Perikles beobachtete, wie eine Schar der persischen Unsterblichen auf ihn zufegte. Eine zweite Quadratformation kam wie blasse, von Ameisen getragene Blätter über einen Hügel in der dunstigen Ferne auf die Griechen zu. Die Perser wurden durch die Notwendigkeit behindert, ein weites Stück Fluss zu verteidigen, möglicherweise sogar auf beiden Seiten. Perikles wusste, dass er die Speerspitze war – auf der Stelle, wo er sich befand, mussten sie standhalten, egal, was auch kommen mochte.
Sie kamen mit guter Geschwindigkeit näher und näher, während die achthundert um Ephialtes und Perikles mit ihren Sandalen auf dem Erdboden scharrten und sich bereit machten. Perikles beobachtete, wie ein Hoplit, dem ein paar Finger fehlten, seine Hand an seinem Speerschaft festband, damit er ihm nicht weggeschlagen werden konnte.
Auf zweihundert Schritte Entfernung waren die Unsterblichen ein Meer aus Köpfen und schwingenden Füßen und Rüstung, die im Sonnenlicht Wellen zu werfen schien. Es war schwer, sich vorzustellen, dass irgendetwas in der Lage sein könnte, so viele aufzuhalten – und sie waren nur ein kleiner Teil des Ganzen. Perikles, dem jäh die Kehle trocken geworden war, schluckte. Auf einem Schlachtfeld pflegten Jungen die Reihen der in Position stehenden Männer mit Schläuchen voll verdünntem Wein entlangzulaufen. Ihre Abwesenheit war nur eine kleine Irritation im Angesicht solch eines Heers, aber er fühlte sie dennoch.
Stimmen riefen über die Masse der persischen Soldaten hinweg – und Pfeile gingen von ihren vorwärts marschierenden Reihen aus, die sich sanft erhoben und wie Dornen herabkamen. Zielgenauigkeit bedeutete ihren Bogenschützen offensichtlich wenig. Stattdessen füllten sie die Luft mit schwirrenden und pfeifenden Schäften, die von den hochgehaltenen griechischen Schilden abprallten oder sie durchbohrten und lang gezogene Schmerzensschreie hervorriefen.
Nicht jedes Mitglied der Besatzungen besaß einen Schild. An einem Dutzend Stellen hatten sich Ruderer mit den Schiffszimmermännern zusammengetan, um etwas wie einen Schutz hochzuhalten, der aus zusammengenagelten Deckplanken bestand. Jeweils fünf oder sechs Männer drängten sich dicht unter dem Schatten von einem der Gebilde zusammen, während das Schwirren weiter und weiter ging. So wie die persischen Bogenschützen ihre Pfeile verschwendeten, hatten sie zweifellos volle Köcher. Sie hielten keinen einzigen Pfeil zurück, sondern verschossen sie, so schnell sie ihre Bogen spannen konnten, bis sie schließlich erschöpft ihre Zähne zeigten und wie Hunde hechelten. Noch achtzig Schritte.
In der vordersten Schlachtreihe fiel keiner der Hopliten um Ephialtes, wenn auch ein halbes Dutzend von ihnen Pfeile abbrechen oder blutige Schäfte aus ihren ausgestreckten Armen ziehen musste. Sechs Reihen von der vordersten entfernt hatte ein stämmiger Ruderer seinen Arm an seinen Schild genagelt bekommen. Verwirrt blickte er den Pfeil an, fühlte allerdings noch nicht den Schmerz, der bald kommen würde. Es gab keinen Platz weiter hinten für die Verwundeten, nicht zu diesem Zeitpunkt. Einer seiner Kameraden versuchte ihm zu helfen, was ihn zum Fluchen und zum Lachen brachte.
