37

Ephialtes schritt über ein Feld, das von toten Männern und zu Boden gefallenen Waffen übersät war. Es war kein stiller Ort, nicht, solange man persischen Soldaten Amulette, Münzen und sogar in Bärte gewobene Perlen, oft aus Gold oder Jade, abnehmen konnte. Die Ruderer hatten das Schlachtfeld nach Schiffsbesatzungen aufgeteilt und waren emsig beschäftigt. Sie verteidigten ihr Territorium, weshalb sie beim Plündern der Toten gereizt auf jeden reagierten, der an ihnen vorbeiging.

Ephialtes erschauderte gut ein halbes Dutzend Mal bei dem, was er auf seinem Weg zu Kimon sah. Attikos sprang wie ein zahmer Wolf neben ihm her, und Ephialtes war über seine Anwesenheit froh. Es war Attikos gewesen, der ihn in dem Zusammenstoß von Männern und blitzendem Metall am Leben gehalten hatte. Die Wunde, die Ephialtes erhalten hatte, war nicht mehr als ein Schnitt unter seinem Haaransatz gewesen. Aber über sein ganzes Gesicht war dunkles Blut gespritzt, und eine Weile hatte er gedacht, die Verletzung könnte tödlich sein. Ein Schiffszimmermann hatte sie ihm genäht, doch es war Attikos gewesen, der ihn am Leben gehalten hatte, und dafür war er dankbar.

Ephialtes beäugte den kleineren Mann, der an seiner Seite lief und jeden finster anstarrte, der ihnen zu nahe kam. Attikos war ein Faustknöchel auf zwei Beinen, schlecht genährt und vernarbt. Ephialtes wusste inzwischen, dass zwischen ihm und Kimon irgendeine Feindseligkeit bestand und dass es mit Perikles genauso war. Er kannte nicht alle Einzelheiten, aber bei der Art und Weise, wie sie ihn ansahen, war es schwer zu übersehen. Als der Strategos auf Kimon zutrat, wusste Ephialtes, dass er Attikos eigentlich wegschicken sollte, vielleicht zu den Booten, die bereits eifrig den Fluss befuhren. Sie brauchten willige Hände – die Anstrengung, diese Flotte wieder auf See zu bekommen, würde eine Woche Arbeit erfordern. Kimon hatte im wahrsten Sinne des Wortes alles, was er hatte, auf die Ufer des Eurymedon geworfen. Viele seiner Schiffe würden für den Rest ausgeschlachtet werden müssen, sodass nur ein paar Kiele und Deckbalken im weichen persischen Schlamm zurückbleiben würden. Ephialtes dachte, dass auf ihrer Rückfahrt jedes Deck vollgestopft mit Männern sein würde – einer Rückfahrt im Triumph.

Kimon war ein einflussreicher Mann geworden. Ohne die Spartaner hatte er eine gewaltige Flotte und Streitmacht auf Land und zur See gebrochen. Die Wracks der persischen Ambitionen schwelten noch immer auf dem Fluss und zischten, als sie ins schlammige Wasser zusammenstürzten.

Ephialtes sah, dass Kimon mit einem der Feinde sprach, einem Mann in leicht unterschiedlicher Rüstung, der mit gebundenen Händen vor ihm stand. Es war typisch für ihn, dass er den edlen Archon spielte, während um ihn noch Männer aus dem Leben schieden.

Ephialtes winkte eine Wache zur Seite, als der Mann versuchte, ihn aufzuhalten. Dabei blickte Kimon zu ihm herüber und lächelte, zweifellos war er sich seines Sieges sicher. Ephialtes erwiderte dessen Lächeln, wenn ihm auch etwas sauer aufstieß. Kimon hatte tatsächlich keine Wunde davongetragen. Wie alle seines Standes hatte er sich zurückgelehnt und Arbeiter für sich kämpfen lassen. Zweifellos würde er nicht von dem Jubel oder der Verehrung der Massen zurückschrecken, wenn er wieder zu Hause war.

»Strategos Ephialtes«, sagte Kimon zur Begrüßung. »Ich bin froh, dich auf den Beinen zu sehen. Das sieht nach einer hässlichen Wunde aus.«

Ephialtes blinzelte. Einen Moment lang berührte ihn dessen Sorge, aber er fing sich wieder. Das war nur einer ihrer Tricks, die Art, wie sie kleine Dinge bemerkten und einen Mann glauben lassen ließen, er sei ihnen wichtig. Archonten und die Söhne von Archonten. Den Eupatriden wurden solche Dinge von der Wiege an beigebracht, da war er sich sicher.

