererbesatzung aus dem Mittelgraben. Geschockt blickten die Männer angesichts der seltsamen Deckschräge und des gekippten Masts um sich. Sie hatten Kurzschwerter gezogen, und viele trugen auch Schilde. Sie waren weit entfernt von disziplinierten Reihen von Hopliten mit Beinschienen, Helmen und Brustpanzern, aber es lag auch kein Zögern in ihnen. Sie waren Ruderer gewesen, aber das Schiff war eindeutig tot. Als Soldaten schwärmten sie aus und sprangen auf festen Boden.
Perikles sprang mit ihnen hinab und sah sich voll Staunen um. Die Böschung selbst war in dem Zwang, sich wie eine gefrorene Welle vor der Ramme und dem Bug ihres Schiffs zu erheben, auseinandergetrieben worden. Der Kiel seines Schiffs war tatsächlich an zwei Stellen geborsten, sein großes Herz herausgerissen. Es fühlte sich wie ein Abschluss an. Er ließ sich auf ein Knie nieder und sammelte ein wenig von der staubigen Erde zu seinen Füßen ein. Sein Bruder war an einem persischen Ufer ums Leben gekommen. Vielleicht hielt sich ein Teil seiner Seele immer noch dort auf.
»Hallo, Bruder«, flüsterte Perikles. »Ich bin zurückgekehrt.«
Die Männer seines Schiffs formierten sich hinter Reihen von Hopliten, womit sie den sechshundert Männern von Ephialtes etwa zweihundert hinzufügten. In großer Anzahl lag Sicherheit, und die Schiffe in der zweiten Angriffslinie suchten immer noch Stellen, an denen sie eine Landung riskieren konnten. Perikles sah, wie Ephialtes seine vorderste Linie entlangschritt. Sein Herz sank, als er Attikos an dessen Seite erkannte. Er galt ihm offenbar immer noch als vertrauenswürdiger Mann.
Als Ephialtes ihm nahe kam, blickte der Strategos in die Ferne und starrte die Perser an, die zum Angriff herbeieilten. Er war rot im Gesicht und schwitzte. Seine Hand öffnete und schloss sich um den Knauf seines Schwerts, das noch in seiner Scheide steckte. Als Perikles seinen Kopf zum Gruß hob, war es Attikos, der sprach. Er reckte seinen Hals, während die Logachoi-Offiziere die Hoplitenreihen und die Ruderer grob in eine ordentliche Form kommandierten.
»Wie in alten Zeiten, was, Kyrios?«, sagte er. »Erinnerst du dich an Skyros? Wo deine Frau her ist?«
Es gab nichts, was Perikles entgegnen konnte, nicht mit Ephialtes in Hörweite. Dennoch fühlte er die Bosheit des Mannes. Er warf Ephialtes einen Blick zu und stellte fest, dass die übliche Arroganz des Mannes fort war. Der Strategos sah nervös aus, und auf einmal ergab es Sinn, dass er Attikos in seiner Nähe behielt. Ephialtes trug die Rüstung eines Hopliten, mit einem schönen Kammbusch auf seinem Helm und einem golden glänzenden neuen Schild. Doch im Gegensatz zu so vielen anderen war er noch keinen Persern im Krieg begegnet. Natürlich würde er Angst haben. Dieses eine Mal hatte Perikles ihm gegenüber einen Vorteil.
»Wenn die Perser auch nur etwas Verstand haben, dann treffen sie uns schnell und hart, mit allem, was sie haben. Wir werden mit jedem Schiff, das landet, stärker, während sie ihren Vorteil verlieren. Sie werden versuchen, uns zu überwältigen.«
Er redete Ephialtes an, weil er dachte, der Mann würde ein paar Worte wertschätzen. Stattdessen fuhr der Kopf des Strategos herum, als sei er von etwas gestochen worden. Finster stierte er ihn an.
»Wir liegen hier bloß, ohne Verstärkung. Ich frage mich, ob das Kimons Absicht war, als er mich zuerst losgeschickt hat.«
Auf eine so unerhörte Beschuldigung hin konnte Perikles nur blinzeln. Niemand hatte Ephialtes gezwungen, dem Rest vorauszueilen. Jemand musste landen und die Position halten. Bei den Göttern, es war eine undankbare Arbeit, aber …
Vor ihnen erklangen Hörner, und Attikos murmelte seinem neuen Herrn etwas zu. Mit einem knappen Nicken trat Ephialtes in die erste Kampflinie und fügte sein Schild einer gepanzerten Linie von Hopliten zu.
Persische Heerscharen kamen mit einer Art rhythmisch klirrendem Klang auf sie zumarschiert. Die Luft war klar, und Perikles konnte jedes Detail von ihnen sehen, von ihren Bärten bis zu ihren weißen Tuniken mit den Rüstungsplatten und Schilden. Er konnte auch ihre roten, keuchenden Münder sehen. Sie waren weit gelaufen, von einem Beobachtungsposten auf einem Hügel und durch ein Tal bis zu diesem Ort. Er hoffte, dass sie erschöpft waren, wenn es auch kein Anzeichen dafür gab. Auf beiden Flanken wimmelte es von Bogenschützen. Perikles schluckte bei ihrem Anblick und legte sein Leben in Ares’ und Athenes Hände.
Es war kein Innehalten möglich, um den Feind einzuschätzen, das war offensichtlich. Die Perser kamen schnell voran, mit der klaren Absicht, die Griechen in den Fluss zu fegen. Als Erwiderung darauf überlappten die Reihen unter Ephialtes’ Kommando ihre Schilde. Sie würden versuchen standzuhalten, um denen hinter ihnen Zeit zu geben.
Perikles warf einen kurzen Blick hinter sich, ehe er seinen Helm herabsenkte. Die nächste Angriffswelle machte viele Umstände im seichten Wasser, anstatt direkt an Land zu drängen. Er erkannte, dass die Perser sie in großer Zahl erreichen würden, ehe man ihnen helfen konnte. Er blickte nach links und rechts und sah die angespannten Gesichter der Männer, die er an diesen Ort gebracht hatte. Zenon war da und hielt einen Schild, den Anaxagoras für ihn angefertigt hatte. Anaxagoras ragte über der Schlachtlinie auf, sein Helm ein ausrangiertes Ding, das er selbst mit einer Linie Blei repariert hatte. Er schimmerte silbern, wenn er auch trotzdem bersten mochte, falls er einen ordentlichen Hieb abbekam. Perikles schluckte nervös. Epikleos war da, in der Schlachtreihe, und gab auf ihn acht, so wie er es immer getan hatte. Es waren gute Männer, aber sie würden vielleicht alle hier sterben, nur um ein Stück Flussböschung zu halten, das keiner von ihnen je vor diesem Morgen gesehen hatte.