Die persischen Unsterblichen stapften näher, sodass der Lärm von Rüstungen und Schritten die Luft erfüllte. Es waren so viele. Perikles fühlte die Nervosität der Mannschaften hinter ihm, er spürte sie sogar in dem steifen Gang der Lochagoi, als sie hin und her eilten und die Männer zurechtwiesen, sie anschrien, standzuhalten, standzuhalten.
Perikles wusste, dass an anderen Orten an diesem Tag die Offiziere des Bundes zu Männern von einem Dutzend Städten sprechen würden. Hier, in diesem Moment, waren diejenigen, die sich in seiner Nähe befanden, Athener. Er kannte die Männer seines eigenen Schiffs, und sie kannten ihn. Das war ein Geheimnis ihrer Schlachtlinie. Es gab keine riesige und unwissende Verwaltung, die sie alle hier zusammengebracht hatte, um für ein weit entferntes Reich zu kämpfen. Nein, seine Leute kannten einander. Sie hatten monatelang Segel gehisst und mit Schwert und Schild geübt. Sie hatten gemeinsam Brot gebrochen und Wein geteilt – und niemand konnte davonrennen, nicht, ohne dass seine Freunde ihn dabei gesehen hätten. Perikles musste jäh an die Spartaner bei den Thermopylen denken, an die Geschichten, die er gehört hatte. Vielleicht begriff er sie nun ein wenig besser. Scham war schlimmer als der Tod.
Ein Lochagos, der die Schlachtreihe abschritt, hielt neben ihm an, vielleicht, weil er in den dortigen Gesichtern Angst sah. Da der Feind bereits so nah heran war, hatte der Mann nur Momente, aber er entschied sich, ein paar von ihnen an dieser Stelle zu verbringen. Immer noch schlugen um ihn herum Pfeile ein, und er hielt seinen Schild hoch, sodass er in dessen Schatten stand. Mit einem Grinsen klatschte er Perikles seine freie Hand auf die Schulter, was ihn aufschrecken ließ.
»Erinnert euch daran, wir sind die besseren Männer!«, schrie der Lochagos denen zu, die um ihn herum standen. »Haltet stand, für eure Väter und die Götter – für Athene. Sie ist alles, was am Ende zählt.«
Er sah, wie Perikles nickte. »Und passt auf eure Freunde auf«, fügte er mit leiserer Stimme hinzu und warf einen Blick auf die Stelle, wo Zenon und Anaxagoras standen.
Perikles nickte kaum merklich, und der Lochagos ging weiter zum Ende der Schlachtreihe, wo er die Hälfte der Männer, denen er beim Training geholfen hatte, im Auge behalten konnte.
Vor ihnen erklangen Hörner, die mit außerordentlicher Lautstärke schmetterten. Auf zwanzig Schritte Entfernung fingen die Perser diszipliniert zu rennen an und begannen mit einem Gebrüll, dessen Lautstärke sich aufbaute, bis es die Luft wie Staub füllte. Sie stürmten die letzte kleine Lücke zwischen den Heeren und krachten gegen die athenischen Schilde. Das Geräusch war brutal, aber der Schildwall hielt, und das ernsthafte Töten begann. Perikles sah, wie die vorderen persischen Einheiten um die Schlachtreihen herumströmten und auf die Flanken einhackten.
Dort gab es keine Hoplitenveteranen. Stattdessen stießen Ruderer Speere und Schwerter mit verzweifelter Wildheit, ohne müde zu werden. Doch als sie Auge in Auge mit einem grausamen Feind standen, vergaßen sie ihr Training. Hopliten bekamen von den frühesten Jahren ihrer Ausbildung an eine einzige Wahrheit eingebläut: Der eigene Schild beschützte den Mann zur Linken, nicht einen selbst. Es verlangte außerordentliche Disziplin, es nicht einem schwingenden Schwert in den Weg zu reißen, anstatt darauf zu vertrauen, dass der Mann rechts von einem den Schlag auffangen würde.