Ephialtes senkte den Kopf zur Erwiderung. »Ich hatte ein paar Stiche. Du bist jeder Verletzung entgangen?«

»Ja, den Göttern sein Dank«, sagte Kimon.

»Das sehe ich«, sagte Ephialtes trocken.

Zu seiner Freude gab Attikos ein belustigtes Schnauben von sich. Kimon, der es vernahm, runzelte die Stirn.

»Der Mann bei dir ist ein Unruhestifter, Strategos. Attikos wurde mindestens zweimal ausgepeitscht – und das war noch nachsichtig, wenn man bedenkt, was er alles getan hat.«

Ephialtes straffte sich und blickte auf Kimon hinab. »Ein Unruhestifter? Ich fand ihn loyal genug. Vielleicht beurteile ich einen Mann, wie ich ihn vorfinde, anstatt aufgrund seiner Vergangenheit.«

»Das ist gefährlich«, erwiderte Kimon. »Die Vergangenheit kann ein Lehrer sein – oder eine Warnung.«

Mit diesen Worten fing er sich und biss sich auf die Lippe, ehe er fortfuhr. Während Ephialtes sich eine beißende Replik überlegte, deutete Kimon auf den Mann in Fesseln, der sie immer noch beobachtete. »Darf ich Seine Majestät, den König von Makedonien vorstellen? Unser Gefangener an diesem Tag.«

Der König verbeugte sich vor den beiden, wenn er auch in Ephialtes’ Augen ebenfalls eine undefinierbare Art von Überlegenheit auszustrahlen schien, als ob Kimon und der Makedonier den gleichen Witz teilten. Belustigung war ein Teil davon, obwohl der eine als Gefangener vor dem anderen stand.

»Ein Verräter an Griechenland«, sagte Ephialtes.

Der König blickte bei dieser Bemerkung scharf auf, antwortete aber nicht. Kimon, der sich mit einem Mal erschöpft fühlte, seufzte. Er starrte vor Staub und Schweiß und war von blauen Flecken übersät. Er hatte den ganzen Tag nichts gegessen, und er konnte sich auch nicht erinnern, dass er in der Nacht zuvor geschlafen hatte. Der Glanz der Schlacht sickerte aus ihm heraus und ließ ihn sich schwer wie Blei fühlen.

»Seine Majestät ist natürlich kein Grieche«, sagte Kimon.

Er bedeutete Alexander, sich umzudrehen, und der König, der ihm vertraute, gehorchte. Kimon durchschnitt die Fesseln. Alexander von Makedonien drehte sich um und rieb mit fragendem Blick ein Handgelenk an dem anderen.

»Nehmt den Rest Eurer Männer und geht nach Hause«, sagte Kimon. »Ich habe meine Entscheidung getroffen.«

»Du lässt ihn gehen?«, hakte Ephialtes nach.

Kimon wurde blass vor Ärger. Er fuhr so schnell zu Ephialtes herum, dass Attikos als deutliche Warnung eine Hand auf seinen Schwertknauf fallen ließ.

»Ich bin der ranghöchste Offizier auf dem Schlachtfeld, Ephialtes. Ich bin Nauarch und Archon von Athen. Denkst du, du kannst dich in diesen letzten Tagen meiner Flotte anschließen, Schiffe und Besatzungen ruinieren und dann mein Urteil auf dem Schlachtfeld infrage stellen? Du übernimmst dich – und Attikos, wenn du dein Schwert da noch einen Fingerbreit ziehst, lass ich es dich fressen.«

Ephialtes’ Mund formte lautlos Worte. Der makedonische König räusperte sich, und Kimon wandte sich ihm zu.

»Gebt mir Eurer Wort, Majestät. Euer Wort darauf, niemals wieder gegen irgendeine Streitmacht des Bündnisses in den Krieg zu ziehen, sondern uns von diesem Tag an Freund und ehrenvoller Verbündeter zu nennen.«

»Ich gebe mein Wort darauf«, sagte Alexander langsam und gewichtig.

Kimon ruckte seinen Kopf, und der König ging, so schnell er nur konnte, fort, wobei er einer Gruppe seiner Männer zupfiff, die etwas abseits ohne Waffen oder Rüstung und kaum unter Bewachung gewartet hatten. Ephialtes sah ihren Abgang missmutig und verärgert mit an. Es schien ihm, als ob Kimon eher freundlich mit Männern umging, die gerade noch an diesem Tag für einen ausländischen König gekämpft hatten, Männer, die Griechisch sprachen. Ihre Verbrechen schrien zum Himmel, und Ephialtes war ehrlich überrascht, dass man sie nicht alle köpfte oder auf ein Schiff trieb und es in Brand steckte. Das wäre ein passendes Ende für sie gewesen, anstatt sie einfach nach Hause gehen zu lassen.