Trotz Hunderter Stunden an Schwertübungen, trotz ihrer einzigartigen Ertüchtigung und außergewöhnlichen Stärke zerfielen die Ruderer an den Flanken in Unordnung. Speere, die sie nicht gut gebrauchten, wurden aus Wut geschleudert, Schwerter zu früh gezogen.
Perikles fluchte leise. Mit mehr Männern hätte Ephialtes die Schlachtreihe ausweiten oder ihre Ränder in einem Bogen zurück formieren lassen können, um zu verhindern, dass seine Flanken überwältigt wurden. So wie die Lage war, wurde er an drei Seiten angegriffen und litt. Perikles konnte den Strategos mitten im Schlachtengetümmel sehen, wo er sich Männern entgegenwarf, die es auf einen schnellen Sieg auf ihrem eigenen Land anlegten. Eine Weile kämpften die persischen Soldaten, ohne Furcht oder Ermüdung zu zeigen. Sie waren die besten, und vielleicht sah von irgendwo aus der Nähe ihr König es mit an. Dennoch waren sie nur Männer. Gegen einen guten Schildwall, aus dem Speere hervorstachen, um Fleisch zu zerreißen und zwischen Rippen zu schlüpfen, würden sie zu scheitern beginnen. Arme pflegten schwer zu werden, Atem zu heißem Speichel im Mund. Bei Marathon hatten die Athener ebenso viele von ihnen zerschmettert, mit Disziplin und Geschick. Zorn war nicht gut genug, Mut war nicht gut genug.
An der Frontlinie forderten die griechischen Speere einen schrecklichen Tribut. Rot beschmiert stießen sie vor und zurück. Solange die vorderen Reihen sich standhaft gegen die Flut stemmten, wusste Perikles, dass sie siegen würden.
Die Befehle waren brutal einfach – haltet aus, gebt dem Rest Zeit, an Land zu gehen und sich zu formieren. Kimon würde sehen, was er tun musste, da hatte Perikles keinen Zweifel. Er würde sie nicht im Stich lassen. Perikles wusste das, so wie er um die Namen der Götter wusste. Doch während er wartete und seine Atemzüge zählte, sah er eine Veränderung in der Formation vor sich.
Der Schildwall hielt nicht. Perikles fühlte, wie ihm bei dem Anblick der Magen in die Kniekehle sank. Jäh erinnerte er sich daran, dass die Männer, die den persischen Unsterblichen entgegentraten, die schlimmsten der ganzen Flotte waren, versammelt unter einem Strategos, der nicht in der Lage zu sein schien, einen guten Rat anzunehmen. Die Offiziere da vorne waren alle still, wo sie doch hätten schreien sollen, oder sie wurden von den Männern, denen sie befahlen, ignoriert. Während Perikles es erschrocken mitansah, wurde Ephialtes selbst von den Füßen gerissen und ging zu Boden. Mit hochrotem Gesicht und um sich schlagend, kam er wieder auf die Beine, aber Attikos war neben ihm und führte ihn durch die Reihen in Sicherheit. Perikles sah, dass das Gesicht des Strategos blutig war. Vielleicht war Ephialtes wegen eines Schlags gegen den Kopf benommen. Er wehrte sich nicht, als Attikos ihn zurücktrug.
Perikles sah es mit an, wie etwas brach. Wenn ein Schildwall fällt, passiert es schnell. Jeder Mann ist auf einmal alleine und verwundbar. Die Unsterblichen ahnten es kommen und heulten, ein Klang, der es einem kalt über den Rücken laufen ließ. Das waren diejenigen, die nach Griechenland gekommen waren, um in Brand zu stecken und zu versklaven. Das waren die Männer des Reichs, grausam und ohne Gnade.