Von dem Moment an, als die Schlacht geendet hatte, war Ephialtes klar geworden, dass er etwas an Boden, den er an Kimon verloren hatte, wiedergewinnen musste. Er hatte gekämpft – und eine Verletzung davongetragen. Mit dem großen Sieg konnten sie sicher alle kleinen Differenzen zur Seite legen und von Neuem beginnen. Doch gleich von Anfang an war er mit schneidenden Bemerkungen und Verachtung für seine Leibwache begrüßt worden. Ephialtes sammelte seine Gedanken, obwohl seine Wangen heiß vor Entrüstung waren.

»Es ist natürlich deine Entscheidung«, sagte er. »Ich hoffe nur, dass die Volksversammlung zustimmen wird, wenn wir zurückkehren.«

Da. Sollte er sich darüber ruhig Sorgen machen! Ephialtes behielt seinen ernsten Ausdruck bei, als Kimon ihm einen Blick zuwarf.

»Ist das eine Drohung, Strategos?«

»Überhaupt nicht … es sei denn, du würdest der Volksversammlung ihre Rolle absprechen? Wenn wir nach Athen zurückkehren, werden die Leute über Ehren und Tadel entscheiden, oder etwa nicht? Wie nach Salamis? Es wird eine Untersuchung geben, mit Zeugen, die aufgerufen werden, alles zu berichten, was sie gesehen haben. Ich kann mir vorstellen, dass einige sich fragen werden, warum du wichtige Gefangene freigelassen hast, aber das kann bis dahin warten. Der Feldzug ist schließlich noch gar nicht vorbei.«

Ephialtes zwang sich dazu, in einem etwas positiveren Ton zu enden, weil ihm jäh bewusst wurde, dass es momentan besser wäre, wenn Kimon ihn nicht als Feind betrachtete. Heere verloren täglich Männer, auf See oder an Land. Verletzungen brachten Fieber und Tod, von Fahnenflucht und Kämpfen ganz zu schweigen – es gab Hunderte von Möglichkeiten, aufgrund derer ein Mann nicht mehr nach Hause kam. So wäre Ephialtes selbst mit der Situation umgegangen, wenn ihre Positionen vertauscht gewesen wären. Er vermutete, dass er von diesem Moment an vorsichtig sein musste – und er würde ganz sicher Attikos in seiner Nähe behalten. Da war immerhin einer, um den er sich keine Sorgen machen musste. Attikos wusste schließlich, dass seine beste Chance an seiner Seite war.

Kimon blickte Ephialtes auf eine seltsame Weise an. Er begann ihm zu antworten, aber dann sah er Perikles und Epikleos herankommen. Ephialtes fühlte einen Stich, der beinahe Eifersucht gleichkam, als Kimons Aufmerksamkeit sich von ihm abwandte, als spielte er gar keine Rolle.

Beide Neuankömmlinge sahen erschöpft aus, aber Epikleos besonders. Er stand mit schweren Augenlidern da, halb schlafend und schwankend. Er war der älteste unter ihnen, fand aber dennoch die Kraft, um finster dreinzublicken, als er Attikos erkannte.

»Du schon wieder?«, murmelte Epikleos.

Attikos blinzelte ihm zu, erfreut darüber, dass man ihn wiedererkannte und fürchtete. »Was macht das Theater? Alles wieder aufgebaut?«, erwiderte er.

Epikleos’ Mund zuckte, als hätte er etwas Faules geschmeckt. Er wandte den Blick ab, anstatt zu antworten.

Perikles hatte Attikos ebenfalls bemerkt. Sein Lächeln verblich, und er stand mit leicht vorgeschobenem Kinn und feindseliger Miene da. Ephialtes schüttelte den Kopf.

»Wir haben heute den Sieg davongetragen, nicht wahr?«, sagte er laut. »Weshalb wohl die sauren Gesichter, frage ich mich! Seid versichert, wenn ich vor der Volksversammlung Zeugnis ablege, werde ich gut über euch alle sprechen.«

Ephialtes lächelte angesichts seiner Bemerkung, erfreut über seine eigene Klugheit. Kimon und Perikles tauschten resignierte Blicke.

»Wie viele Schiffe schwimmen noch?«, fragte Kimon den jüngeren Mann.