Die Frontlinie brach zusammen, in jedem Augenblick starben Männer. Die einzige Chance, einen Rückzug zu überleben, bestand darin, jeden Schritt rückwärts mit hocherhobenem Schild zu machen. Dem Feind nur den Bronzehelm mit dem Sehschlitz zu zeigen, sowie den Schild und die Beinschienen, das Schwert oder den Speer bereit zum Stich. Doch die Perser pressten jeden Schritt vorwärts und gewährten ihnen keinen Abstand. Stattdessen schoben und schlugen sie auf sie ein, verloren Leben, um sie stolpern und fallen zu lassen, um sie zum Umdrehen zu bringen, um sie zum Fliehen zu bringen.
Perikles fühlte, wie sich ihm der Magen bis zur Speiseröhre hinauf verkrampfte, als die Schlachtreihen sich auflösten. In dem Durcheinander hatte er das Gefühl, dass seine eigene Mannschaft standhielt, entsetzt, aber noch nicht bereit, sich irgendeiner ausbreitenden Panik anzuschließen. Sein Lochagos brüllte ihnen etwas Obszönes zu, die Beleidigungen waren eigenartig beruhigend. Perikles blickte zu seiner Rechten und sah Zenon und Anaxagoras zusammen mit Epikleos, alle drei ein unerschütterlicher Knoten in der Reihe. Sie hüteten sich davor, zu fliehen. Es war nicht eben Tapferkeit, nur keine blinde Panik. Wenn es ihr Tag war, ihr Moment, dann konnten sie das akzeptieren. Die Veteranen unter den Hopliten bevorzugten es, aufrecht stehend zu sterben, mit allen ihren Wunden an der Vorderseite des Körpers. Das war Kleos, genau hier, oder die Hoffnung davon, wenn alles andere geflohen war.
Die Schlachtreihen, die Ephialtes hätte kommandieren sollen, gaben ihren letzten Widerstand auf. Die Perser kamen in Donner, Gebrüll und schlagenden Waffen hindurch, ihre roten Kehlen weit aufgerissen. Blutüberströmte Männer, wahnsinnig geworden vom rauschenden Flügelschlag ihres nahenden Todes, drängten sich an Perikles vorbei. Er wurde von ihnen gestoßen und herumgedreht. Die Reihen der Hopliten lösten sich in Verwirrung und Durcheinander auf, und sie wurden wie von Hunden getrieben, mit dem Fluss dicht hinter ihnen.
»Wie in alten Zeiten, was?«, schrie eine Stimme.
Perikles warf einen Blick zur Seite und sah, dass Attikos ihn angrinste. Ephialtes war etwas zu seiner Linken und sah noch immer wie benommen aus, während er seinen Helm richtete. In plötzlichem Ärger schüttelte Perikles den Kopf. Wenn er schon sterben musste, dann nicht zusammen mit Attikos, der seinen Tod mitansah und ihn kommentierte. Der Mann hatte einen tiefen Brunnen an Bosheit in sich, wie einen sauren Geschmack im Mund, den er nicht wegwaschen konnte.
»Hast du die Gebete an Athene gehört?«, sagte Attikos, der sich zu ihm vorbeugte. »Da ist eine andere Göttin, die ich mehr mag – Adrasteia. Die gefällt mir und Männern wie mir, denen die ganze Welt an die Gurgel geht. Deine Athene könnte vielleicht kommen, um einen Soldaten zu retten, aber nicht Adrasteia. In ihr ist keine Gnade, Sohn. Sie ist die Göttin der Vergeltung.«
Perikles zwang seinen Blick weg von der wilden Freude, die er in Attikos sah. Die persische Streitmacht rollte die griechischen Reihen in völligem Durcheinander zurück. Die Besatzungen, die Ephialtes an diesen Ort gebracht hatte, gehörten alle zu denen, die nicht das Vertrauen ihrer Kapitäne und Lochagoi besaßen. Einige waren zweifellos Kämpfer, aber andere waren Lügner und Diebe, Vergewaltiger oder Männer, die keinem Befehl gehorchen konnten. Ohne Ephialtes, der sie zusammenscharte, brachen sie Schlachtreihen auf, die sonst gehalten hätten, und warfen andere Männer in ihrer Panik um. Perikles wurde von einem Mann, der ein Schild vor sich hielt, zur Seite gestoßen. In seinem Entsetzen war das Weiße in seinen Augen sichtbar. Perikles sah, wie Anaxagoras ruckartig zur Seite wich, um nicht einen der eigenen Soldaten auf einer Speerspitze aufzuspießen. Der Mann hatte die Gefahr gar nicht bemerkt.