»Ungefähr ein Dutzend sind so beschädigt, dass sie nicht repariert werden können. Zwanzig weitere können in einem guten Hafen mit einem Trockendock noch gerettet werden. Anaxagoras meint, sie können wahrscheinlich erst einmal geflickt und im Schlepptau nach Hause geschafft werden. Er ist sehr gut darin, so etwas zu beurteilen, Kimon. Ich vertraue seinem Wort. Wenn wir diese Mannschaften auf unbeschädigte Schiffe verfrachten und schlechtes Wetter vermeiden, sollten wir in der Lage sein, sie nach Hause zu schaffen. Wir brauchen nur ein paar Männer an den Ruderpinnen und einen Ausguck. Ich glaube, je weniger Gewicht, desto besser.«

»Das ist gut – mehr, als ich gehofft hatte«, sagte Kimon. »Also gut. Es ist nicht mehr hell genug, um jetzt anzufangen, an Bord zu gehen. Gib an die Männer meine Anweisung weiter, dass sie ihr Lager an Land aufschlagen sollen, so gut sie können. Es ist nur wenig oder gar kein Essen vorhanden, aber sie haben den Fluss, um sich darin zu waschen und daraus zu trinken. Das wird ihnen ausreichen müssen, bis wir morgen wieder an Bord sind.«

»Moment … wir ziehen nicht weiter?«, unterbrach ihn Ephialtes. »Die Hälfte unserer Gegner läuft immer noch von diesem Ort fort! Willst du sie auch gehen lassen?«

Kimon schob das Kinn vor und antwortete wohlüberlegt, im Bewusstsein, dass seine Worte eines Tages vor der Volksversammlung von Athen wiederholt werden könnten. »Wir haben ihre Flotte verbrannt und ihr Heer gebrochen, aber ich habe weder Männer noch Vorräte für einen ausgedehnten Feldzug ins Herz von Persien. Meine Aufgabe, Strategos, war, die Streitmacht, die sie hier an diesem Ort zusammengezogen hatten, in Brand zu stecken, zu brechen und zu zerstören. Das ist erledigt. Ich habe schließlich keine Befehle von der Volksversammlung oder vom Bündnis, eine Invasion des Reichs in Gang zu setzen – und das ohne jede Planung.«

»Aber diese Stellung einfach aufzugeben, erscheint mir etwas hastig«, sagte Ephialtes, der sich für das Thema erwärmte. »Warum marschieren wir nicht wenigstens einen Tag landeinwärts? Wer weiß, was uns dort erwartet.«

»Du kannst das gerne machen, Strategos«, sagte Kimon kühl. »Aber ich werde kein weiteres Leben mehr ohne guten Grund vergeuden. Als Nauarch des Bündnisses sind meine Befehle, wieder in See zu stechen. Oh, und Strategos Ephialtes, ich werde die Besatzung auf deinem Schiff durch bessere Männer ersetzen. Deine sind schlecht ausgebildet, und es mangelt ihnen an Disziplin. Ihr kommt bei jedem Manöver ins Hintertreffen.«

»Und doch war ich es wohl, der die Landung am Fluss angeführt hat«, stieß Ephialtes hervor.

Wieder gab Attikos ein schnaubendes Geräusch von sich.

»Ihr wurdet aber in die Flucht geschlagen«, sagte Perikles.

Ephialtes blickte ihn an. Ja, natürlich würde er Kimon unterstützen. Sie gehörten der gleichen sozialen Schicht an. So wie Kimon mit einem Zwinkern und einem Lächeln einen König von Makedonien freigesetzt hatte. So lief es in deren Welt.

»Angesichts überwältigender Widrigkeiten hat meine Besatzung sich gut geschlagen, glaube ich. Ich behalte sie lieber. Wenn mir die Männer genommen werden, passiert das gegen meinen Willen, und ich werde gezwungen sein, eine offizielle Beschwerde einzulegen, wenn wir nach Hause kommen. Zusätzlich zum Rest meines Zeugnisses.« Wie tief in Gedanken kratzte der Strategos sich mit einem Fingernagel an der Unterlippe. »Ich frage mich allerdings … Ich bete, dass es nicht wahr ist. Kann es sein, dass dich deine Nerven im Stich gelassen haben, Kimon? Vielleicht …«

Er brach ab, als Kimon vor Überraschung ein kurzes, scharfes Lachen herausbellte. Zumindest für Perikles sah es aus, als litte er Schmerzen.

»Mein Vater stand bei Marathon – und als er danach trachtete, die Perser zu bestrafen, erlitt er eine Wunde, die ihn schließlich tötete. Ich diente bei Salamis und sah mehr ertrunkene Männer, als ich wusste, dass es lebende Männer gab. So viele, Ephialtes! Alle gingen sie zusammen unter, Perser wie Griechen. Ich habe gesehen, wie Zypern sich uns anschloss, und bin Nauarch des Bundes geworden. Dieser Fluss, der Eurymedon, fließt rot vor Blut und schwarz vor Asche. Nein, wir sind fertig hier. Geh, wohin du willst; ich habe heute genug an Tod gesehen.«

Ephialtes konnte ihn angesichts seiner rohen Gefühlsregung nur anstarren. In diesem Moment hasste er Kimon. Der Adelsstand musste so oberflächlich, schwach und sinnlos sein, wie er es sich einbildete, aber nicht so. Er suchte nach einer anderen Art, wie er diesen edlen Sohn von Athen verletzen konnte.

»Und doch …«, sagte er, »als du den König von Makedonien ungehindert vom Schlachtfeld hast gehen lassen, war mir nicht klar, dass du das Heer und die Flotte im Augenblick unseres Triumphs zurückziehen würdest. Hat er dir etwas angeboten, Archon Kimon? Du hast dich doch mit ihm unterhalten, als ich dazukam, nicht wahr? Was hat dieser König und Verbündete der Perser dir versprochen?«

»Du abtrünniger, undankbarer Hurensohn«, knurrte Epikleos ihn an. Er begann das Schwert an seiner Hüfte zu ziehen, und Attikos griff nach dem seinen. Ephialtes, der wusste, dass sie in der Unterzahl waren, packte das Handgelenk seines Mannes.

»Es gibt keinen Grund für Gewalt, nicht unter uns«, sagte Ephialtes. Er hatte sein Lächeln wiedererlangt. Er hatte nicht vorgehabt, dass es auf das hier hinauslief, doch er konnte seinen Plan immer noch zum Gelingen bringen. Er hatte Kimon, da war er sich sicher. Kein Schutz seiner Klasse würde ihn retten, nicht mehr, als er seinen Vater hatte retten können.

»Ich glaube, wenn wir wieder zu Hause sind«, fuhr Ephialtes fort, »dann ist es meine Pflicht, Klage einzureichen – damit eine Gruppe Geschworener unserer Leute über die Handlungen urteilt, derer ich heute Zeuge geworden bin. Dann wird Gerechtigkeit festgestellt werden, nicht hier auf einem fremden Schlachtfeld.«

Die Anklagen würden reichen, da war er sich sicher, so wie sie für Pausanias von Sparta gereicht hatten. Ephialtes konnte in Kimons Augen sehen, wie ihm die harte Erkenntnis dessen dämmerte. Er von allen Männer wusste, wie tief ein erobernder Held fallen konnte. Kimon war beim Gerichtsverfahren seines Vaters gewesen, das nur wegen Versagens in der Schlacht angestrengt worden war. Die Volksversammlung war launisch und bestrafte schon den leichtesten Anflug von Schande. Wenn der Ankläger ein Strategos von Athen war, dann war Kimon erledigt …

»Ich werde ihn anklagen«, sagte Perikles plötzlich. »So wie mein Vater die Anklage gegen seinen Vater vorbrachte.«

»Was?«, sagte Ephialtes überrumpelt.

Perikles zuckte die Achseln. »Es ist mein Recht als freier Athener. Du hast die Sache vorgebracht, aber ich werde dagegen vorgehen.«

»Ich hatte gedacht, ich würde das selbst tun …«

»Oh, das tut mir leid«, sagte Perikles. »Das hättest du sagen sollen. Ich ziehe mich jetzt nicht wieder zurück. Ich habe gesprochen, und es ist mein Recht. So wie mein Vater vor mir werde ich dafür sorgen, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird, unverzüglich und ohne Gnade.«

Kimon warf dem jungen Mann einen Blick zu, der von völligem Treuebruch sprach. Ephialtes sah es und nickte vor sich hin. Er erkannte, dass sie wie Kampfhähne waren. Mit nur einem kleinen Stoß würden diese edlen Söhne sich gegenseitig an die Gurgel gehen und ihre Krallen einsetzen, bis Blut floss. Es war sogar noch besser, wenn die Anklage von Perikles ausging, wenn es Ephialtes auch dazu brachte, Perikles in einem neuen Licht zu betrachten. Wenn er so rücksichtslos mit denen umgehen konnte, die er Freunde nannte, dann war er jemand, den man im Auge behalten musste.

»Ihr alle, kümmert euch um eure Aufgaben«, sagte Kimon rau. Seine Stimme war heiser, und er wandte sich von ihnen ab. »Kümmert euch um die Verletzten und sammelt Waffen und Rüstungen ein. Morgen verlassen wir diesen Ort.«