»Zurück zu den Schiffen!«, brüllte Ephialtes.
Köpfe drehten sich, um zu sehen, wer den Befehl gegeben hatte, aber sie zögerten kaum. Während Perikles noch aufstöhnte, geriet der Rückzug zu einer wilden Flucht. Seine Männer waren besser trainiert, aber sie wussten, wann der Tag verloren war. Wenn niemand kämpfte, dann wurde das reine Überleben zum Ziel.
Männer fielen hin und wurden liegen gelassen oder von ihren Freunden hochgezogen. Einige wurden getötet, als sie versuchten, sich zurückzuziehen, und schrien in Qual auf, als die Perser sie von hinten aufspießten. In der um sich schlagenden, wogenden Reihe blitzte etwas auf. Perikles sah etwas Verschwommenes aus dem Augenwinkel, eine Hand, die etwas Dunkles festhielt, schwang auf ihn zu. Er begann sich zu ducken, wurde aber hart getroffen und fiel zu Boden. Nichts ergab mehr einen Sinn, als er sich abmühte, auf die Beine zu kommen. Er dachte, er hörte Anaxagoras seinen Namen rufen, aber Dunkelheit begann ihn zu verschlucken. Marschierende Füße stampften an ihm vorbei, doch er konnte nicht verstehen, warum er auf Augenhöhe mit ihnen lag. Da stach etwas auf ihn nieder, ein so großer Schmerz, dass er ihn nicht ertragen konnte. Die letzten griechischen Ränge zogen sich zurück, und die persischen Unsterblichen rasten mit Triumphgebrüll über das Schlachtfeld und trieben sie auf den Fluss zu.
Kimon hatte beobachtet, wie die ersten Schiffe hart gegen die Uferböschung fuhren. Es war die älteste Taktik, die sie kannten, Männer vom Meer aus mit höchster Geschwindigkeit an Land zu schicken, selbst auf Kosten der Flotte. Als ein Mann der See hasste er es, das zu tun, aber sie hatten keine Wahl. Die Perser besaßen eine riesige Heerschar, und sie hatten jeden Vorteil, was Terrain und Versorgung betraf. Er wusste, wenn er seine Streitmacht nicht schnell aufstellte, würden sie ihn verschlucken, so wie eine Schlange ein Nest voller Vögel einen nach dem anderen fraß.
Das Kommando zu haben bedeutete, Entscheidungen zu treffen, die über Sieg und Niederlage entschieden, über sein Leben und das seiner Leute. Er hatte das gewusst, als er seine Flotte ins seichte Wasser beordert hatte, das der Flussbiegung nahe war. Es bedeutete, dass sie weniger Schiffe verloren, aber die Männer mussten ihren Weg landeinwärts zu Fuß zurücklegen, während sie in Quadratformation schritten. Die ganze Zeit über würden diese ersten Streitkräfte unter schrecklichen Druck geraten.
Als Kimon mit dem Rest marschierte, nahm das Gefühl von Schuld in ihm zu wie Hitze. Er hätte niemals Ephialtes allein gelassen, und sicher nicht Perikles. Er wusste sehr gut, dass sie nach ihm Ausschau hielten und auf die Hauptstreitkraft warteten, dass sie aushielten, während er die ganze Zeit über eine Stunde Fußmarsch von ihnen entfernt flussabwärts an Land gegangen war. Doch sie dienten als die Kerze, deren Licht die persischen Motten anziehen würde. Die Perser mussten diese erste Stelle jenseits der Flussbiegung verteidigen, ohne je die größere Streitmacht zu sehen, die von weiter hinten auf sie zukam. Es war gut geplant, aber trotzdem biss er sich beim Marschieren auf die Lippe und schmeckte Blut. Jede Entscheidung, jede Verantwortung war seine. Er fragte sich, ob sein Vater dasselbe Gefühl von einsamer Scheu und Freude gekannt hatte, und wusste, dass natürlich dem so gewesen war. Es gab nichts, das dieser Süße oder diesem Schmerz glich.
Er reckte den Hals, als er etwas voraus Kampfgeräusche vernahm, und graute sich vor dem, was er sehen würde. Da – da waren die Schiffe, die auf Strand gesetzt waren, einmal mehr sichtbar. Er konnte ein ganzes Regiment an weiß gekleideten Unsterblichen sehen, die seine Leute zurücktrieben. Griechen standen dort im seichten Wasser, einige von ihnen kämpften verzweifelt um jeden Schritt, den man sie zum Rückzug zwang.
»Wohlgeordnet!«, brüllte Kimon über seine Schlachtreihen hinweg. Ihr Tempo nahm zu, während er sprach. Sie wollten über den ahnungslosen Gegner herfallen. »Phalanx-Formation! Reihe zur Pha-lanx!«
Sie hatten es an über tausend Tagen voll harter Arbeit und Wiederholung geübt. Er musste nicht zurückschauen, um zu sehen, wie die marschierenden Reihen zu Quadraten zusammenliefen, während Lochagoi-Offiziere sich um saubere Linien und einsatzbereite Speere kümmerten. Diese langen Doryspeere waren furchterregend im Verteidigungsfall. Als Angriffswaffe waren sie sogar noch schlimmer.
An der Flussböschung hatten die Perser sie kommen sehen. Ihre Offiziere versuchten sie von dem Triumph und dem Gemetzel zurückzurufen, sich dafür bereit zu machen, einer neuen Drohung zu begegnen. Kimon blickte finster, als er sah, auf welche Weise der Feind sich bewegte. Es hieß, dass die Unsterblichen die Besten des imperialen persischen Heers seien. Bei einem seiner leisen Vorträge im Ratsgebäude hatte Aristides die Art, wie sie bei Platäa gekämpft hatten, beschrieben. Selbst der alte Mann war bis zu einem gewissen Grad von ihnen beeindruckt gewesen. Doch diese hier reagierten nicht mit schneller Disziplin auf Befehle. Sie fuhren nicht schnell herum, dazu bereit, einem Feind entgegenzutreten, der an ihre Flanke herankam. Kimon fletschte seine Zähne. Die da mochten die Gewänder tragen, aber sie waren keine Unsterblichen.
»Speere und Schilde! Für den Bund! Den Bund!«, brüllte er, und sein Befehl wurde über die Fläche der marschierenden Reihen hinweg wiederholt.
Kimon sah mit an, wie sich vor ihm Speere in die Höhe reckten, ihre Wucht unterstützt durch Gewicht aus Fleisch und Bronze. Sie würden ein Loch in die wogende persische Flanke bohren, während sie versuchte, sich umzuwenden. Er würde diese Stelle halten, damit sich die Hauptflotte um ihn versammelte. Zweifellos würden die Perser alles, was sie hatten, auf diesen Teil der Flussböschung werfen.
Er schluckte trocken, als er mit dem Rest vorwärtsdrang. Die griechischen Reihen waren diszipliniert, die besten der Welt. Darauf hätte er schwören können. Trotzdem hatten sie keine Schlacht erwartet, als sie an diesem Morgen aufgewacht waren. Niemand hatte das. Kimon sandte ein stilles Gebet an seine Schutzgötter und stellte sich auf das Gemetzel ein. Es war hell genug. Das hier war blutige Arbeit, und er kannte sie gut.